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Sklaverei

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Egon Flaig...
ist Professor für Alte Geschichte an der Universität Rostock. Über akademische Kreise hinaus bekannt wurde der Historiker durch seine Analyse des dschihadistischen Islam. In diesem Zusammenhang steht auch Flaigs Interpretation des weltweiten Phänomens Sklaverei: Erst durch die muslimischen Eroberungen, insbesondere des 7. und 8. Jahrhunderts, sei Afrika zum größten Sklavenlieferanten der Weltgeschichte geworden.

Damit relativiert der Althistoriker Flaig die bislang vorherrschende Schuldzuweisung an die europäisch-christliche Kultur. Ganz im Gegenteil habe allein die Kultur Europas in einem jahrhundertelangen widerspruchsvollen Prozess kritischer Reflexion den Abolitionismus (die Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei) hervorgebracht. Das sei der entscheidende Schritt gewesen auf dem Weg zur Formulierung und teilweise auch praktischen Durchsetzung uneingeschränkt geltender Menschenrechte.

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Wirtschaft oder Moral?
Zwischen dem frühen 16. Jahrhundert und dem Anfang des 19. Jahrhunderts wurden rund 11 Millionen schwarzafrikanische Sklaven in die Neue Welt verschleppt. Die Verschleppten deckten den Arbeitskräftebedarf besonders beim Zuckerrohr-, Kaffee-, Baumwoll- und Tabakanbau. Der Sklavenhandel über die Atlantikroute war ein risikoreiches, aber profitträchtiges Unternehmen, finanziert von europäischen, oft weltumspannend agierenden Konsortien.

Solche Konsortien beschafften Tauschwaren, rüsteten Schiffe aus, organisierten den Handel an der afrikanischen Küste, verkauften die menschliche Ware in den Amerikas, kauften dort wiederum Waren - und zahlten Gewinne an ihre Aktionäre. Im Sklavenhandel entstanden riesige Vermögen, die als Kapitalstock eine Grundlage bildeten für die industrielle Revolution des 18. und 19. Jahrhunderts. Sklavenhandel trug bei zur Herausbildung globaler Finanzstrukturen.

Was geschah, wenn die Schiffe der Konsortien die afrikanische Küste erreichten? Forschungen zeigen, dass das Bild vom weißen Sklavenjäger, der freie Afrikaner zu Sklaven macht, weitgehend unzutreffend ist. Vielmehr erwarben europäische Agenten dort Sklaven von Vertretern afrikanischer Eliten, und zwar im Tausch gegen Industriewaren.

"Der atlantische Sklavenhandel wäre ohne die Mitwirkung der Afrikaner nicht möglich gewesen", resümieren Jochen Meissner, Ulrich Mücke und Klaus Weber in ihrem Buch Schwarzes Amerika. Zur hohen Zeit des transatlantischen Sklavenhandels betrieben kriegerische, fest gefügte afrikanische Territorialreiche die Versklavung Einheimischer, wonach ein Teil der so versklavten Afrikaner in die Gewalt europäischer Händler gelangte.

Diese historischen Tatsachen werfen Wertungsprobleme auf. Das bezieht sich auch auf die Wertung des vorwiegend britisch-französischen Kolonialismus des 19. Jahrhunderts. Die kolonialistischen Vorstöße jener Epoche waren es nämlich, die gemeinsam mit dem offiziellen britischen Verbot ab 1807 den Sklavenhandel zum Erliegen brachten: Afrikanische sklavistische Reiche wurden beseitigt; am Sklavenhandel verdienende afrikanische Eliten verloren an Einfluss. Der Kampf gegen die Sklaverei war ein wichtiges Argument, welches zeitgenössische Befürworter des Kolonialismus verwendeten.

Die anti-sklavistische Motivationsstruktur im Europa des 19. Jahrhunderts war sicher komplex: Experten heben hervor, dass die Phase der ursprünglichen Kapitalakkumulation, zu der der Sklavenhandel beigetragen hatte, in den sich herausbildenden Industriegesellschaften ganz einfach abgeschlossen war. Andere stellen das Agieren evangelikaler protestantischer Gruppen gegen die Sklaverei in den Vordergrund. Wie fast immer, dürften wirtschaftliche und moralische Motive zusammengespielt haben, um letztlich einen tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel zu bewirken.

Michael Schmittbetz (18.08.2010)