Straße der Hoffnung
Wie keine andere Straße hat die legendäre Route 66 von Chicago nach Kalifornien die amerikanische Autokultur geprägt. Romantiker haben die Strecke längst zum Kult-Highway stilisiert.Route 66 in Arizona - die einst wichtigste Ost-West-Verbindung verläuft durch drei Zeitzonen und acht US-Bundesstaaten.
Von einem Mythos war die Route 66 in den 1920er Jahren noch weit entfernt, obwohl ihre Bedeutung als eine der ersten durchgehenden Straßenverbindungen von Chicago zur US-amerikanischen Westküste stetig zunahm: Auf der "Mother Road", die sich durch drei Zeitzonen und die acht US-Bundesstaaten Illinois, Missouri, Kansas, Oklahoma, Texas, New Mexico, Arizona und Kalifornien windet, benötigte man für die etwa viertausend Kilometer lange Strecke bis nach Los Angeles nun nur noch wenige Tage.
"Go West!": von Chicago nach Los Angeles
Fortan diente die Route 66 vielen US-Amerikanern als Weg in ein besseres Leben: Infolge jahrelanger Sandstürme und der Dürre im Mittleren Westen suchten in den 1930er Jahren gemäß dem Motto "Go West!" hunderttausende Farmer und Landarbeiter ihr Glück in Kalifornien (siehe Infobox). Eine Dekade später lockte die boomende Westküste mit Arbeitsplätzen in der aufblühenden Rüstungs- und Flugzeugindustrie.
Jene, die es nicht bis nach Kalifornien schafften, ließen sich irgendwo dazwischen nieder. So entwickelten sich viele der an der Straße gelegenen kleinen Orte zu blühenden Städten, während die Route 66 zu einem florierenden Highway mit Motels, Tankstellen, Restaurants und Geschäften wurde. Jahrzehntelang blieb die Route 66 nicht nur für den Handel die wichtigste Ost-West-Verbindung der Vereinigten Staaten, sondern vor allem für die Menschen, die auf ihr reisten und von ihr lebten.
Nostalgie: Tankstellen wie diese erinnern an die gute alte Zeit der Route 66. (Foto: byways.org; Creative Commons)
Der Niedergang kam in den 1960er Jahren, da die Route 66 mit dem wachsenden Verkehr nicht länger mithalten konnte: zu kurvenreich war sie, zu schlecht ausgebaut. Zwangsläufig wich die "Mother Road" nach und nach dem modernen mehrspurigen Interstate Highway System - für viele Geschäfte und Ortschaften entlang der Straße der Ruin.
Vielleicht ist es gerade ihr Bedeutungsverlust, der die Route 66 zu neuem Leben erweckt, sie zum Symbol für Freiheit und Ungebundenheit gemacht hat. Mittlerweile säumen unzählige Souvenirshops und Museen die Strecke, konservieren kitschige Motels, kuriose Restaurants und verrostete Zapfsäulen die gute alte Zeit. Nicht die Zukunft, sondern die Vergangenheit ist das Ziel der zahlreichen Touristen, die heute die Straße befahren. Was die Menschen allerdings damals wie heute verbindet, ist die Suche nach den "kicks on Route Sixty Six."
Yvonne Schmidt (07.10.2008)
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Infobox
Route 66
Die einst 3.939,67 Kilometer lange Route 66 ist heute nur noch auf Teilstücken befahrbar. Neben dem Lincoln-Highway war sie die erste durchgehende Verbindung zur Westküste. 1926 wurde die Straße parallel zur bestehenden Eisenbahnlinie gebaut und verläuft - im Unterschied zu den meisten anderen schachbrettartig angelegten Straßen - diagonal durch die USA.
Die ersten Drive-in- und Fast-Food-Restaurants sowie Motels entstanden entlang der legendären Straße. Auch das weltweit erste MacDonalds-Restaurant eröffnete hier: am 15. Mai 1940 im kalifornischen San Bernardino.
