Knochenkrieger
Bereits vor etwa zweitausend Jahren fanden die Chinesen Überreste von Dinosauriern. Im 19. Jahrhundert begannen Forscher in den USA, sich für die Urzeit-Echsen zu interessieren.Erst Freunde, später Rivalen: Othniel Marsh (links) und Edward Cope (rechts).
In den USA hatten Paläontologen von der Entdeckung zwar Kenntnis genommen, doch erst 1858 fand ein Farmer in New Jersey fossile Überreste einer Urzeitechse. Dennoch: am Ende des Jahrhunderts sollten amerikanische Forscher ihre europäischen Kollegen bereits weit abgehängt haben.
Passionierte Forscher und Freunde
Zu verdanken ist das den Paläontologen Edward Drinker Cope und Othniel Charles Marsh, die untereinander einen jahrzehntelangen Wettstreit um neue, sensationelle Fossilienfunde austrugen. Die beiden ehrgeizigen Forscher hatten sich in den 1860er Jahren kennen gelernt und Freundschaft geschlossen - ihre Faszination für ausgestorbene Wirbeltiere verband sie, obwohl die Voraussetzungen kaum unterschiedlicher hätten sein können.
Der Sensationsfund aus Chemnitz wird im Naturhistorischen Museum Schleusingen unter die Lupe genommen. Mehr dazu in der Infobox rechts.
Marsh (geboren 1831) hatte dank des Vermögens seines Onkels, des Unternehmers George Peabody, eine akademische Karriere par excellence hingelegt; Cope hingegen, Jahrgang 1840 und Sohn einer reichen Quakerfamilie, hatte keine formelle Universitätsausbildung absolviert, galt aber als aufmerksamer Naturbeobachter und brillanter Forscher. Beide hatten sich als Wirbeltierpaläontologen einen Ruf erworben und forschten an Universitäten - Marsh in Yale, Cope in Philadelphia.
Der verdrehte Saurier
Die Freundschaft der ungleichen Zwei zerbrach 1870 an einer Diskussion um einen Dinosaurier: Cope hatte den schlangenähnlichen Elasmosaurus beschrieben, aber den Schädel des Tieres am falschen Ende - am Schwanz - platziert. Marsh, der den Irrtum bemerkte, lachte seinen Kollegen aus. Während Cope versuchte, den Fehler zu vertuschen und so viele Zeitschriften wie möglich zurückkaufte, in denen sein Artikel erschienen war, verbreitete Marsh die Geschichte mit einer gewissen hinterhältigen Freude.
Fossilien warteten
Von nun an waren die ehemaligen Freunde erbitterte Feinde, sowohl auf persönlicher als auch auf fachlicher Ebene. Der Westen der USA wurde zum Austragungsort ihrer Rivalität: Tausende Tonnen Fossilien in den Staaten Wyoming, Colorado, Kansas und Nebraska - Überreste eines Binnenmeeres der Kreidezeit - warteten nur darauf, ausgegraben zu werden.
Marsh (stehend) und seine Truppe, 1871.
Ehrgeiz und Ehrgefühl stachelten die beiden Forscher an, jeder wollte den anderen beim Identifizieren neuer, spektakulärer Dinosaurierarten überflügeln. Marsh reiste 1871 das erste Mal in den Westen und machte viel versprechende Säugetierfunde in Nebraska und Kansas. Cope folgte wenige Monate später derselben Route und grub sogar zwei Dinosaurier aus. Doch die Arbeiten waren nicht ungefährlich, hatten die Forscher doch Grenzland betreten: Hier, im "Wilden Westen", tobte ja noch der Kampf des US-Militärs gegen die Ureinwohner, die ihr Land gegen weiße Siedler verteidigten.
Copes Trick
Cope und Marsh ließen sich von Indianern jedoch nicht beim Graben stören. Marsh war ein geschickter Politiker: die Sioux duldeten ihn, da er sich mit ihrem Häuptling Red Cloud angefreundet hatte und für ihn sogar beim Präsidenten vorsprach. Dass Cope ebenfalls keine Probleme mit Indianern hatte, verdankte er einem Zufall: Der Paläontologe war gerade dabei, seine Zahnprothese zu reinigen, als sich eine Gruppe vom Stamme der Crow seinem Lager näherte. Die Indianer beobachteten ihn und hielten das Gebiss für einen geheimnisvollen Zauber. Cope führte mehrmals vor, wie er seine künstlichen Zähne einsetzte und herausnahm, und gebrauchte den Trick auch bei späteren Zusammentreffen...
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Infobox
Funde in Mitteldeutschland
Dreißig Zentimeter lang und etwa 290 Millionen Jahre alt - hinter diesen Daten verbirgt sich ein "Sensationsfund": ein kleiner eidechsenähnlicher Ur-Saurier. Wissenschaftler entdeckten seine Überreste, in Lavagestein eingeschlossen, im Herbst 2009 bei Ausgrabungen im sächsischen Chemnitz.
