Der Wallfahrtsgedanke ist geprägt vom Glauben an diesseitige Wunder und an das Erlangen jenseitigen Seelenheils. Letzteres liegt in der göttlichen Vergebung für irdische Sünden und in der Rettung aus aktueller Not. Die Möglichkeit, durch eine Pilgerfahrt seine Sünden allesamt abzutragen, religiöse Läuterung zu erfahren oder gar von körperlichen Gebrechen geheilt zu werden, war jedoch nicht die alleinige Motivation vieler Pilger.
Ohne Ansehen des Standes
Zahlreiche Privilegien versüßten die Strapazen der Wallfahrt. Die Pilger, in der Fremde aus ihrem heimischen Rechtsverband herausgelöst, bedurften besonderen Schutzes. Das so genannte Pilgerrecht wurde dabei sogar von weltlichen Instanzen anerkannt. Teilweise waren die Pilger von Zöllen befreit, Steuern und Schulden wurden ihnen für die Zeit ihrer Abwesenheit gestundet. Diese Freiheiten, welche man jedem Wallfahrer ohne Ansehen seines Standes gewährte, ließen die Pilgerzahl gewaltig ansteigen.
Bewaffnete Pilgerfahrt
Die Aussicht auf solcherlei Privilegien und auf den Erlass jeglicher Sünde führte Ende des 11. Jahrhunderts dazu, dass neben zahlreichen Rittern auch viele Menschen aus dem einfachen Volk dem Aufruf Papst Urbans II. zur bewaffneten Pilgerfahrt nach Jerusalem folgten. Sie versprachen sich davon ein besseres Leben fern von Hunger, Elend und Unterdrückung und - natürlich - himmlischen Lohn.
Mit den Kreuzzügen wurde die jahrhundertealte Tradition, nach Jerusalem zum Heiligen Grab zu pilgern, militarisiert und kollektiviert. Denn die Wallfahrt war nun kein friedlicher und individueller Akt der Buße mehr - die Kreuzzüge, diese Pilgerfahrten in Waffen, geschahen in großen Gruppen und mit einem klaren militärischen Auftrag: die Befreiung des Heiligen Landes.
Gott will es
Genau diese Faktoren waren es, die bei den Reformatoren rund drei Jahrhunderte später starke Kritik und eine kategorische Ablehnung des Wallfahrens in Verbindung mit den so genannten Ablässen hervorriefen: Sie verurteilten die Motivation der Kreuzfahrer, durch Gewalt von ihren Sünden erlöst zu werden. Der Wallfahrtsgedanke wurde gänzlich in Frage gestellt.
So predigte Martin Luther, dass derjenige, der daheim bliebe, auch nicht sündigen könne. In der Heimat ließe sich Gott tausendmal besser dienen. Einzig in der Intensität des Glaubens gründe der Weg zu Gott, nicht in verschlungenen Pfaden auf der Suche nach dem Paradies. Doch für Katholiken ist Pilgern bis heute wichtiges Glaubensbekenntnis, denn: Gott will es.
Ulrike Wolf (aktualisiert 25.03.2010)
Ohne Ansehen des Standes
Zahlreiche Privilegien versüßten die Strapazen der Wallfahrt. Die Pilger, in der Fremde aus ihrem heimischen Rechtsverband herausgelöst, bedurften besonderen Schutzes. Das so genannte Pilgerrecht wurde dabei sogar von weltlichen Instanzen anerkannt. Teilweise waren die Pilger von Zöllen befreit, Steuern und Schulden wurden ihnen für die Zeit ihrer Abwesenheit gestundet. Diese Freiheiten, welche man jedem Wallfahrer ohne Ansehen seines Standes gewährte, ließen die Pilgerzahl gewaltig ansteigen.
Bewaffnete Pilgerfahrt
Die Aussicht auf solcherlei Privilegien und auf den Erlass jeglicher Sünde führte Ende des 11. Jahrhunderts dazu, dass neben zahlreichen Rittern auch viele Menschen aus dem einfachen Volk dem Aufruf Papst Urbans II. zur bewaffneten Pilgerfahrt nach Jerusalem folgten. Sie versprachen sich davon ein besseres Leben fern von Hunger, Elend und Unterdrückung und - natürlich - himmlischen Lohn.
