Rätselhafter Ursprung
Die Pyramiden im Land am Nil sind beeindruckend, aber nicht einmalig. In Mittel- und Südamerika gibt es Ähnliches. Und Reste von Pyramiden fand man sogar auf Teneriffa. Muss die Geschichte nun umgeschrieben werden?Das steinerne Fundament der kanarischen Stufenpyramide - präzise ausgerichtet an geographischen Orientierungspunkten.
Nicht nur in Ägypten
Die imposanten Stufenpyramiden der Maya in Mittelamerika sind bis zu siebzig Meter hoch und ein bis zwei Jahrtausende alt. An vielen Orten in Südamerika stehen ganz ähnliche Bauten, von Wissenschaftlern der Kultur der Inka zugeschrieben. Noch um einiges älter sind die Pyramiden im Süden Europas und auf den Kanaren. Thor Heyerdahl fand sie Anfang der 1990er Jahre in seiner Wahlheimat Teneriffa.
Zufällig und ungeordnet?
Was man dort lange für eine zufällige und ungeordnete Ansammlung alter Steine hielt, erkannte er als einen mathematisch exakt geplanten, astronomisch berechneten und gewissenhaft angelegten Tempel-Komplex von sechs Stufenpyramiden. Nicht viel anders als jene Bauwerke, die man aus Süd- und Mittelamerika, Nordafrika, Europa und Asien kennt! Der größte Pyramidenkomplex auf der Kanareninsel blickt genau in Richtung Sonnenuntergang zum Zeitpunkt der Sommersonnenwende. Treppen führen von einem tief gelegenen Platz zur Spitze jeder Pyramide. Oben auf der Pyramide gibt es ein flaches Areal, das mit feinen Kieselsteinen bedeckt ist. Alle Pyramiden sind quer zu einer Linie zwischen der Montana Grande - einem erloschenen Vulkan an der Ostküste - und einer markanten Felsgabelung des Teide-Vorgebirges angelegt.
Pyramiden-Export nach Amerika?
Auch die Stufenpyramiden in Südamerika entstanden nach genauen astronomischen Berechnungen, anders lassen sich die Übereinstimmungen nicht erklären. So orientieren sie sich beispielsweise alle am Lauf der Sonne. Sprechen all diese Fakten für die These von Heyerdahl, dass, schon lange bevor Kolumbus den Atlantik überquerte, seefahrende Europäer Idee und Konzept der gigantischen Bauten über den Ozean brachten?
Die Theorie vom Pyramidenexport stützt sich im Übrigen noch auf einige andere Entdeckungen: Der Bau der Monte d'Accodi auf Sardinien wird auf die Jahre 2800 bis 2700 v. Chr. datiert. Damit wäre sie noch um einige Zeit früher erbaut worden als die älteste Pyramide Ägyptens - nämlich jene von Sakkara. Auch auf Sizilien, am Fuß des Ätna, gibt es mehr als ein Dutzend solcher Monumente. Ein weiterer wichtiger Fingerzeig für die Wissenschaft sind die vorzeitlichen Steintempel, die auf der Mittelmeerinsel Malta stehen.
Maltesische Ägypter?
Vergleicht man die Tempelkultur Maltas mit der des alten Ägypten, ergeben sich viele und erstaunlich auffällige Parallelen. Verschiedene Wissenschaftler haben mit unterschiedlichen Methoden zur Altersbestimmung gearbeitet und inzwischen eines eindeutig beweisen können: Die megalithischen Tempel Maltas wurden ohne Zweifel rund eintausend Jahre vor den ältesten Steinbauten Ägyptens errichtet. Lag auf der Mittelmeerinsel, die einst als eine Art Nabel der Welt galt, die Geburtsstätte der Pyramiden? Verbreitete sich das Modell von hier aus nach Nordafrika?
Pyramiden in Ägypten: Haben maltesische Architekten sie vielleicht entworfen? Eine kühne These behauptet genau das.
