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Troja

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Hisarlık, Ilion und "Troja"
Der Hügel von Hisarlık liegt im nördlichen Anatolien, rund dreieinhalb Kilometer südlich der Dardanellen, in der türkischen Provinz Çanakkale. Experten diskutieren darüber, ob die bronzezeitliche Siedlungsstruktur in einigen der archäologischen Schichten zu ihrer Zeit das Potential hatte, die Dardanellen zu sperren. Falls es so war, könnte das, auch unabhängig von der homerischen Überlieferung, ein Kriegsgrund gewesen sein.

Am 9. August 1868 kam Heinrich Schliemann in die Ebene der Troas, also in die Landschaft am Fuß des Ida-Gebirges, die den Hügel von Hisarlık umgibt. Nach Hinweisen des Engländers Frank Calvert gelangte Schliemann zu der Überzeugung, dass der Hügel die Ruinen des homerischen Ilion berge - und demzufolge als Schauplatz des Trojanischen Krieges anzusehen sei.

1873 teilte Schliemann der Öffentlichkeit mit, "Troja" ebendort entdeckt zu haben. Doch erst sein spektakulärster Fund, der von ihm selbst so genannte Schatz des Priamos, verschaffte dem frisch gebackenen Archäologen Glaubwürdigkeit. Priamos war, laut Homer, der letzte König von Ilion. Ironischerweise ist die Schicht, in der Schliemann sein Hauptargument freilegte, rund tausend Jahre zu alt, um zur homerischen Überlieferung zu passen.

In den Homer zugeschriebenen Texten heißt die von den Griechen belagerte und eroberte Burg nicht Troja, sondern Ilion, gelegentlich Ilios. Mit dem Wort Troas bezeichnet der Dichter die Landschaft, in der Ilion liegt. Die Bewohner der Troas, mithin die Gegner der griechischen Belagerer, heißen bei ihm Troer.

Ilion, die in den homerischen Texten bezeichnete Burg mit anschließender Unterstadt, könnte mit den archäologischen Schichten Troja VI oder Troja VIIa identisch sein. Entweder durch eines der dort häufigen Erdbeben oder durch eine Eroberung wurde diese Siedlung gegen 1200 v. Chr. zerstört.

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Der "Zweite Trojanische Krieg"
Mit geistiger Klinge kämpfen seit mehr als zehn Jahren deutsche Wissenschaftler gegeneinander: Archäologen und Althistoriker streiten, ob Homers Epen, also Ilias und Odyssee, auf Tatsachen gründen, ob Troja wirklich existierte - und ob das, was Ausgräber seit Schliemann im Hügel von Hisarlık fanden, das Ilion des Trojanischen Krieges sei.

Vorstellen kann man sich das geistige Gefecht wie den Kampf zweier Heere, fast wie den Krieg der Griechen und Trojaner, wenn es ihn denn gab. Anführer der Trojaner war der Archäologe Manfred Korfmann, der bis zu seinem Tod 2005 vehement die These von der Historizität der homerischen Überlieferung vertrat.

Ab 1988 war Korfmann Leiter des von der Mercedes AG (später DaimlerChrysler, jetzt Daimler AG) gesponserten und von der türkischen Regierung unterstützten Ausgrabungsprojekts von Hisarlık. Korfmann sah die Existenz Trojas auf dem Hügel von Hisarlık als erwiesen an, musste unter dem Druck des feindlichen Heeres allerdings im Detail Rückzieher machen.

Dessen Anführer, der Althistoriker Frank Kolb, erhob in diversen Äußerungen den Vorwurf bewusster Irreführung. Die Siedlungsstruktur sei, so Kolb, ein unbedeutendes lokales Zentrum gewesen. Für ein "Troja" auf Hisarlık, ja überhaupt für einen Trojanischen Krieg gebe es keinerlei Beweise. Mittels gut organisierter Medienkampagnen, besonders im auf Bilder angewiesenen Fernsehen, sei es Korfmann gelungen, seine Sicht auf die Dinge durchzudrücken.

Während Korfmann beziehungsweise dessen Nachfolger auf ihre Funde verweisen, rügt Kolb deren Interpretation und verweist auf Indizien für Voreingenommenheit: Korfmann, dem kurz vor seinem Tod die türkische Staatsbürgerschaft verliehen wurde, habe Begehrlichkeiten der türkischen Politik und wirtschaftlichen Interessen entsprochen. Der Beweis der "Echtheit" Trojas solle lediglich Befürwortern eines EU-Beitritts der Türkei entgegenkommen.

Nach seinem Höhepunkt im Sommer 2001 ist der Zweite Trojanische Krieg inzwischen stark abgeflaut. Zwar gehen die Grabungen weiter, der türkische Staat aber zeigt ein eher moderates Engagement. Am Islam orientierte Kräfte in der türkischen Politik setzen weniger als ihre Vorgänger auf Grabungsergebnisse, die eine Wiege der europäischen Kultur auf türkischem Boden nahelegen.

Kolb, dem nach Meinung eines Rezensenten etwas "die Gegner abhanden kamen", veröffentlichte dennoch 2010 ein Buch unter dem Titel Tatort "Troja", in dem er die Debatte aus seiner Sicht resümiert. Die Ausgräber vor Ort hingegen halten weiter an der Authentizität Trojas fest, legen den Schwerpunkt aber auf archäologische Feinarbeit an einer zweifellos interessanten bronzezeitlichen Formation.