Nach dem Vorbild der Autobahnen, die der Ex-General und spätere US-Präsident Eisenhower 1945 in Deutschland kennengelernt hatte, wurde die Route 66 allmählich durch mehrspurige und kurvenarme Fernstraßen ersetzt.
Das längste und schönste noch heute befahrbare Teilstück der Route 66 (Historic Route 66) verläuft durch Arizona zwischen den Ortschaften Seligman, Kingman, Oatman und dem Colorado-Ufer bei Topock.
Die einst 3.939,67 Kilometer lange Route 66 ist heute nur noch auf Teilstücken befahrbar. Neben dem Lincoln-Highway war sie die erste durchgehende Verbindung zur Westküste. 1926 wurde die Straße parallel zur bestehenden Eisenbahnlinie gebaut und verläuft - im Unterschied zu den meisten anderen schachbrettartig angelegten Straßen - diagonal durch die USA.
Die ersten Drive-in- und Fast-Food-Restaurants sowie Motels entstanden entlang der legendären Straße. Auch das weltweit erste MacDonalds-Restaurant eröffnete hier: am 15. Mai 1940 im kalifornischen San Bernardino.
Nach dem Vorbild der Autobahnen, die der Ex-General und spätere US-Präsident Eisenhower 1945 in Deutschland kennengelernt hatte, wurde die Route 66 allmählich durch mehrspurige und kurvenarme Fernstraßen ersetzt.
Das längste und schönste noch heute befahrbare Teilstück der Route 66 (Historic Route 66) verläuft durch Arizona zwischen den Ortschaften Seligman, Kingman, Oatman und dem Colorado-Ufer bei Topock.
Infobox
Kaum ein Roman...
beschreibt den Massenexodus aus dem von jahrelanger Dürre und Sandstürmen heimgesuchten Mittleren Westen anschaulicher als John Steinbecks Früchte des Zorns. Etwa 210.000 Farmer zogen in den 1930er Jahren über die Route 66 gen Kalifornien, um dort Arbeit zu finden. Was sie erwartete, waren Ausbeutung, Anfeindung und Hunger.
Mittelpunkt des Romans ist die aus Oklahoma stammende Farmerfamilie Joad, die von Großgrundbesitzern wegen nicht beglichener Schulden von ihrem Land vertrieben wird. Auf einem schrottreifen Lkw schafft es die Familie bis nach Kalifornien. Endstation ist allerdings ein Migrantenlager, in dem die Familie allmählich auseinanderbricht.
Als John Steinbeck seinen Roman unter dem Originaltitel The Grapes of Wrath 1939 veröffentlichte, folgten Verbote und sogar Bücherverbrennungen. Dennoch erhielt Steinbeck ein Jahr später den Pulitzer-Preis und 1962 den Nobelpreis für Literatur. Schon im Jahr 1940 verfilmte Regisseur John Ford das Buch.
beschreibt den Massenexodus aus dem von jahrelanger Dürre und Sandstürmen heimgesuchten Mittleren Westen anschaulicher als John Steinbecks Früchte des Zorns. Etwa 210.000 Farmer zogen in den 1930er Jahren über die Route 66 gen Kalifornien, um dort Arbeit zu finden. Was sie erwartete, waren Ausbeutung, Anfeindung und Hunger.
Mittelpunkt des Romans ist die aus Oklahoma stammende Farmerfamilie Joad, die von Großgrundbesitzern wegen nicht beglichener Schulden von ihrem Land vertrieben wird. Auf einem schrottreifen Lkw schafft es die Familie bis nach Kalifornien. Endstation ist allerdings ein Migrantenlager, in dem die Familie allmählich auseinanderbricht.
Als John Steinbeck seinen Roman unter dem Originaltitel The Grapes of Wrath 1939 veröffentlichte, folgten Verbote und sogar Bücherverbrennungen. Dennoch erhielt Steinbeck ein Jahr später den Pulitzer-Preis und 1962 den Nobelpreis für Literatur. Schon im Jahr 1940 verfilmte Regisseur John Ford das Buch.