Fand es später den Weg nach Europa, und von dort aus, über die Weiten des Atlantiks, nach Amerika? Erster bekannter Pyramiden-Erbauer des alten Ägypten ist der Architekt und Universalgelehrte Imhotep - auch genannt "Vater des Steinhauses". Er errichtete um 2600 v. Chr. als Totentempel für den Pharao Djoser die Stufenpyramide von Sakkara. Zum Zeitpunkt von Djosers Tempelbau waren Malta und die Nebeninsel Gozo bereits menschenleer. Eine kühne Hypothese besagt folgendes: Möglicherweise sind die Maltis dieser frühen Zeit geschlossen nach Ägypten ausgewandert, wo maltesische Architekten im Dienste Imhoteps mit den Bauarbeiten von Sakkara beauftragt waren.
Sollte sich diese Hypothese bestätigen, wäre wahrscheinlich nicht nur die Technologie des Pyramidenbaus vom zentralen Mittelmeer aus nach Ägypten exportiert. Damit hätte die gesamte altägyptische Kultur ihre Wurzeln außerhalb von Nordafrika. Vielleicht waren auch die ersten Pharaonen keine Ägypter? In der Geschichte von Osiris, vom Horus-Falken und manchen Überlieferungen lassen sich zumindest interessante Andeutungen finden.
Politische Zwecke?
Wie dem aber auch sei, die Pyramide wurde ein weltumspannendes Zeichen. Sie ist nicht nur Königsgrab und Kulturdenkmal - sie ist in erster Linie Symbol der staatlichen Macht. Der erste Gelehrte, der sich mit diesem Umstand beschäftigte, war Kurt Mendelssohn, eigentlich ein Physiker. Er deutete an, dass der antike Pyramidenbau vorrangig politischen Zwecken gedient haben könnte.
Bauen als Organisationshilfe
Seiner Ansicht nach mussten Pyramiden gebaut werden, um in einer Gesellschaft mit nur sehr gering ausgeprägten staatlichen Strukturen politische Herrschaft im modernen Sinne zu demonstrieren. Die regelmäßigen Überschwemmungsphasen des Nils machten eine planmäßige Vorratswirtschaft nötig: am Besten waren Nahrungsbeschaffung, fällige Kontrollmaßnahmen und Herausbildung eines Beamtenapparats zu organisieren, wenn man Massen von Arbeitskräften in gigantischen Bauprojekten beschäftigte. Noch heute ist die Pyramide das Symbol der Hierarchie, der gesellschaftlichen Differenzierung von Oben und Unten.
Michael Schmittbetz (12.03.2002)
Infobox
Imhotep...
("der in Frieden kommt") lebte zur Zeit König Djosers (etwa 2600 v. Chr.) und betätigte sich in unterschiedlichen Bereichen: als Architekt, Arzt, Hohepriester und Kanzler. Er plante als Baumeister die Errichtung der Stufenpyramide von Sakkara, die in Form und Größe etwas absolut Neues war.
Das Dreieck bildete damals ein wichtiges Symbol des ägyptischen Sonnenkultes in der heiligen Stadt Heliopolis, wo er lange Zeit als Priester wirkte. Von Imhotep stammt auch die ägyptische Weisheitslehre und für viele gilt er als Begründer der Medizin. Bis in römische Zeiten pilgerten Menschen mit ihren Leiden zu seinem Grab, um seine legendären Heilkräfte anzurufen.
In der ägyptischen Spätzeit, im Neuen Reich, wurde Imhotep dann als Gott verehrt. Die Schreiber der Tempel, Speicher und Paläste opferten ihm zu Beginn jedes Schreibwerks einen Tropfen Tinte.
("der in Frieden kommt") lebte zur Zeit König Djosers (etwa 2600 v. Chr.) und betätigte sich in unterschiedlichen Bereichen: als Architekt, Arzt, Hohepriester und Kanzler. Er plante als Baumeister die Errichtung der Stufenpyramide von Sakkara, die in Form und Größe etwas absolut Neues war.
Das Dreieck bildete damals ein wichtiges Symbol des ägyptischen Sonnenkultes in der heiligen Stadt Heliopolis, wo er lange Zeit als Priester wirkte. Von Imhotep stammt auch die ägyptische Weisheitslehre und für viele gilt er als Begründer der Medizin. Bis in römische Zeiten pilgerten Menschen mit ihren Leiden zu seinem Grab, um seine legendären Heilkräfte anzurufen.
In der ägyptischen Spätzeit, im Neuen Reich, wurde Imhotep dann als Gott verehrt. Die Schreiber der Tempel, Speicher und Paläste opferten ihm zu Beginn jedes Schreibwerks einen Tropfen Tinte.


