Strand in Mar del Plata, Argentinien: bloß nicht als Pauschaltourist enden! (Bild von Leandro Kibisz, Lizenz: CreativeCommons)
Sein elitäres Selbstverständnis hat sich der moderne Weltenbummler dabei jedoch erhalten - bloß nicht als Pauschaltourist in Tunesien enden! Er reist nämlich, um zu reisen, um vielleicht anzukommen, wo er nicht hinwollte, um zu erleben, was er niemals für möglich gehalten hätte, um zu sehen, was er nie zuvor sah.
Gegen den Backpackerstrom
Nun ja, was er noch nicht sah, aber dafür Zehntausende vor ihm. "Zu den Eigentümlichkeiten unserer Zeit gehört das Massenreisen. Sonst reisten bevorzugte Individuen, jetzt reist jeder und jede", beklagte schon Theodor Fontane. Wer heute nach Thailand fährt, hat es schwer, gegen den Backpackerstrom anzuschwimmen. Zehntausende Rucksackreisende werden von Hostel zu Hostel, per Tuk Tuk zum Reisebus und vom Busbahnhof zum Kho Phi Phi-Strand gekarrt, alle in dem Glauben, individuell unterwegs zu sein. Ein ähnliches Bild bietet sich an Australiens Ostküste, wo sich Attraktion an Attraktion reiht, alle auf wundersame Weise durch den Greyhound-Bus miteinander verbunden.
Für jeden?
Auf diesem Hintergrund hat das Weltenbummeln seine Exklusivität verloren - ist aber unglaublich bequem geworden. Ob es bald wieder eine Sache für privilegierte, gut betuchte Einzelne wird, bleibt in Zeiten der Krise abzuwarten. Das Wort "Jeder" schließt ja ohnehin fast nur Menschen aus den entwickelten Industrieländern des Westens ein. Und "Hartz IV-Urlaub" - wenn es ihn denn irgendwann gibt - bedeutet bestimmt nicht Weltenbummelei, sondern eher den Aufenthalt im näher gelegenen Billigquartier.
Die Khaosan Road in Bangkok: Unzählige Bars, Restaurants und Hostels machen die Straße zu einem beliebten Anlaufpunkt für Rucksackreisende. (Bild: chadmoone, Lizenz: CreativeCommons)
Nichtsdestotrotz: Ganze Städte, Institutionen und Attraktionen existieren nur, weil es Menschen gibt, die den Traum vom perfekten Idyll träumen dürfen. Airlie Beach zum Beispiel, das Backpackermekka im australischen Queensland: Komplette Straßenzüge bestehen aus Hostels und Budgetunterkünften. An jeder Ecke ein Geschäft, in dem man mal eben, zu erschwinglichen Preisen, die Traumtour aufs Great Barrier Reef buchen kann.
Wer nach Airlie Beach kommt, wird das Gefühl nicht los, schon mal da gewesen zu sein. Man spricht "Weltenbummlerslang", sieht bekannte Gesichter und tut, was Tausende vor einem taten. Kaum eine Geschichte, die nicht so, oder so ähnlich, schon erzählt wurde.
Ameisenstraßen durchs Land
So stellt sich das perfekte Idyll heute mitunter als perfekte Illusion heraus. Das Kennenlernen fremder Kulturen beschränkt sich nicht selten auf die Begegnung mit dutzenden Gleichgesinnten aus Europa oder den USA, im Rucksack den Lonely Planet, das Handbuch für Weltenbummler mit den angeblich günstigsten Unterkünften, besten Busverbindungen und geheimsten Geheimtipps. Die Zahl der Lonely-Planet-Jünger ist mancherorts so enorm, dass die sich wie eine Ameisenstraße durchs Land bewegen. Von Individualität kann da keine Rede sein. Und so bemerkt, als er die Augen öffnet, auch unser Backpacker am Strand, dass zehn Meter weiter schon die nächste Hängematte baumelt.
