Beschützer der Meere
Tauchen wurde Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts zum erschwinglichen Urlaubsspaß. Bald bekamen Forscher bei ihren Tauchgängen aber auch die Zerstörung des maritimen Lebensraums zu sehen - und wurden aktiv.Wer kennt ihn nicht, den Mann mit der roten Mütze und dem windgegerbten Gesicht? Jacques Cousteau, 1910 in der Hafenstadt Marseille geboren, entwickelte schon früh großes Interesse an der Meeresbiologie. Nach dem Abitur besuchte er die Seefahrtschule in Brest. Auch während des Zweiten Weltkriegs blieb Cousteau dem Meer treu - als Kundschafter filmte er mit versteckter Kamera Schiffswracks auf dem Grund des Mittelmeeres.
Wie ein Fisch im Wasser
In der damaligen Zeit existierten nur schwere Tauchanzüge, die durch einen Luftschlauch mit der Oberfläche verbunden waren. Cousteau hingegen träumte von einem Tauchgerät, das stundenlangen Aufenthalt unter Wasser ermöglichte und viel Bewegungsspielraum gab. 1943 entwickelte er mit dem Ingenieur Emile Gagnan das erste Presslufttauchgerät, die Aqualunge. Vier Jahre später erzielte er damit den Weltrekord im Freitauchen: in 91,5 Meter Tiefe stieß Cousteau damals vor. Neben Erfindergeist besaß der sympathische Franzose ein besonderes Talent, Finanziers für seine Projekte aufzutreiben. So schenkte ihm die irische Bierbrauerei Guinness 1950 ein altes britisches Minenräumboot. Mit großer Begeisterung baute es Cousteau zum später berühmten Forschungsboot Calypso um. Die Zeit der Expeditionen begann.
Arbeitsplatz Unterwasserwelt
Um unter Wasser besser arbeiten zu können, konstruierte er kleine "Tauchuntertassen". Später waren es sogar regelrechte Unterwasserhäuser, bekannt als Vorkontinent I-III. Ozeanauten lebten und arbeiteten wochenlang in ihnen: zuerst im Mittelmeer, danach im Roten Meer und schließlich vor der französischen Atlantikküste. Ergebnisse dieser Forschungsreisen waren unter anderem Bücher, Spielfilme, Fernsehserien und Dokumentarfilme, die in der ganzen Welt gezeigt wurden. Der Film Welt der Stille erhielt 1956 bei den Filmfestspielen in Cannes die Goldene Palme. Welt ohne Sonne gewann 1964 sogar den Oscar in der Kategorie Bester Dokumentarfilm.
Anwalt der Meere
Cousteau war aber nicht nur Erforscher, sondern auch Anwalt der Meere. 1960 konnte er den damaligen Staatspräsidenten Charles de Gaulle dazu bewegen, die Versenkung radioaktiver Abfälle im Mittelmeer zu stoppen. Die Cousteau Society, die der Meeresforscher 1973 gründete, setzt sich bis heute für den Erhalt der Ozeane ein. Bis ins hohe Alter arbeitete Cousteau unter Wasser: "Wenn man taucht, fühlt man sich auf einmal wie ein Engel. Man fühlt sich frei." Am 25. Juni 1997 kehrte er in die Welt der Stille zurück: Mit 87 Jahren starb Cousteau in Paris.
Verrückt nach Meer
Wie der berühmte Franzose war auch der Österreicher Hans Hass schon früh vom Tauchen fasziniert. Seine erste Expedition unternahm der 1919 in Wien Geborene als Jugendlicher. Während der Tauchgänge vor der dalmatinischen Küste schoss er zahlreiche Unterwasserfotos. Weitere Exkursionen folgten.
Bis zu einer Stunde
Auch als Erfinder tat sich Hass hervor. Ende der dreißiger Jahre konstruierte er eine wasserdichte Hülle für seine 16-mm-Schmalfilmkamera. 1941 entwickelte er zusammen mit der Firma Dräger das Sauerstoff-Kreislaufgerät: Es ermöglichte Tauchgänge von bis zu einer Stunde Dauer. Zu Hass´ zahlreichen Erfindungen gehört auch ein Gerät zum Anlocken von Haien aus dem Jahr 1948. In den 1980er Jahren schuf er den Tauchcomputer Hans Hass Deco-Brain, der die Aufstiegszeit beim Tauchen errechnet.
Charme und Mut
Ganz ähnlich wie Cousteau schrieb und produzierte Hass viele Filme, Bücher und TV-Serien über seine Erlebnisse unter Wasser. 1959 erhielt Hass den Oscar für den Film Unternehmen Xarifa, der während seiner Expeditionen mit dem Dreimastschoner Xarifa entstand. Begleiterin bei allen Exkursionen war Hass´ Ehefrau Lotte, die in den Filmen ihr Können als Taucherin und Fotografin unter Beweis stellte. Ihr Charme und Mut begeisterte die Zuschauer.
Genießen statt zerstören
"Das wichtigste Gefühl beim Tauchen ist eine Art Andacht. Das Motto muss sein: Genieße, nimm daran teil, greife nicht ein, zerstöre nicht", sagte Hass. Dementsprechend setzt er sich bis heute für den Schutz des Meeres ein. Für dieses Engagement erhielt Hass zahlreiche Auszeichnungen.
Bettina Ruhland (aktualisiert 07.06.2007)
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Infobox
Gänzlich ohne Ausrüstung, nur mit ihrer Atemluft, kommen Apnoe-Taucher aus. Das griechische Wort Apnoe bedeutet "Atemstillstand". In manchen Kulturen verhilft diese Art des Tauchens auch heute noch zum Lebensunterhalt. Ein Beispiel dafür sind die Haen-Yos: Diese "Meer-Frauen" leben auf den südkoreanischen Inseln im japanischen Meer. Minutenlang suchen sie unter Wasser nach Meeresdelikatessen, die sie aus einer Tiefe von 15 bis 20 Metern heraufholen.



