Gruben und Wälle
Mit dem Fortschritt kamen die Sorgen: Schwerter, jetzt aus Bronze, statt aus Kupfer, wurden härter. Besitz an Gebrauchsgütern und Schmuck entstand. Bergbau, Unsicherheit, Gewalt - Merkmale einer Epoche.Bronze besteht aus Kupfer und Zinn. Um die Legierung herzustellen, musste man Metalle verhütten oder durch Fernhandel beziehen.
Dort stehen geheimnisvolle Hütten, aus denen Rauch gen Himmel steigt. Unseren nordländischen Vorfahren erschienen jene kleinwüchsigen Menschen als im Berg Geborene, als Zwerge, mit ihren dunklen Haaren und ihrem ausländischen Kauderwelsch.
Zeit im Dunkel
Tatsächlich waren es nur Fremdarbeiter einer höheren Kultur: Aus dem Mittelmeerraum kamen die vergleichsweise kurz geratenen Männer, wanderten von dort nach Norden, um Zinn abzubauen. Zinn, das - legiert mit Kupfer - den Werkstoff ergibt, dem eine Epoche ihren Namen verdankt: die Bronzezeit.
Vom 3. bis weit ins 1. Jahrtausend v. Chr. hat dieses Stück Menschheitsgeschichte gedauert. Es ist die Zeit der Palastkulturen von Kreta (2000 bis 1400) und Mykene (1600 bis 1200), und in Ägypten regierte damals der Pharao Tutenchamun (um 1330).
Was damals in der Mitte und im Norden Europas los war, liegt allerdings weitgehend im Dunkel. Weder Herrscher noch Völker sind namentlich bekannt. Dabei handelt es sich, immerhin, um das erste industrielle Zeitalter der westlichen Hemisphäre. Prachtvoll ausgestattete Hügelgräber und Fundstätten bei längst verschütteten Siedlungen berichten davon: Waffen, Geräte, Schmuck - aus dem neuen, hervorragend formbaren und dennoch festen Material.
Mittlere Bronzezeit: Der Kesselwagen ist Modell eines großen Kultfahrzeugs. (Bild: Mainfränkisches Museum Würzburg)
Bronze, zusammengeschmolzen aus neun Teilen Kupfer und einem Teil Zinn, war der Beginn einer Revolution: Bergbau entstand in bislang unbekannten Dimensionen, Techniken der Verhüttung bildeten sich heraus, da weder Kupfer noch Zinn gediegen in ausreichender Menge in der Erde liegen.
Mehr und mehr kamen neue Verfahren hinzu, um aus dem Supermetall attraktive, verkäufliche Produkte zu machen. Serienweise Fertigung wurde möglich, als Handwerker stabile Gussformen erfanden.
Und: Weil auch kupfer- und zinnhaltige Erze bei weitem nicht überall vorkommen, erlebte der Fernhandel einen gewaltigen Aufschwung. Zinn von den britischen Inseln galt es zum Festland zu bringen; zyprisches Kupfer kam aus dem Süden. Der Boom in Schiffbau und Seefahrt ließ nicht lang auf sich warten - ein spin off, ein Übergreifen einer Innovation auf andere Gebiete, wie wir auf Neudeutsch sagen.
Schädelfund bei Rudisleben, nahe des thüringischen Arnstadt: Flache Gräber waren typisch für die frühe Bronzezeit.
Bald zog man Wallmauern um die Dörfer, lokale Führungsschichten gewannen an Macht. Deren Reichtum ist es, was Archäologen heute in unzähligen Bronzezeitgräbern finden.
Geweitete Weltsicht, wehrhafte Abgrenzung
Je weiter die Bronzezeit fortschritt, desto unruhiger und kriegerischer ging es zu. Auch die geistig-religiösen Vorstellungen erfuhren einen Wandel: Auf Höhen gelegene Zentralorte, Burgen ähnlich, hatten nun ihre jeweils eigenen, schützenden und konkurrierenden Gottheiten. Die alten Siedlungen, im freien, offenen Gelände, verschwanden. Geweitete Weltsicht - leicht nachweisbar sind Handelskontakte von Nordeuropa bis zur Ägäis - und wehrhafte Abgrenzung waren Seiten derselben Medaille.
Jenen Prozess spiegelt die chronologische Unterteilung der Epoche, welche Ur- und Frühhistoriker für zweckmäßig halten: In der frühen Bronzezeit (etwa von 2200 bis 1600 v. Chr.) liegen Gehöfte, bis zu zwanzig Meter lange Häuser, noch in Niederungen. Künstlich bewehrte Siedlungen gibt es wenige, hauptsächlich als Umschlagplätze für Waren. Tote bestattet man in seitlicher Position, mit angewinkelten Extremitäten. Grabhügel, wohl auch zum Schutz der reicher werdenden Beigaben, kennt die mittlere Bronzezeit (um 1600 bis 1250 v. Chr.).
Ein starker Konkurrent
Der Beginn der späten Bronzezeit (1250 bis 800 v. Chr.) markiert schließlich einen Bruch: Leichenverbrennung wird üblich, vielleicht weil gut zu verteidigender Raum knapper wird. Mit dem vereinzelten Auftreten von Eisen neigt sich die Bronzezeit ihrem Ende zu. Der Kriegeradel - im Zeitalter der Bronze entstanden - begriff die Vorzüge des Eisens rasch.
