Bade-Kultur
Römer und Griechen der Antike gaben sich äußerst freizügig, auch Gäste mittelalterlicher Badehäuser hielten keine moralischen Grenzen ein. In der Renaissance aber entwickelte sich eine unfassbare Prüderie.Der Bikini ist keine Erfindung der Neuzeit - wie das Mosaik der antiken Villa Romana del Casale auf Sizilien beweist.
Ins Wasser gefallen
Wasser spielte schon immer eine wichtige Rolle im Leben der Menschen. In Zeiten, als nicht jede Höhle über den Luxus eines eigenen Baches verfügte, musste der Urmensch zum Trinken den nächsten Fluss oder See aufsuchen. Irgendwann beugte sich einer zu weit über das Ufer und fiel ins Wasser. Dies dürfte der erste Badende der Geschichte gewesen sein - war das Wasser zu tief, auch die erste Wasserleiche.
Im Laufe der Zeit entwickelten unsere Vorfahren Techniken, um nicht bei jedem Tritt daneben gleich zu ertrinken. Vorläufer der Kunst des Schwimmens wurden schon in alten Höhlenmalereien in Libyen dokumentiert. Ägyptische Tonzylinder, Bäderarchitekturen indischer Paläste und Epen auf mesopotamischen Tontafeln halten die Entwicklung der frühen Badekultur fest.
Tratschen, intrigieren, handeln
Auch bei den alten Griechen besaß die Kunst des Schwimmens ein hohes Ansehen. "Er kann weder schwimmen noch lesen" lautete ein abwertendes Urteil. Der therapeutische und sportliche Wert war bekannt, Schwimmen wurde vor allem an den Gymnasien gelehrt. Doch obwohl von den Göttern unglaubliche Leistungen im Schwimmen überliefert wurden, schaffte es die Sportart nicht zur olympischen Disziplin.
Des Kaisers Prestigeobjekte
Ruhiger gingen es die Römer an - Sportlichkeit wich Müßiggang, der kulturelle Aspekt des Badens trat in den Vordergrund: Baden war nun ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis. Thermen galten als Prestigeobjekte der Kaiser. Weit mehr als tausend Gäste tummelten sich in den größten Badehäusern des Römischen Reichs. Es wurde getratscht, intrigiert und gehandelt, Dichter und Musiker trugen ihre Werke vor.
Beachtlich waren auch die Angebote, die den Badenden das Leben versüßten. Es gab die unterschiedlich temperierten Becken des Tepidariums, das Caldarium - ein Raum wie heutige Saunen, mit feuchter Hitze, das Laconicum mit trockener Hitze und die kalten Becken des Frigidariums. Zwischen den Badegängen wurde ausgiebig gespeist und getrunken, später konnten sich die Gäste von Sklaven massieren und einölen lassen.
Badehaus im 15. Jahrhundert: Spielhölle und Bordell.
Mit dem Untergang des Römischen Reiches endete die Badekultur abrupt. Moralapostel verdammten schon vorher das teils sündhafte Treiben in den Thermen, doch erst zu Beginn des Mittelalters fanden Theologen wie Aurelius Augustinus Gehör. Er verdammte das Baden mit den Worten, einmal im Monat sei ein Bad gerade noch mit dem christlichen Glauben zu vereinen. Mönche durften nach seiner Ansicht nur vor Weihnachten und Ostern baden. Ein Leben nach dem Motto Ora et labora - Bete und Arbeite - führte auch die ländliche Bevölkerung. Für Vergnügen blieb neben der Arbeit keine Zeit.
Kreuzfahrer gehen baden
Baden wurde regelrecht bekämpft, hatte es doch stets mit Nacktheit zu tun - für die Kirche ein absolutes Tabu. Doch deren Einfluss währte hier nicht ewig. Ausgerechnet auf ihren Kreuzzügen lernten Ritter die Annehmlichkeiten eines ausgedehnten Bades zu schätzen und wollten auf den Genuss auch in ihrer Heimat nicht mehr verzichten. In den Städten des 12. bis 15. Jahrhunderts schossen die Badestuben wie Pilze aus dem Boden...
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Infobox
Kein leichtes Unterfangen war der Bau der Therme. Kleine Badestuben konnte man noch leicht in die Stadtstruktur integrieren, große Thermen bereiteten hingegen einige Probleme. Bauplatz war knapp, im Zentrum oder in bevorzugten Stadtlagen kaum zu bekommen. Da die Badeanstalten günstig liegen und dazu repräsentativ wirken sollten, wurden neue Gebäude in jede freie Lücke hineingequetscht.
