Schwimmende Paläste
Heute ist Tempo Nebensache. Zwischen palmenbestandenen Küsten sehnt niemand mehr den Ankunftshafen herbei. Was musste geschehen, um das Bild der Seefahrt so zu verändern?Die Great Eastern (1858-1889): technisch ein Triumph, wirtschaftlich ein Misserfolg.
Schnell, nicht komfortabel
Als so genannte Postschiffe beförderten die Ozeanliner Anfang des 19. Jahrhunderts hauptsächlich Briefe und Pakete. Es galt, einen genauen Zeitplan einzuhalten. Schnell mussten sie vor allem sein, nicht komfortabel - das frühe Reisen mit dem Schiff war eine höchst unbequeme Angelegenheit. Der Schriftsteller Charles Dickens beklagte sich 1842 über die Verhältnisse an Bord der Britannia: Die Decks seien fast unbegehbar gewesen, da sich das Gepäck der Passagiere und leicht verderbliche Nahrungsmittel darauf stapelten. Auch das lieblos zubereitete Essen und die ständigen Schlingerbewegungen des Schiffes störten Dickens.
Image der Zuverlässigkeit
Den Dampfschiffen mangelte es zwar an Behaglichkeit, aber nicht an Geschwindigkeit und Sicherheit: Sir Samuel Cunard, der in Schottland Schiffe bauen ließ, verzeichnete mit seiner Reederei in fünfunddreißig Jahren keinen einzigen tödlichen Unglücksfall - ein wahrer Rekord zu einer Zeit, als die Atlantikreise noch sehr gefährlich war. So sicherte sich die Cunard-Gesellschaft mit ihrem Image absoluter Zuverlässigkeit den Erfolg für Jahre.
In puncto Sicherheit gescheitert
Um 1850 bekamen die Briten Konkurrenz aus Amerika: Die Postschiffe der Collins Line waren größer, schneller und komfortabler als die Cunard-Schiffe. Die Expressliner fuhren auf speziellen Hochgeschwindigkeits-Seestraßen. Es ging darum, die pfeilschnellen Schiffe der Konkurrenz noch weiter an Tempo zu überbieten. Doch in puncto Sicherheit scheiterten die amerikanischen Schiffe. 1854 sank die Arctic infolge einer Kollision und kurze Zeit darauf verschwand ihr Schwesterschiff, die Pacific, spurlos im Atlantik.
Immer größer, immer schneller
In den folgenden Jahren legten die Schiffe dank neuer Entwicklungen im Schiffbau ständig an Geschwindigkeit und Größe zu. Schiffsschrauben ersetzten das Schaufelrad. Schiffe aus Holz mussten eisernen Schiffskörpern weichen. Zwischen 1856 und 1862 wurden drei neue Schiffsgesellschaften gegründet: die deutsche Hamburg-Amerika-Linie, der Norddeutsche Lloyd und die Compagnie Générale Transatlantique - international auch als French-Line bekannt. Der Eifer der Konstrukteure entfachte das legendäre Wettrennen um das Blaue Band: es war die Auszeichnung für jenes Schiff, das am schnellsten den Nordatlantik überquerte.
Atmosphäre an Bord
In den Goldenen Zwanzigern wurde das Reisen an Bord zunehmend bequemer, was die Popularität der Schiffe steigerte. Der wahre Anreiz einer Überfahrt lag nicht allein im günstigen Fahrpreis sondern in der Atmosphäre an Bord: Bewohner der weniger protzigen Quartiere wurden durch gemütliche Kojen mit sichtbaren Rohren und Bullaugen ständig daran erinnert, dass sie sich auf einem Schiff befanden. Das sanfte Vibrieren der Turbinen und das Trippeln von Füßen auf dem Deck verstärkten diesen Eindruck.
Wachteln und Pasteten
Für etwas begütertere Passagiere wurde die Reise über den Atlantik mit allerlei Extras versehen. Die auf dem Ozean schwimmenden Restaurants boten einen Service auf dem Niveau eines Fünf-Sterne-Hotels an Land: Pasteten oder gebratene Wachteln weckten den Gaumenkitzel der wohlhabenden Gäste; prachtvolle Rosenbuketts und große Schalen mit frischem Obst zierten die Tische. Während die Herren Frack oder Smoking trugen, kleideten sich die Damen in schimmernde Satinroben oder hauchdünne Kleider...
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Die Great Eastern
Es war ein gigantisches Projekt. Isambard Kingdom Brunel (1806 bis 1859), der als Architekt bereits den Bahnhof Paddington Station in London entworfen hatte, plante den Bau eines riesigen Eisenschiffes: Die Great Eastern sollte fünfmal so groß sein wie das bis dahin größte existierende Schiff, rund viertausend Menschen Platz bieten und über mehrere Schaufelräder sowie sechs Segelmasten verfügen. Eine komplette Erdumrundung sollte gelingen, wobei das Schiff nur einmal mit Kohle zu beladen wäre.
