Welt aus Bronze
Ein Jahrhundertfund, dem Fund der Eismumie Ötzi oder der Totenmaske des Pharaos Tutanchamun vergleichbar, ist die Himmelsscheibe von Nebra für Forscher. Sie hoffen auf Erkenntnisse über das Leben von einst.Das Weltbild des Bronzezeitmenschen: Archäologen rekonstruierten es anhand der Himmelsscheibe von Nebra.
Sie betrieben Ackerbau und Viehzucht, spannten Rinder vor Pflüge, lebten in kleinen, manchmal schon befestigten Siedlungen. Sie stellten Dolche, Schwerter und Meißel her, trieben Fernhandel mit Kupfer und Salz, begruben ihre Toten in Flach- und Hügelgräbern.
Soviel zum Materiellen - doch wie sah die geistige Welt damals aus? Immerhin hatten die Babylonier zu jener Zeit schon ein Gesetzbuch, zusammengestellt von ihrem König Hammurabi (1810 bis 1750 v. Chr.); die Pyramiden von Gizeh, erbaut als Grabstätten der Pharaonen, ragten bereits seit etwa 2.500 v. Chr. in den Himmel. Aus Europa hingegen sind keine derart eindrucksvollen Überlieferungen erhalten - die Gedankenwelt des hiesigen Bronzezeitmenschen blieb der Wissenschaft lange Zeit ein Rätsel.
Scheibe des Anstoßes
Erst vor wenigen Jahren änderte sich das: Im Februar 2002 hielten Wissenschaftler eine Bronzescheibe in Händen, ein geschmiedetes Abbild des Himmels, etwa 32 Zentimeter im Durchmesser und zwei Kilogramm schwer. Illegale Schatzsucher hatten das Stück 1999 in Sachsen-Anhalt ausgegraben und verhökert. Mit Hilfe der Polizei wurde es später in der Schweiz sichergestellt und gelangte schließlich ins Landesmuseum für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle an der Saale.
Untersuchungen unter der Leitung des Landesarchäologen Dr. Harald Meller brachten schnell die Besonderheit des Relikts ans Licht: mindestens 3.600 Jahre alt sei die Himmelsscheibe von Nebra (benannt nach ihrem Fundort), also die älteste erhaltene Darstellung des Kosmos überhaupt. Mittels verschiedener Methoden - Röntgen, Bestimmen der Radioaktivität, Analyse der Korrosionsschicht - wurde die Echtheit der Scheibe wissenschaftlich belegt und sogar ein Phasenmodell ihrer Entstehung und Modifizierung entwickelt. Der weitaus schwierigere Teil der Forschung jedoch ist die Frage nach dem Sinn, nach dem Wozu der Scheibe.
Weitgehend einig sind sich Wissenschaftler darin, dass die 32 Goldpunkte wohl Sterne darstellen. Sieben davon, die zu einer Gruppe zusammengefasst sind, gelten als Bild der Plejaden, eines mit bloßen Augen erkennbaren Sternenhaufens im Sternbild Stier. Die goldene Scheibe links davon wird als Sonne oder Vollmond interpretiert, die Sichel rechts davon als Mondsichel.
Ein Kalender...
Zunächst wirkt die Darstellung banal. Dass sich dahinter aber gar nicht so banales astronomisches Wissen verbergen könnte, scheinen die Horizontbögen an den Rändern der Scheibe zu belegen (von denen einer zwischenzeitlich verloren ging und lediglich einen Abdruck hinterließ).
Richtet man die Himmelsscheibe nach Norden aus, geben die Bögen die Bereiche an, in denen die Sonne im Laufe des Jahres auf- (rechter Rand) und untergeht (linker Rand). Die Bogenenden markieren somit Sonnenwendpunkte. Diente die Scheibe als Kalender?
...für Bauern?
Erkenntnisse des Archäoastronomen Prof. Dr. Wolfhard Schlosser sprechen dafür. Seine Hypothese: Die Himmelsscheibe sei eine Art Bauernkalender, der das Wissen der Bronzezeitmenschen um die Zeitpunkte für Aussaat und Ernte festhielt. Bestimmen ließen sich diese Termine durch die Position von Plejaden, Sichelmond und Vollmond: Stehen die Plejaden am Himmel neben dem zunehmenden Mond, ist es Zeit für die Aussaat. Stehen sie neben dem Vollmond, ist der Herbst da und die Ernte sollte in Sack und Tüten sein...
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Ein monumentales Denkmal...
der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur erhebt sich nahe des thüringischen Örtchens Leubingen. 1877 wurde hier unter Leitung des Jenaer Prähistorikers Friedrich Klopfleisch ein Grabhügel enormen Ausmaßes freigelegt: Zirka 8,5 Meter hoch und etwa 34 Meter lang hat das so genannte Fürstengrab einen Umfang von 145 Metern und ein Volumen von über dreitausend Kubikmetern.
Im Innern befand sich eine zeltförmige, hölzerne Grabkammer, die mit Schilf bedeckt und mit Kalkmörtel verfugt war sowie zusätzlich durch Steine und Erde geschützt wurde. Vor rund viertausend Jahren fand eine herausragende Persönlichkeit hier die letzte Ruhe, vielleicht ein Stammeshäuptling, Kriegsherr oder Metallurg. Forscher schließen aus den in großer Anzahl in den Grabbeigaben enthaltenen Werkzeugen und anderen Metallgegenständen, wie Waffen und Schmuck, dass Reichtum und Macht des Toten wohl aus der Kontrolle der regionalen Metallwirtschaft resultierten.
Doch nicht zuletzt die beeindruckende Größe des Grabhügels und seine Lage nahe bedeutender Verkehrs- und Handelswege der damaligen Zeit verdeutlichen den politischen und wirtschaftlichen Machtanspruch des in ihm Bestatteten. Im Weimarer Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens befindet sich eine Nachbildung des Leubinger Grabhügels.
der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur erhebt sich nahe des thüringischen Örtchens Leubingen. 1877 wurde hier unter Leitung des Jenaer Prähistorikers Friedrich Klopfleisch ein Grabhügel enormen Ausmaßes freigelegt: Zirka 8,5 Meter hoch und etwa 34 Meter lang hat das so genannte Fürstengrab einen Umfang von 145 Metern und ein Volumen von über dreitausend Kubikmetern.
Im Innern befand sich eine zeltförmige, hölzerne Grabkammer, die mit Schilf bedeckt und mit Kalkmörtel verfugt war sowie zusätzlich durch Steine und Erde geschützt wurde. Vor rund viertausend Jahren fand eine herausragende Persönlichkeit hier die letzte Ruhe, vielleicht ein Stammeshäuptling, Kriegsherr oder Metallurg. Forscher schließen aus den in großer Anzahl in den Grabbeigaben enthaltenen Werkzeugen und anderen Metallgegenständen, wie Waffen und Schmuck, dass Reichtum und Macht des Toten wohl aus der Kontrolle der regionalen Metallwirtschaft resultierten.
Doch nicht zuletzt die beeindruckende Größe des Grabhügels und seine Lage nahe bedeutender Verkehrs- und Handelswege der damaligen Zeit verdeutlichen den politischen und wirtschaftlichen Machtanspruch des in ihm Bestatteten. Im Weimarer Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens befindet sich eine Nachbildung des Leubinger Grabhügels.



