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Wandern

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Naturerlebnis und Rückbesinnung
Am 26. April 1336 bestiegen Francesco Petrarca und drei Begleiter den höchsten Berg der Provence, "den man nicht unverdient Ventosus, den Windumbrausten, nennt." Das Unterfangen war ungewöhnlich für die damalige Zeit: Auf Berggipfeln, so glaubte man, wohnten Dämonen und Geister, und die Geheimnisse der Natur ergründen und begreifen zu wollen, galt als verdächtiges Verhalten. Von solchen Bedenken ließ sich Petrarca nicht entmutigen, und auch nicht von den Warnungen eines Hirten am Fuße des Berges.

Auf dem Gipfel angekommen, bewunderte der Dichter die Landschaft: seine Heimat Italien, die schneebedeckten Alpen, den Golf von Marseille. Dann setzte er sich und las in den Confessiones des Augustinus. "Und es gehen die Menschen hin", stand da geschrieben, "zu bestaunen die Höhen der Berge, die ungeheuren Fluten des Meeres, die breit dahin fließenden Ströme, die Weite des Ozeans und die Bahnen der Gestirne, und vergessen darüber sich selbst."

Wie betäubt schloss Petrarca daraufhin das Buch. Am Abend schrieb er: "Zorn erfasste mich auf mich selber, dass ich immer noch irdischen Dingen Bewunderung zollte, hätte ich doch schon längst von den Philosophen der Heiden lernen können, dass nichts Bewunderung verdient außer der Seele."

Weil Petrarca ästhetische und kontemplative Sichtweisen miteinander verband, weil bei ihm Naturerlebnis und Rückwendung auf das Selbst zusammenfielen, gilt die Besteigung des Mont Ventoux heute als ein Schlüsselmoment an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit.

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Spaziergang nach Syrakus
Von Grimma bei Leipzig über Dresden, Prag, Wien, die Alpen, Venedig, Rom und Neapel nach Sizilien führt 1801/1802 die Wanderung des Johann Gottfried Seume. Im Unterschied zu anderen reisenden Zeitgenossen interessiert er sich nicht für Kunst und Kultur Italiens; eher widerwillig bringt er vier Tage in Rom zu, der "größten Ruine der Welt".

Land und Leute in Augenschein nehmen, das ist Seumes Hauptinteresse - und Wandern die beste Methode: "Wer geht, sieht im Durchschnitt anthropologisch und kosmisch mehr, als wer fährt. Ich bin der Meinung, dass alles besser gehen würde, wenn man mehr ginge", schreibt er in den Erinnerungen an den Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.

Auf Sizilien stößt sich der scharfe Beobachter an den Gegensätzen zwischen der paradiesischen Landschaft und dem menschlichen Elend: "Das Thal ist ein wahrer Hesperidengarten und die Segensgegend wimmelt von elenden Bettlern, vor denen ich keinen Fuß vor die Tür setzen kann: denn ich kann nicht helfen, wenn ich auch alle Taschen leerte und mich ihnen gleich machte."

Den Rückweg absolviert Seume über Mailand, die Schweiz, Paris und Weimar. Nach neun Monaten und rund sechstausend Kilometern erreicht er im September 1802 Leipzig. Was ihm die Wanderung bedeutete, lässt Seume im Vorwort zum Spaziergang durchblicken: "Meine meisten Schicksale lagen in den Verhältnissen meines Lebens und der letzte Gang nach Sicilien war vielleicht der erste ganz freye Entschluß von einiger Bedeutung."