Bislang seien in ganz Europa nur zwei oder drei ähnliche Funde gemacht worden, erklärte der Paläontologe Jörg Schneider von der Technischen Universität Freiberg. Das sächsische Fossil sei aber besonders gut erhalten. Bei seinem Tod im Ascheregen des Zeisigwald-Vulkans - Sachsen war einst eine Vulkanlandschaft - seien Extremitäten, Wirbelsäule, Rippen, Schädelfragmente und Schuppenpanzer des grazilen Reptils konserviert worden.
Um welche Saurierart genau es sich handelt, wird derzeit noch untersucht. Der Saurier wurde vom Chemnitzer Naturkundemuseum an das Naturhistorische Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen geschickt. Dort arbeiten Experten für Präparation und wissenschaftliche Bearbeitung an dem Fund. Das Skelett muss präpariert und das noch verborgene Handskelett freigelegt werden. Anschließend wird der Chemnitzer mit ähnlichen Funden weltweit verglichen. Dann wird sich auch zeigen, ob es sich vielleicht um eine ganz neue Saurierart handelt.
Da ist man in Thüringen schon ein Stück weiter: Im so genannten Bromacker bei Tambach-Dietharz haben Forscher bisher mehr als 40 Skelette von 13 Saurierarten entdeckt, zuletzt im Juli 2009. Seit mehr als dreißig Jahren graben Paläontologen wie Dr. Thomas Martens vom Gothaer Museum der Natur in der fast dreihundert Millionen Jahre alten Gesteinsschicht nach den ältesten Landwirbeltieren der Erde. Der Bromacker zählt zu den bedeutendsten und ergiebigsten Fundstätten weltweit.
Prominentestes Fundstück ist Eudibamus cursoris, ein 26 Zentimeter kleines, auf zwei Beinen laufendes Landwirbeltier, das vor etwa 290 Millionen Jahren nahe dem heutigen Rennsteig lebte. Aus den Skelettmerkmalen des hervorragend erhaltenen Fossils schließen die Forscher, dass sich das Tier in aufrechter Körperhaltung auf den Zehen fortbewegte. Sein extrem langer Schwanz diente dem Pflanzenfresser vermutlich als eine Art Steuer bei schnellerer Gangart. Das Skelett des kleinen Ur-Sauriers gehört zur Sammlung des Museums der Natur in Gotha und ist dort zusammen mit den anderen Thüringer Fossilienfunden Teil einer Dauerausstellung.
Dreißig Zentimeter lang und etwa 290 Millionen Jahre alt - hinter diesen Daten verbirgt sich ein "Sensationsfund": ein kleiner eidechsenähnlicher Ur-Saurier. Wissenschaftler entdeckten seine Überreste, in Lavagestein eingeschlossen, im Herbst 2009 bei Ausgrabungen im sächsischen Chemnitz.
Bislang seien in ganz Europa nur zwei oder drei ähnliche Funde gemacht worden, erklärte der Paläontologe Jörg Schneider von der Technischen Universität Freiberg. Das sächsische Fossil sei aber besonders gut erhalten. Bei seinem Tod im Ascheregen des Zeisigwald-Vulkans - Sachsen war einst eine Vulkanlandschaft - seien Extremitäten, Wirbelsäule, Rippen, Schädelfragmente und Schuppenpanzer des grazilen Reptils konserviert worden.
Um welche Saurierart genau es sich handelt, wird derzeit noch untersucht. Der Saurier wurde vom Chemnitzer Naturkundemuseum an das Naturhistorische Museum Schloss Bertholdsburg in Schleusingen geschickt. Dort arbeiten Experten für Präparation und wissenschaftliche Bearbeitung an dem Fund. Das Skelett muss präpariert und das noch verborgene Handskelett freigelegt werden. Anschließend wird der Chemnitzer mit ähnlichen Funden weltweit verglichen. Dann wird sich auch zeigen, ob es sich vielleicht um eine ganz neue Saurierart handelt.
Da ist man in Thüringen schon ein Stück weiter: Im so genannten Bromacker bei Tambach-Dietharz haben Forscher bisher mehr als 40 Skelette von 13 Saurierarten entdeckt, zuletzt im Juli 2009. Seit mehr als dreißig Jahren graben Paläontologen wie Dr. Thomas Martens vom Gothaer Museum der Natur in der fast dreihundert Millionen Jahre alten Gesteinsschicht nach den ältesten Landwirbeltieren der Erde. Der Bromacker zählt zu den bedeutendsten und ergiebigsten Fundstätten weltweit.
Prominentestes Fundstück ist Eudibamus cursoris, ein 26 Zentimeter kleines, auf zwei Beinen laufendes Landwirbeltier, das vor etwa 290 Millionen Jahren nahe dem heutigen Rennsteig lebte. Aus den Skelettmerkmalen des hervorragend erhaltenen Fossils schließen die Forscher, dass sich das Tier in aufrechter Körperhaltung auf den Zehen fortbewegte. Sein extrem langer Schwanz diente dem Pflanzenfresser vermutlich als eine Art Steuer bei schnellerer Gangart. Das Skelett des kleinen Ur-Sauriers gehört zur Sammlung des Museums der Natur in Gotha und ist dort zusammen mit den anderen Thüringer Fossilienfunden Teil einer Dauerausstellung.




