Zoo-Geschichte
Einst waren sie der Spaß von Königen: Menagerien an Höfen sind die Ur-Form des modernen Zoos. Später wurden daraus öffentliche Orte, frei für das große Publikum in modernen Städten.Zoologische Gärten des 19. Jahrhundert versuchten, mit "ägyptischer" Architektur den Lebensraum afrikanischer Tiere darzustellen.
Legendäre Gärten
Die ersten Tiergärten entstanden bereits im zweiten Jahrtausend v. Chr. in Ägypten. Könige wie Ramses II. oder Thutmosis III. wollten damit Macht und Reichtum zeigen. Legendär war der Garten des Ammon der Königin Hatschepsut in Theben, die neben Tieren aus Nordostafrika auch Elefanten aus Indien besaß. In China ließ Kaiser Wen-Wang um 1150 v. Chr. zwischen Peking und Nanking den vierhundert Hektar umfassenden Garten der Weisheit anlegen. Seine Besonderheit: Eine Hirschart, die zu dieser Zeit in freier Wildbahn schon nicht mehr lebte, wurde hier gehalten, der Milu.
Glirarien für Siebenschläfer
Über dreihundert Wirbeltiere beschreibt der Philosoph Aristoteles (384 bis 322 v. Chr.) in seinen zehn Büchern über die Geschichte der Tiere. Aristoteles gilt als Erfinder der Zoologie. Die Studienobjekte brachte ihm sein Schüler Alexander der Große von diversen Feldzügen mit.
Private Tiergärten und Spezialanlagen wie Glirarien für Siebenschläfer gab es auch im alten Rom: Kaiser Augustus soll rund dreieinhalbtausend afrikanische Tiere gehalten haben. Allerdings ließen Massenschlächtereien von Wildtieren, unter anderem bei den zahllosen Brot und Spiele-Gemetzeln, bestimmte nordafrikanische Tierarten immer seltener werden. Nashörner, Wasserbüffel, Löwen, Geparden und Elefanten starben im Kampf zur Belustigung des Publikums.
Kein Zugang fürs Volk
Düster und eng ging es im Mittelalter in den Gruben und Zwingern der europäischen Höfe zu, wo die Könige und Fürsten sich Bären und Hirsche hielten. Herrschaftliche Menagerien im 16. Jahrhundert dienten zur Belustigung und zur Versorgung der Höfe. Das Volk durfte die Tiergärten höchstens an besonderen Festtagen betreten. Im Vergleich mit den riesigen Tiergärten des Kublai Khan in Xanadu (Mongolei) und des aztekischen Königs Montezuma in Tenochtitlán (Mexiko) mit ihren Jaguaren, Alligatoren und Schlangen wirkten die europäischen Menagerien allerdings winzig wie Vogelbauer.
Der erste Tiergarten moderner Prägung war der Jardin des Plantes in Paris, der im Jahr 1793 - gleich nach der blutigsten Phase der Französischen Revolution - eröffnet wurde. Seine Parklandschaft, in der sich die Tiere bewegten, und seine Offenheit gegenüber allen Bevölkerungsgruppen sollten für die Zoogründungen der Zeit Vorbild werden.
Lust auf Exotik
1828 eröffnete die Zoological Society den ersten Zoologischen Garten im Londoner Regent's Park - Amsterdam, Rom, Moskau und Berlin folgten. Diese Anlagen dienten nicht mehr nur einer gehobenen Schicht als Statussymbole und Zeitvertreib, sie waren Vergnügungs- und Bildungsorte für alle Bevölkerungsschichten. Besonders exotische Tiere lockten die Massen an. Das Publikum suchte das Außergewöhnliche, die wilden und reißenden Bestien: Sie allein erzeugten ein Gefühl von Fremdheit und inspirierten zu Träumereien von fernen Ländern. Für Victor Hugo, der gern mit seinen Enkelkindern im Jardin des Plantes spazieren ging, war der Tiergarten "die ganze Welt im Kleinen."
Illusion von Freiheit
Hier konnte man, ohne Paris verlassen zu müssen, nach Assur und Timbuktu reisen und dabei über die schöpferische Phantasie Gottes nachdenken, der wunderschöne Antilopen und Schwäne erschuf, aber auch Ungeheuer wie Krokodile und Löwen. Enge Gehege und Käfighaltung brachten die "Labore zur Domestizierung des Wilden" allerdings mit der Zeit immer mehr in Verruf. Der erste, der in seinem Zoo eine "Illusion von Freiheit" vermittelte, war der Hamburger Tierhändler Carl Hagenbeck. Doch Hagenbecks "Freiheit" war eine Illusion, denn die Gehegeflächen waren nicht großzügiger bemessen als anderswo.
Auch heute ist das Interesse des Publikums an exotischen Tieren ungebrochen. Zoos sind Publikumsmagneten - etwa 32 Millionen Besucher gibt es in Deutschland jährlich. Großzügige, natürlich aussehende Freianlagen, in denen Zootiere in Gruppen miteinander leben, lösen langsam aber sicher die Käfighaltung ab.