Anika Mellin/Ulrike Wolf (23.04.2009)
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Weltenbummler | ![]() |
Infobox
Jugend auf Reisen
"Hundert Jahre sind ein guter Anfang" - unter diesem Motto feiert das Deutsche Jugendherbergswerk 2009 die Gründung der ersten Jugendherberge im Jahr 1909. Die Gründungsidee stammte von dem Lehrer Richard Schirrmann: Auf einer Wandertour waren er und seine Schüler in ein Unwetter gekommen und erst nach stundenlanger Suche, und Begegnungen mit unfreundlichen Bauern, in einem Schulhaus untergekommen.
Für solche Fälle, dachte sich Schirrmann, müsste es günstige Unterkünfte für junge Menschen auf Wanderschaft geben. Noch im gleichen Jahr richtete er die erste Jugendherberge in Altena (Nordrhein-Westfalen) ein. Im Zuge der Jugendbewegung fand die Idee schnell Mitstreiter: 1911 gab es schon 17, 1928 rund 2.200 Jugendherbergen in Deutschland.
Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, wurde der Jugendherbergsverband in die Hitler-Jugend integriert. Erst 1945 gab es wieder unabhängige Orts- und Landesverbände; 1949 gründete sich das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) neu. Seitdem haben Generationen von Schülern in den Häusern des DJH übernachtet, knarzende Etagenbetten im Schlafsaal und Massenabfertigung mit Makkaroni und Tomatensoße sowie Hagebuttentee inklusive.
Heute lässt es sich in der Jugendherberge durchaus angenehm übernachten: Es gibt zum Beispiel Familienzimmer mit eigenem Bad, hauseigene Bistros und Konferenzräume. Mehr als zehn Millionen Übernachtungen verzeichneten die 536 Herbergen, die im DJH organisiert sind, im Jahr 2010.
Obwohl inzwischen alle Altersgruppen und auch Familien willkommen sind, führen Schulklassen nach wie vor die Besucherliste an. Und das ist Teil des inzwischen hundertjährigen Anspruchs: Im Unterschied zu Hostels etwa engagieren sich Jugendherbergen in der Jugendarbeit und warten mit erlebnis- und freizeitpädagogischen Angeboten auf.
"Hundert Jahre sind ein guter Anfang" - unter diesem Motto feiert das Deutsche Jugendherbergswerk 2009 die Gründung der ersten Jugendherberge im Jahr 1909. Die Gründungsidee stammte von dem Lehrer Richard Schirrmann: Auf einer Wandertour waren er und seine Schüler in ein Unwetter gekommen und erst nach stundenlanger Suche, und Begegnungen mit unfreundlichen Bauern, in einem Schulhaus untergekommen.
Für solche Fälle, dachte sich Schirrmann, müsste es günstige Unterkünfte für junge Menschen auf Wanderschaft geben. Noch im gleichen Jahr richtete er die erste Jugendherberge in Altena (Nordrhein-Westfalen) ein. Im Zuge der Jugendbewegung fand die Idee schnell Mitstreiter: 1911 gab es schon 17, 1928 rund 2.200 Jugendherbergen in Deutschland.
Als die Nationalsozialisten die Macht ergriffen, wurde der Jugendherbergsverband in die Hitler-Jugend integriert. Erst 1945 gab es wieder unabhängige Orts- und Landesverbände; 1949 gründete sich das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) neu. Seitdem haben Generationen von Schülern in den Häusern des DJH übernachtet, knarzende Etagenbetten im Schlafsaal und Massenabfertigung mit Makkaroni und Tomatensoße sowie Hagebuttentee inklusive.
Heute lässt es sich in der Jugendherberge durchaus angenehm übernachten: Es gibt zum Beispiel Familienzimmer mit eigenem Bad, hauseigene Bistros und Konferenzräume. Mehr als zehn Millionen Übernachtungen verzeichneten die 536 Herbergen, die im DJH organisiert sind, im Jahr 2010.
Obwohl inzwischen alle Altersgruppen und auch Familien willkommen sind, führen Schulklassen nach wie vor die Besucherliste an. Und das ist Teil des inzwischen hundertjährigen Anspruchs: Im Unterschied zu Hostels etwa engagieren sich Jugendherbergen in der Jugendarbeit und warten mit erlebnis- und freizeitpädagogischen Angeboten auf.



