Das große Spektakel
Heute spielen Zirkusleute häufig auf armseligen Vorstadtplätzen vor fast leeren Rängen. Dabei haben Akrobaten, Dompteure und Clowns auch in der Gegenwart noch allerlei zu bieten.Eintritt in eine andere Wirklichkeit: Zirkus Rolandos.
Zirkusgeschichte ist Kulturgeschichte, auch wenn die Institution Zirkus heute im öffentlichen Bewusstsein keine große Rolle mehr spielt. Fast scheint es, als wäre der Besuch dort nur noch für die ganz Kleinen ein Ereignis. Dabei war es früher ein richtiges Spektakel, wenn der Zirkus sich in der Stadt blicken ließ, Anlass für leuchtende Augen und drängende Kinderfragen. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich die Nachricht - und leere Zuschauerränge gab es nicht.
Bei Wind und Wetter
Aber ach, solch gute Zeiten sind lange vorbei. Das bedauern vor allem die Zirkusleute selbst, aber auch der vermeintlich unbeteiligte Zuschauer des langsamen Verschwindens sollte aufhorchen. Denn eigentlich ist es erstaunlich, dass es den Zirkus überhaupt noch gibt, dass sich auch in der Ära von Fernsehen und Computerspielen noch Menschen finden, die bei Wind und Wetter durch die Lande ziehen und auf so viele Annehmlichkeiten des modernen Lebens verzichten.
Bei oft leeren Rängen und Einnahmen, die manchmal kaum die Unkosten decken, kämpft sich - in der Tradition des fahrenden Volkes vergangener Jahrhunderte - ein Häuflein Aufrechter durch die Widrigkeiten der modernen Welt. Weil sie Idealisten sind? Weil Zirkusluft auf Dauer süchtig macht? Weil ihnen das "übers Land ziehen" seit Generationen im Blut liegt? Tatsächlich, wer Zirkus sagt, meint auch immer traditionsreiche Familiendynastien. Dabei sind die Renz, Sarrasani oder Knie nur die besonders bekannten Namen. Tausende weniger prominente Familien halten mit vielen Helfern den Zirkus am Leben.
The show must go on
Zirkusdasein ist immer noch beschwerlich - und hat immer noch einen Hauch von weiter Welt. Aber die Aussicht auf Freiheit, die ein Anschluss an die reisende Gesellschaft in der Vergangenheit verhieß, die bietet das Leben zwischen Zelt und Wohnwagen nicht mehr. Mühsam und ohne Glanz ist die Alltagsarbeit. Doch die Artisten leben für den Moment, in dem sich der Vorhang hebt und sie vor das Publikum treten: the show must go on!
Zirkus-Familien sind eine Welt für sich. Oft machen sie ihre eigenen Gesetze, regeln ihr Zusammenleben anders, als wir es gewohnt sind. Wir - die "Bürgerlichen" - sind für sie das Außen. Wir wissen wenig über eine Tradition, die sich in großen Namen spiegelt und mit unserer Arbeitswelt wenig zu tun hat. Ganz bestimmt ist es dieser besondere, manchmal exotische Geist, der die Faszination ausmacht, die wir noch auf den härtesten Holzbänken verspüren.
Fenster in eine andere Zeit
Betrachtet man ausschließlich die Besucherzahlen, so hat der traditionelle Zirkus in unserer Erlebnisgesellschaft keinen allzu großen Stellenwert mehr. Aber seine Bedeutung lässt sich so nicht messen. Sie besteht vielleicht darin, uns ein Fenster in eine andere Zeit zu öffnen. In eine Zeit, als die Massenmedien noch in den Kinderschuhen steckten und Phantasie sowie die unmittelbare sinnliche Erfahrung am wichtigsten waren.
Christian Förster/Michael Schmittbetz (aktualisiert 28.09.2009)
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Die Klassiker kommen
Ein Vorhang öffnet sich und sie betreten die Manege. Gemessen schreitend, in Samt und Seide gewandet, das Gesicht weiß geschminkt der eine. Stolpernd, im sackartigen Kittel der andere. Weißclown und Dummer August - Zirkusclowns.
Ihre Neckereien machen den Reiz der Darbietung aus, wobei die meisten Zuschauer eher mit dem warmherzigen tölpelhaften August fühlen als mit dem besserwisserischen Weißen. Der Zirkusclown in seiner heutigen Form ist eine ziemlich junge Figur. Vorläufer hat er allerdings viele: die Hofnarren des Mittelalters, die Figuren der italienischen Commedia dell'arte, Till Eulenspiegel.
In der uns heute bekannten Form taucht er am Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich auf. Sofort spaltet er die Narren-Zunft, denn die Stärken des Clowns liegen in Gestik und Mimik, nicht - wie sonst narrentypisch - in spitzer Zunge und Feder. Weißclown und Dummer August begeistern durch ihr Gezänk in der Manege.
Der Filmemacher Fellini brachte es auf den Punkt: "Es ist der Kampf zwischen dem stolzen Kult der Vernunft, der zum anmaßenden Kult des Ästhetizismus wird, und dem Instinkt, der Freiheit des Triebes." Jetzt also kennen wir endlich das Geheimnis.
Ein Vorhang öffnet sich und sie betreten die Manege. Gemessen schreitend, in Samt und Seide gewandet, das Gesicht weiß geschminkt der eine. Stolpernd, im sackartigen Kittel der andere. Weißclown und Dummer August - Zirkusclowns.
Ihre Neckereien machen den Reiz der Darbietung aus, wobei die meisten Zuschauer eher mit dem warmherzigen tölpelhaften August fühlen als mit dem besserwisserischen Weißen. Der Zirkusclown in seiner heutigen Form ist eine ziemlich junge Figur. Vorläufer hat er allerdings viele: die Hofnarren des Mittelalters, die Figuren der italienischen Commedia dell'arte, Till Eulenspiegel.
In der uns heute bekannten Form taucht er am Anfang des 19. Jahrhunderts in Frankreich auf. Sofort spaltet er die Narren-Zunft, denn die Stärken des Clowns liegen in Gestik und Mimik, nicht - wie sonst narrentypisch - in spitzer Zunge und Feder. Weißclown und Dummer August begeistern durch ihr Gezänk in der Manege.
Der Filmemacher Fellini brachte es auf den Punkt: "Es ist der Kampf zwischen dem stolzen Kult der Vernunft, der zum anmaßenden Kult des Ästhetizismus wird, und dem Instinkt, der Freiheit des Triebes." Jetzt also kennen wir endlich das Geheimnis.