Arche Noah für bedrohte Arten
Neben seiner Funktion als Bildungs- und Erholungsort sehen Zoodirektoren die neue Aufgabe ihrer Einrichtung im Artenschutz. Durch die irreversiblen Zerstörungen der natürlichen Lebensräume zum Beispiel von Elefanten oder Schimpansen soll der Zoo als Arche Noah für bedrohte Tier- und Pflanzenarten fungieren. So versucht der Mensch auf begrenztem künstlichem Raum, in einer "natürlich" anmutenden Zoolandschaft, das Wilde zu erhalten, was er am natürlichen Standort durch seine Urbanisierung vernichtet.
Christiane Nienhold (aktualisiert 02.05.2011)
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Infobox
Das Verhältnis des Menschen zum Tier
"Der kultivierte Mensch sucht das Wilde und braucht es unablässig", schreiben die beiden Autoren Eric Baratay und Elisabeth Hardouin-Fugier in ihrer Geschichte des Zoos Von der Menagerie zum Tierpark.
Das wilde Tier eröffne dem Menschen ein fremdes Universum an Lebensformen, es konfrontiere uns mit uns selbst und unserer Umwelt, befrage die Identität, erschüttere oder festige Gewissheit.
Das Ausstellen der ungezähmten Kreatur in Gesellschaften, die sich als zivilisiert betrachten, sei eine Konstante der Menschheitsgeschichte, die uns helfe, uns selbst einzuordnen.
"Der kultivierte Mensch sucht das Wilde und braucht es unablässig", schreiben die beiden Autoren Eric Baratay und Elisabeth Hardouin-Fugier in ihrer Geschichte des Zoos Von der Menagerie zum Tierpark.
Das wilde Tier eröffne dem Menschen ein fremdes Universum an Lebensformen, es konfrontiere uns mit uns selbst und unserer Umwelt, befrage die Identität, erschüttere oder festige Gewissheit.
Das Ausstellen der ungezähmten Kreatur in Gesellschaften, die sich als zivilisiert betrachten, sei eine Konstante der Menschheitsgeschichte, die uns helfe, uns selbst einzuordnen.
Infobox
Hagenbecks Thierpark
Den Anfang machten sechs Seehunde in Waschbottichen. Fischer hatten sie 1848 aus der Nordsee gezogen, und der Hamburger Fischhändler Gottfried Hagenbeck stellte sie auf einem Spielbudenplatz aus.
Da war sein Sohn Carl gerade einmal vier Jahre alt. Fünfzehn Jahre später eröffnete Carl Hagenbeck eine "Handlungs-Menagerie", in der er Tiere zum Verkauf anbot. Zu seinen bekanntesten Kunden gehörten der US-amerikanische Zirkus-König Phineas T. Barnum und der Zoologe Alfred Brehm.
Das Geschäft blühte und Carl Hagenbeck erweiterte sein Unternehmen zu einem der weltweit größten Tierhandelshäuser. Weitere Standbeine sicherten ihm auch in schlechten Zeiten die Existenz: Im Jahr 1874 öffnete Hagenbecks Thierpark am Neuen Pferdemarkt seine Pforten. Später veranstaltete Hagenbeck "Völkerschauen" mit Eskimos und Nubiern, ging mit einem Zirkus auf Tour, reiste mit einem transportablen Freigehege herum.
Höhepunkt von Hagenbecks Schaffen war die Eröffnung seines Tierparks am 7. Mai 1907 in Hamburg-Stellingen. Carl Hagenbecks Zoo war absolut revolutionär, denn er zeigte Zebras und Löwen in gitterlosen, natürlich aussehenden Lebensräumen, so genannten Panoramas. 1913 starb Carl Hagenbeck in Hamburg.
Den Anfang machten sechs Seehunde in Waschbottichen. Fischer hatten sie 1848 aus der Nordsee gezogen, und der Hamburger Fischhändler Gottfried Hagenbeck stellte sie auf einem Spielbudenplatz aus.
Da war sein Sohn Carl gerade einmal vier Jahre alt. Fünfzehn Jahre später eröffnete Carl Hagenbeck eine "Handlungs-Menagerie", in der er Tiere zum Verkauf anbot. Zu seinen bekanntesten Kunden gehörten der US-amerikanische Zirkus-König Phineas T. Barnum und der Zoologe Alfred Brehm.
Das Geschäft blühte und Carl Hagenbeck erweiterte sein Unternehmen zu einem der weltweit größten Tierhandelshäuser. Weitere Standbeine sicherten ihm auch in schlechten Zeiten die Existenz: Im Jahr 1874 öffnete Hagenbecks Thierpark am Neuen Pferdemarkt seine Pforten. Später veranstaltete Hagenbeck "Völkerschauen" mit Eskimos und Nubiern, ging mit einem Zirkus auf Tour, reiste mit einem transportablen Freigehege herum.
Höhepunkt von Hagenbecks Schaffen war die Eröffnung seines Tierparks am 7. Mai 1907 in Hamburg-Stellingen. Carl Hagenbecks Zoo war absolut revolutionär, denn er zeigte Zebras und Löwen in gitterlosen, natürlich aussehenden Lebensräumen, so genannten Panoramas. 1913 starb Carl Hagenbeck in Hamburg.
Infobox
Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris
(Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris)
Im Jardin des Plantes, Paris
Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille -
und hört im Herzen auf zu sein.
(Rainer Maria Rilke, 6.11.1902, Paris)