Mit den Kreuzzügen wurde die jahrhundertealte Tradition, nach Jerusalem zum Heiligen Grab zu pilgern, militarisiert und kollektiviert. Denn die Wallfahrt war nun kein friedlicher und individueller Akt der Buße mehr - die Kreuzzüge, diese Pilgerfahrten in Waffen, geschahen in großen Gruppen und mit einem klaren militärischen Auftrag: die Befreiung des Heiligen Landes.
Gott will es
Genau diese Faktoren waren es, die bei den Reformatoren rund drei Jahrhunderte später starke Kritik und eine kategorische Ablehnung des Wallfahrens in Verbindung mit den so genannten Ablässen hervorriefen: Sie verurteilten die Motivation der Kreuzfahrer, durch Gewalt von ihren Sünden erlöst zu werden. Der Wallfahrtsgedanke wurde gänzlich in Frage gestellt.
So predigte Martin Luther, dass derjenige, der daheim bliebe, auch nicht sündigen könne. In der Heimat ließe sich Gott tausendmal besser dienen. Einzig in der Intensität des Glaubens gründe der Weg zu Gott, nicht in verschlungenen Pfaden auf der Suche nach dem Paradies. Doch für Katholiken ist Pilgern bis heute wichtiges Glaubensbekenntnis, denn: Gott will es.
Ulrike Wolf (aktualisiert 25.03.2010)
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Pilgern der Weltreligionen
Jerusalem ist nicht nur für Christen ein beliebtes Wallfahrtsziel. In der jüdischen Religion kennt man die so genannten Festreisen. Das Gebot, Jerusalem dreimal jährlich zu besuchen, findet sich schon im Alten Testament.
Im Islam gehört die Hadsch, die Wallfahrt nach Mekka, zu den fünf religiösen Pflichten eines jeden Gläubigen. Ziel der Wallfahrt ist das Heiligtum Kaaba. In Mekka angekommen, beginnt für die Pilger der Hauptteil der Wallfahrt: Tawaf, der siebenmalige Rundlauf um die Kaaba.
Im Hinduismus ist die Pilgerfahrt, die so genannte Jatra, ebenfalls wichtiger Teil der religiösen Praxis. Fast jeder Ort in Indien kann dabei als heilig genug gelten, um ein Pilgerzentrum zu sein. Meist liegen die heiligen Orte an Flussufern, Küsten oder auf Bergen: Oft sind es Schnittpunkte zwischen Land und Wasser.
Auch der Buddhismus kennt vier heilige Stätten in Indien als Wallfahrtsziele: den Geburtsort Buddhas, den Ort, wo er das erste Mal lehrte, den Ort seiner Erleuchtung sowie seinen Todesort. In anderen buddhistischen Ländern pilgern die Gläubigen zu besonders traditionsreichen Tempeln und Klöstern. Und Angehörige der japanischen Shinto-Religion pilgern zum Ise-Großschrein.
Jerusalem ist nicht nur für Christen ein beliebtes Wallfahrtsziel. In der jüdischen Religion kennt man die so genannten Festreisen. Das Gebot, Jerusalem dreimal jährlich zu besuchen, findet sich schon im Alten Testament.
Im Islam gehört die Hadsch, die Wallfahrt nach Mekka, zu den fünf religiösen Pflichten eines jeden Gläubigen. Ziel der Wallfahrt ist das Heiligtum Kaaba. In Mekka angekommen, beginnt für die Pilger der Hauptteil der Wallfahrt: Tawaf, der siebenmalige Rundlauf um die Kaaba.
Im Hinduismus ist die Pilgerfahrt, die so genannte Jatra, ebenfalls wichtiger Teil der religiösen Praxis. Fast jeder Ort in Indien kann dabei als heilig genug gelten, um ein Pilgerzentrum zu sein. Meist liegen die heiligen Orte an Flussufern, Küsten oder auf Bergen: Oft sind es Schnittpunkte zwischen Land und Wasser.
Auch der Buddhismus kennt vier heilige Stätten in Indien als Wallfahrtsziele: den Geburtsort Buddhas, den Ort, wo er das erste Mal lehrte, den Ort seiner Erleuchtung sowie seinen Todesort. In anderen buddhistischen Ländern pilgern die Gläubigen zu besonders traditionsreichen Tempeln und Klöstern. Und Angehörige der japanischen Shinto-Religion pilgern zum Ise-Großschrein.




