Eine Anderwelt
Sie sind unter uns - in Sagen und Symbolen, als Hobby, für manche als Religion. Wer waren die Kelten? Wo kommt das Wort her, hat doch die keltische Kultur so gut wie keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen?Überwiegend erfunden ist dieses Bild von John White aus der Zeit um 1590. Bei aller Fantasie zeigt es, was man aus römischen Quellen über keltische Krieger weiß: wilde und blau tätowierte Gesellen.
Wer Bäume verehrt, lebt nahe an der Natur. So sind uns die Kelten eben sympathisch - in Zeiten des Waldsterbens und der ökologischen Krise. Genauer: Was uns sympathisch ist, ist das Fantasiebild ihrer Kultur.
Blei im Boden
Doch leider, angesichts von archäologischen Fakten hat jenes Fantasiebild keinen Bestand: "Keltische Handwerker waren die Meister der Eisenproduktion, für deren Schmelzöfen sie Unmengen an Holzkohle brauchten", schreibt der Germanist Arnulf Krause.
Folglich sei gerade den Kelten der heimische Wald massenhaft zum Opfer gefallen. Schlimmer noch: Ihre Schmiede verwendeten Blei als Zusatzstoff. "Dieses giftige Metall ist noch heute, nach zweitausend Jahren, an seiner hohen Konzentration nachweisbar und kündet davon, dass die Kelten auch die ersten Umweltsünder Europas waren", findet Krause, ohne den Kelten die Vorliebe für Bäume abzusprechen.
Kein Volk, was dann?
Baumverehrer, Eisenschmiede, Baumvernichter: die Angelegenheit ist widersprüchlich. Existiert überhaupt ein wissenschaftlich belegtes Bild der keltischen Kultur? Lässt sich ein Phänomen schlüssig beschreiben, dessen Ursprung sich, so Krause, "in den schriftlosen Tiefen der europäischen Vorgeschichte verliert"?
Gewiss ist, es hat die Kelten tatsächlich gegeben, weil es in der abendländischen (also in unserer) Kultur seit jeher den Begriff des Keltischen gibt: Keltoi nannten griechische Chronisten ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. barbarische Stämme, die sie an den Quellen der Donau und im Hinterland von Massilia (Marseille) lokalisierten.
Die merkwürdig weit gefasste geografische Bestimmung weist auf einen wichtigen Umstand hin: Keltoi meinte nie einfach ein Volk (im Sinne einer Ethnie) mit klar begrenztem Siedlungsgebiet. Keltoi bezeichnete vielmehr den Zustand hinter dem Horizont - wo das bewunderte, verachtete und gefürchtete Außen droht.
Blanker Neid
Lange vor dem Bewundern der Kelten, das ein Produkt des späten Mittelalters und der Neuzeit ist, regierten unübersehbar Verachtung und Furcht. Über die "Barbaren des Nordens" urteilten weiter im Süden beheimatete Zeitgenossen gnadenlos: kulturlose Wilde, die in der Kälte vor sich hin vegetieren.
"Sie wohnen in unbefestigten Dörfern ohne weitere Annehmlichkeiten der Zivilisation. Da sie auf Stroh lagern und viel Fleisch essen, und nichts sonst als Kriegswesen und Landwirtschaft betreiben, führen sie ein raues Leben und verfügen über keinerlei andere Kenntnisse und Fertigkeiten", meldet um 250 v. Chr. der griechische Historiker Polybios. Blanker Neid sei demnach ihr Motiv für Angriffe auf die reichen Nachbarn im Süden.
Immerhin: 387 v. Chr. verwüsteten keltische Scharen die Stadt Rom; das Trauma blieb der späteren Weltmacht gegenwärtig. Wann immer Rom künftig ernsthaft gen Norden expandiert, geht es gegen die Kelten (oder die Gallier im römischen Sprachwortschatz).
Welche Vielfalt an Stämmen und Völkerschaften sich hinter dem summarischen Begriff verbirgt, machen spätestens die Feldzüge Julius Caesars deutlich: 58 v. Chr. unterwirft der Prokonsul die Helvetier, 57 v. Chr. sind die Belger dran, 56 v. Chr. siegt der geniale Feldherr über die Veneter. 55 v. Chr. überquert Caesar den Rhein und unternimmt dann seine erste Expedition nach Britannien. Treverer, Haeduer, Eburonen, Karnuten und andere Stämme stehen 54 v. Chr. gegen den Eroberer auf...
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Die keltische Hallstattkultur,...
benannt nach dem Ort Hallstatt bei Salzburg, datieren Historiker auf die Periode von etwa 750 bis 450 v. Chr. Ihr Gebiet soll sich vom Osten Frankreichs über die Schweiz und Österreich bis nach Slowenien erstreckt haben. Kennzeichnend sind hölzerne Höhensiedlungen und reich ausgestattete Fürstengräber. Die große Mehrzahl der Menschen lebte als Bauern in verstreuten Einzelgehöften. Konkrete historische Ereignisse sind nicht bekannt.
Etwas rascher tickte die Uhr im klassischen griechischen Kulturraum: Aus dem Jahr 776 v. Chr. stammt eine erste Siegerliste Olympischer Spiele. Zwischen 750 und 650 v. Chr. werden Homers Epen aufgeschrieben, Stadtstaaten sind allgemein vorherrschende Lebensform. Ab 500 v. Chr. entwickelt sich die Attische Demokratie. 490 v. Chr. siegt das griechische Heer bei Marathon gegen die Perser. Weiter im Westen ist nun von der Römischen Republik die Rede.
benannt nach dem Ort Hallstatt bei Salzburg, datieren Historiker auf die Periode von etwa 750 bis 450 v. Chr. Ihr Gebiet soll sich vom Osten Frankreichs über die Schweiz und Österreich bis nach Slowenien erstreckt haben. Kennzeichnend sind hölzerne Höhensiedlungen und reich ausgestattete Fürstengräber. Die große Mehrzahl der Menschen lebte als Bauern in verstreuten Einzelgehöften. Konkrete historische Ereignisse sind nicht bekannt.
Etwas rascher tickte die Uhr im klassischen griechischen Kulturraum: Aus dem Jahr 776 v. Chr. stammt eine erste Siegerliste Olympischer Spiele. Zwischen 750 und 650 v. Chr. werden Homers Epen aufgeschrieben, Stadtstaaten sind allgemein vorherrschende Lebensform. Ab 500 v. Chr. entwickelt sich die Attische Demokratie. 490 v. Chr. siegt das griechische Heer bei Marathon gegen die Perser. Weiter im Westen ist nun von der Römischen Republik die Rede.