Über zweitausend Arbeiter waren drei Jahre damit beschäftigt, die etwa dreißigtausend Eisenplatten zu vernieten. Brunels Materialbedarf war so groß, dass der Weltmarktpreis für Eisen spürbar anstieg. Nachdem die Great Eastern 1858 tatsächlich vom Stapel lief, kam es zu mehreren Unfällen und Havarien. Daraufhin gingen die Passagierbuchungen zurück, was den Luxusliner zum wirtschaftlichen Misserfolg werden ließ.
Das Schiff kam unter den Hammer und wurde von Cyrus W. Fields, einem amerikanischen Großindustriellen, für 25.000 Pfund ersteigert. Fields ließ die Great Eastern umbauen und verlegte mit ihr 1866 das erste Telegraphenkabel zwischen Europa und Amerika.
Es war ein gigantisches Projekt. Isambard Kingdom Brunel (1806 bis 1859), der als Architekt bereits den Bahnhof Paddington Station in London entworfen hatte, plante den Bau eines riesigen Eisenschiffes: Die Great Eastern sollte fünfmal so groß sein wie das bis dahin größte existierende Schiff, rund viertausend Menschen Platz bieten und über mehrere Schaufelräder sowie sechs Segelmasten verfügen. Eine komplette Erdumrundung sollte gelingen, wobei das Schiff nur einmal mit Kohle zu beladen wäre.
Über zweitausend Arbeiter waren drei Jahre damit beschäftigt, die etwa dreißigtausend Eisenplatten zu vernieten. Brunels Materialbedarf war so groß, dass der Weltmarktpreis für Eisen spürbar anstieg. Nachdem die Great Eastern 1858 tatsächlich vom Stapel lief, kam es zu mehreren Unfällen und Havarien. Daraufhin gingen die Passagierbuchungen zurück, was den Luxusliner zum wirtschaftlichen Misserfolg werden ließ.
Das Schiff kam unter den Hammer und wurde von Cyrus W. Fields, einem amerikanischen Großindustriellen, für 25.000 Pfund ersteigert. Fields ließ die Great Eastern umbauen und verlegte mit ihr 1866 das erste Telegraphenkabel zwischen Europa und Amerika.
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Rekordhalter auf See
Schon dreimal hatten Schiffe der Royal Caribbean Cruise Line seit 1988 den Titel des größten Passagierschiffes der Welt inne - das vierte stellte die Reederei im April 2006 in Dienst: die Freedom of the Seas. Sie ist 339 Meter lang, 56 Meter breit und verfügt über 18 Decks. Bis zu 4370 Passagiere finden in 1817 Kabinen Platz; 1401 Besatzungsmitglieder kümmern sich um Schiff und Gäste. Zur Ausstattung gehören unter anderem ein Einkaufszentrum, ein Surfpark mit "stehender Welle" und ein Minigolfplatz.
Seit Mai 2007 kreuzt ein identisches Schwesterschiff in der Karibik, ein weiteres folgte im April 2008. Längstes Kreuzfahrtschiff der Welt ist die Queen Mary 2: sie ist sechs Meter länger als die Freedom, nimmt jedoch nur bis zu 2.620 Gäste auf. Beide Schiffe werden ihre "Titel" im Herbst 2009 abgeben, wenn die Oasis of the Seas (360 Meter lang, 5.400 Passagiere) den Dienst aufnimmt.
Schon dreimal hatten Schiffe der Royal Caribbean Cruise Line seit 1988 den Titel des größten Passagierschiffes der Welt inne - das vierte stellte die Reederei im April 2006 in Dienst: die Freedom of the Seas. Sie ist 339 Meter lang, 56 Meter breit und verfügt über 18 Decks. Bis zu 4370 Passagiere finden in 1817 Kabinen Platz; 1401 Besatzungsmitglieder kümmern sich um Schiff und Gäste. Zur Ausstattung gehören unter anderem ein Einkaufszentrum, ein Surfpark mit "stehender Welle" und ein Minigolfplatz.
Seit Mai 2007 kreuzt ein identisches Schwesterschiff in der Karibik, ein weiteres folgte im April 2008. Längstes Kreuzfahrtschiff der Welt ist die Queen Mary 2: sie ist sechs Meter länger als die Freedom, nimmt jedoch nur bis zu 2.620 Gäste auf. Beide Schiffe werden ihre "Titel" im Herbst 2009 abgeben, wenn die Oasis of the Seas (360 Meter lang, 5.400 Passagiere) den Dienst aufnimmt.



