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Europa

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Braunes Nachbarschaftsproblem
Der Anschluss Österreichs an Hitlers Deutsches Reich im März 1938 ist eines der meistdiskutierten Themen österreichischer Geschichte. Während der Nachkriegszeit galt die Doktrin, Hitler habe das Land gegen den Willen der Bevölkerung unterworfen. Österreichs Politiker hielten es für klug, ihr Land als Opfer darzustellen.

Langsam erst gewinnt eine differenzierte Sicht Raum. Dass Hitlers Einmarsch mit Unterstützung einer Mehrheit der Österreicher, katholischer Kirche und Armee erfolgte, ist heute aber unbestritten. Verwiesen wird auf historische Gründe, unter anderem das Vereinigungsverbot von 1919 durch die Sieger des Ersten Weltkriegs, was dem Anschlussstreben vieler Österreicher zuwiderlief.

Dieses Streben bestand fort und fand Ausdruck auch in Hitlers Politik, wobei dessen österreichische Herkunft eine Rolle spielte. Als Hitler am 13. März 1938 vom Balkon der Wiener Hofburg "den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich" verkündete, tat er dies vor begeisterten Massen. Akte der Gewalt gingen im Freudentaumel unter.

Die Armee wurde in die Wehrmacht integriert. Führende Nationalsozialisten und höhere SS-Kader waren Österreicher. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die beiderseits weitgehend unaufgearbeitete Vergangenheit das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesrepublik und Österreich immer wieder belastet.