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Pompeji

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Unsittlicher Lebenswandel?
Die Zerstörung von Pompeji - Strafe für die Sünder, Triumph der Unschuld: So lautet der bombastische Titel eines literarischen Werkes, das ein unbekannter Verfasser 1846 in Boston unter die Leute brachte. Mit dieser Ansicht stand der Autor keineswegs allein: 1834 schon erschien Edward Bulwer-Lyttons Roman Die letzten Tage von Pompeji - als Prototyp einer ganzen literarischen Gattung -, dessen Handlung auf dem erdachten Konflikt von Christen mit alteingesessenen pompejanischen Priestern beruht. Natürlich verlieren die "sündhaften Heiden" im Verlauf des Vulkanausbruchs ihr Leben, den Christen gelingt die Flucht.

Gestützt wurde solcherart Sicht auf die Dinge von einem simplen Missverständnis: Der Diktator Sulla, ihm verdankte Rom 80 v. Chr. die Einbeziehung Pompejis in den imperialen Herrschaftsbereich, gab der Stadt nämlich den Beinamen Colonia Veneria Cornelia, nach der "Stammgöttin" seines Geschlechts, der Venus. Das Wort Veneria nun interpretierten neuzeitliche Deuter - denken wir etwa an venerische Krankheiten (Tripper, Syphilis) - als Indiz für die Verworfenheit des damaligen städtischen Treibens. Also konnte die Naturkatastrophe von 79 nur ein Strafgericht Gottes sein.

Übrigens: Die Existenz von Christen im Sündenpfuhl Pompeji, noch dazu von solchen, die wunderbarerweise gerettet wurden, konnte nie nachgewiesen werden. Es spricht aber allerlei dafür, dass vor allem reiche Bürger bessere Chancen hatten, dem Inferno zu entkommen.