Zum Platzproblem gesellte sich ein zweites: Wie an Wasser kommen? Mit Hilfe vieler riesiger Aquädukte gelang es findigen Ingenieuren allerdings, Wasser im Überfluss nach Rom zu leiten. Ausgeklügelte Zentralheizungen versorgten die Bäder mit heißer Luft. Die so genannten Hypokausten heizten die Räume von unten. Der Boden der Therme wurde auf Stützen aus Backsteinen gebaut, so dass ein Hohlraum darunter entstand. Tonröhren und Luftkanäle leiteten die heiße Luft, die in einem zentralen Ofen erzeugt wurde, in die jeweiligen Räume.
Zum Platzproblem gesellte sich ein zweites: Wie an Wasser kommen? Mit Hilfe vieler riesiger Aquädukte gelang es findigen Ingenieuren allerdings, Wasser im Überfluss nach Rom zu leiten. Ausgeklügelte Zentralheizungen versorgten die Bäder mit heißer Luft. Die so genannten Hypokausten heizten die Räume von unten. Der Boden der Therme wurde auf Stützen aus Backsteinen gebaut, so dass ein Hohlraum darunter entstand. Tonröhren und Luftkanäle leiteten die heiße Luft, die in einem zentralen Ofen erzeugt wurde, in die jeweiligen Räume.
Infobox
Die Schlösser des 17. und 18. Jahrhunderts dürfte ein merkwürdiger Geruch durchströmt haben. Die Vorstellung von Hygiene wich weit von dem ab, was heute selbstverständlich ist. Wasser schrieb der Volksmund unheimliche Eigenschaften zu: Es öffne die Poren der Haut, weiche den Körper bis ins Innerste auf und ließe damit alle Arten von Krankheitserregern eindringen.
Baden schien gesundheitsschädlich. Stattdessen rieb sich die höhere Gesellschaft lieber trocken oder mit einem parfümierten Tuch ab und puderte stark nach, um jeden Rest von Feuchtigkeit zu eliminieren. Die Angst vor dem Wasser stammte aus den Badehäusern des Mittelalters, die sich bis ins 16. Jahrhundert immer mehr zu Bordellen gewandelt hatten. Dass die Übertragung von Krankheiten eher vom wechselhaften Liebesspiel als vom Wasser kam, war für die damalige Zeit nicht vorstellbar. Auch Düfte hielt man für fähig, Krankheiten zu übertragen.
Immerhin wechselte der auf Sauberkeit bedachte Adelige nunmehr täglich seine Unterwäsche - im Mittelalter war noch einmal im Monat üblich. Schlechte Gerüche galten ebenso als schädlich, konnten aber durch andere Düfte neutralisiert werden. So war das Parfüm in der besseren Gesellschaft praktisch überall. Puder, Haare, Kleider, Tücher, Unterwäsche - alles musste stark parfümiert und mehrmals täglich mit Duftwasser aufgefrischt sein.
Die Toilettensitten waren allerdings weniger schlimm als oft erzählt. Zwar gab es keine Toiletten, doch hatte jeder Adelige einen Diener, der einen Keramiktopf trug, in dem jederzeit die Notdurft verrichtet werden konnte - ohne jede Scham auch in der Öffentlichkeit. Wer viel auf sich hielt, besaß einen so genannten Kackstuhl, in dem, unter einem Loch in der Sitzfläche, der Abort-Topf gleich fest angebracht war.
Baden schien gesundheitsschädlich. Stattdessen rieb sich die höhere Gesellschaft lieber trocken oder mit einem parfümierten Tuch ab und puderte stark nach, um jeden Rest von Feuchtigkeit zu eliminieren. Die Angst vor dem Wasser stammte aus den Badehäusern des Mittelalters, die sich bis ins 16. Jahrhundert immer mehr zu Bordellen gewandelt hatten. Dass die Übertragung von Krankheiten eher vom wechselhaften Liebesspiel als vom Wasser kam, war für die damalige Zeit nicht vorstellbar. Auch Düfte hielt man für fähig, Krankheiten zu übertragen.
Immerhin wechselte der auf Sauberkeit bedachte Adelige nunmehr täglich seine Unterwäsche - im Mittelalter war noch einmal im Monat üblich. Schlechte Gerüche galten ebenso als schädlich, konnten aber durch andere Düfte neutralisiert werden. So war das Parfüm in der besseren Gesellschaft praktisch überall. Puder, Haare, Kleider, Tücher, Unterwäsche - alles musste stark parfümiert und mehrmals täglich mit Duftwasser aufgefrischt sein.
Die Toilettensitten waren allerdings weniger schlimm als oft erzählt. Zwar gab es keine Toiletten, doch hatte jeder Adelige einen Diener, der einen Keramiktopf trug, in dem jederzeit die Notdurft verrichtet werden konnte - ohne jede Scham auch in der Öffentlichkeit. Wer viel auf sich hielt, besaß einen so genannten Kackstuhl, in dem, unter einem Loch in der Sitzfläche, der Abort-Topf gleich fest angebracht war.