Rauch aus den Hütten der Zwerge: Er war das Signal eines Wandels, der einer Welle gleich über Europa ging. Mit der Bronze kam der Handel, der Reichtum - und der Krieg. Irgendwann wichen bronzene Schwerter neuen Waffen, aus noch härterem Material. Die Zwerge aber blieben: als Verkörperung des Fleißes, der Regsamkeit und der Mobilität.
Michael Schmittbetz (aktualisiert 24.01.2012)
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Infobox
Hügelgräber...
gelten heute selbst vielen Laien als Symbole der Bronzezeit. Dabei ist das nicht ganz korrekt: Erst in der mittleren Bronzezeit (15. bis 13. Jahrhundert v. Chr.) hatte sich offenbar ein Reichtum etabliert, der den Bau sehr aufwändiger Grabanlagen möglich machte. Helme, Schilde und Schwerter, aber auch Schmuck in manchen Variationen und Gebrauchsgegenstände erlauben Archäologen die Zuordnung der Funde zu unterschiedlichen Einzelkulturen.
Wie bei praktisch allen größeren Grabbauten in der Geschichte musste erst eine stabile, ausreichend vermögende Elite vorhanden sein, die sie errichtete und für sich nutzte. Während der frühen Bronzezeit waren, weil diese Voraussetzung meist fehlte, eher schlichte Flachgräber typisch.
Dass die Sitte des Anlegens von Hügelgräbern während der späten Bronzezeit wieder verschwand, hat mit dem Aufkommen der Feuerbestattung zu tun. Raumknappheit mag dazu beigetragen haben, auch veränderte Vorstellungen vom Leben im Jenseits. Archäologen sind hier vor allem auf Siedlungsfunde angewiesen.
gelten heute selbst vielen Laien als Symbole der Bronzezeit. Dabei ist das nicht ganz korrekt: Erst in der mittleren Bronzezeit (15. bis 13. Jahrhundert v. Chr.) hatte sich offenbar ein Reichtum etabliert, der den Bau sehr aufwändiger Grabanlagen möglich machte. Helme, Schilde und Schwerter, aber auch Schmuck in manchen Variationen und Gebrauchsgegenstände erlauben Archäologen die Zuordnung der Funde zu unterschiedlichen Einzelkulturen.
Wie bei praktisch allen größeren Grabbauten in der Geschichte musste erst eine stabile, ausreichend vermögende Elite vorhanden sein, die sie errichtete und für sich nutzte. Während der frühen Bronzezeit waren, weil diese Voraussetzung meist fehlte, eher schlichte Flachgräber typisch.
Dass die Sitte des Anlegens von Hügelgräbern während der späten Bronzezeit wieder verschwand, hat mit dem Aufkommen der Feuerbestattung zu tun. Raumknappheit mag dazu beigetragen haben, auch veränderte Vorstellungen vom Leben im Jenseits. Archäologen sind hier vor allem auf Siedlungsfunde angewiesen.
Infobox
Die Bronzezeit...
war niemals ausschließlich ein europäisches Phänomen: Auf mehreren Kontinenten ging der Übergang zur Fertigung bronzener Gegenstände mit sozialem Wandel einher. Aus dem Blickwinkel von Historikern fällt aber die Bronzezeit unterschiedlicher Regionen in sehr verschiedene allgemeine Entwicklungsstadien: Noch zur Urgeschichte rechnet man sie in Mittel- und Nordeuropa, zur Vorgeschichte im östlichen Mittelmeerraum und im Vorderen Orient, bereits zur Geschichte in China.
Abhängig ist das vom Vorhandensein von Schrift und von verwertbaren schriftlichen Aufzeichnungen. Pioniere der Bronzefertigung waren vermutlich die Ägypter; nachweisen lassen sich nämlich entsprechende Verfahren dort schon für die Zeit um 3500 v. Chr. herum.
Das Entstehen von Flächenstaaten, in Ägypten und China, beziehungsweise von Stadtstaaten, etwa in Mesopotamien, ist eng mit dem bronzezeitlichen Kulturfortschritt verknüpft. Über einen Fundus an bronzezeitlichen Technologien verfügte, obwohl ohne Kontakte nach Europa und Asien, auch Südamerika. Lange vor Kolumbus jedenfalls erzeugte man auf dem Gebiet des heutigen Argentinien bronzene Produkte.
war niemals ausschließlich ein europäisches Phänomen: Auf mehreren Kontinenten ging der Übergang zur Fertigung bronzener Gegenstände mit sozialem Wandel einher. Aus dem Blickwinkel von Historikern fällt aber die Bronzezeit unterschiedlicher Regionen in sehr verschiedene allgemeine Entwicklungsstadien: Noch zur Urgeschichte rechnet man sie in Mittel- und Nordeuropa, zur Vorgeschichte im östlichen Mittelmeerraum und im Vorderen Orient, bereits zur Geschichte in China.
Abhängig ist das vom Vorhandensein von Schrift und von verwertbaren schriftlichen Aufzeichnungen. Pioniere der Bronzefertigung waren vermutlich die Ägypter; nachweisen lassen sich nämlich entsprechende Verfahren dort schon für die Zeit um 3500 v. Chr. herum.
Das Entstehen von Flächenstaaten, in Ägypten und China, beziehungsweise von Stadtstaaten, etwa in Mesopotamien, ist eng mit dem bronzezeitlichen Kulturfortschritt verknüpft. Über einen Fundus an bronzezeitlichen Technologien verfügte, obwohl ohne Kontakte nach Europa und Asien, auch Südamerika. Lange vor Kolumbus jedenfalls erzeugte man auf dem Gebiet des heutigen Argentinien bronzene Produkte.



