Die Piefkes
Nicht alles läuft glatt in der komplexen Beziehung zwischen Österreichern und Deutschen: Den Piefkes sagt man in Wien und anderswo manch Unsympathisches nach. Wo aber kommt der Spitzname her?Die Piefkes kommen: Prinz Friedrich Karl in der Schlacht bei Königgrätz 1866 gegen die Österreicher. (Maler unbekannt)
Arrogant und lärmend
Freilich geben sich Piefkes auch auf andere Weise zu erkennen: Arrogant und lärmend ist ihr Benehmen. Stur beharren sie auf dem Erfüllen von Vorschriften zu hundert Prozent (wo doch achtzig vollauf genügten). Dabei handeln sie effektiv, obgleich wenig flexibel. Bezeichnenderweise sind Ostdeutsche meist keine Piefkes. Die sind vor allem als Kellner in Alpenhotels bekannt.
Herr Piefke aus Preußen
Das ist schade, kam doch Herr Piefke, das Original, aus dem richtigen ostelbischen Preußen. Herr Piefke hieß mit bürgerlichem Namen Johann Gottfried Piefke, genannt August. Herr Piefke hatte zudem einen Bruder: Rudolf. Beide waren künstlerisch veranlagte Menschen. Berühmt wurde Johann Gottfried durch von ihm komponierte Musik.
Johann Gottfried Piefkes Meisterstück ist der Königgrätzer Marsch. Der besteht im Wesentlichen aus Variationen des unseren Großvätern noch vertrauten Angriffssignals der Preußischen Garde (etwa nach der Sprachmelodie "Kartoffelsupp, Kartoffelsupp, und jeden Tag Kartoffelsupp"). Eine gewisse rasselnde Einförmigkeit ist dem Werk nicht abzusprechen. Laut gehört, kann es jedoch rauschhafte Zustände bewirken.
Schlagen, doch nicht kränken
Zur Uraufführung gelangte das militärische Auftragsprodukt am 31. Juli 1866 bei Gänserndorf, rund zwanzig Kilometer vor Wien. Jeder der beiden Piefkes dirigierte aus diesem Anlass ein Musikkorps; knapp fünfzigtausend Preußen marschierten zu den scheppernden Klängen an ihrem König Friedrich Wilhelm vorbei. Dem hatte sein Kanzler Bismarck gerade die Idee ausgeredet, quer durch Wien zu paradieren. Bismarck wollte die Österreicher militärisch schlagen - was ihm auch gelungen war - aber keineswegs kränken.
Immerhin, die Schlacht bei Königgrätz (3. Juli 1866) ist gerade vorüber, es steht nun fest, wer Herr in Deutschland ist - und Österreich ist es nicht. Die Wiener sind wirklich kaum gekränkt, sondern strömen in hellen Scharen zum Massenspektakel der Siegesparade herbei. Dass unter den neugierigen Hauptstädtern bald der Ruf "Die Piefkes kommen!" erschallt - jene Bezeichnung so zum Synonym für Preußen und Norddeutsche wird - ist nicht aktenkundig, also spekulativ. Naheliegend aber ist es doch.
Ein berühmter Österreicher
Piefke, der echte Johann Gottfried Piefke, wirkte übrigens noch nach seinem Tod um 1900 aufs deutsch-österreichische Verhältnis ein: Sein Meisterwerk sollte viel später zu den Lieblingsmelodien eines prominenten Österreichers gehören, gespielt bei unzähligen Aufmärschen und Militärparaden. Der allerdings - obwohl geboren in Braunau am Inn - darf deutscherseits vereinnahmt werden. Österreich legt auf ihn keinen gesteigerten Wert.
Michael Schmittbetz (01.12.2005)
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Braunes Nachbarschaftsproblem
Der Anschluss Österreichs an Hitlers Deutsches Reich im März 1938 ist eines der meistdiskutierten Themen österreichischer Geschichte. Während der Nachkriegszeit galt die Doktrin, Hitler habe das Land gegen den Willen der Bevölkerung unterworfen. Österreichs Politiker hielten es für klug, ihr Land als Opfer darzustellen.
Langsam erst gewinnt eine differenzierte Sicht Raum. Dass Hitlers Einmarsch mit Unterstützung einer Mehrheit der Österreicher, katholischer Kirche und Armee erfolgte, ist heute aber unbestritten. Verwiesen wird auf historische Gründe, unter anderem das Vereinigungsverbot von 1919 durch die Sieger des Ersten Weltkriegs, was dem Anschlussstreben vieler Österreicher zuwiderlief.
Dieses Streben bestand fort und fand Ausdruck auch in Hitlers Politik, wobei dessen österreichische Herkunft eine Rolle spielte. Als Hitler am 13. März 1938 vom Balkon der Wiener Hofburg "den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich" verkündete, tat er dies vor begeisterten Massen. Akte der Gewalt gingen im Freudentaumel unter.
Die Armee wurde in die Wehrmacht integriert. Führende Nationalsozialisten und höhere SS-Kader waren Österreicher. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die beiderseits weitgehend unaufgearbeitete Vergangenheit das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesrepublik und Österreich immer wieder belastet.
Der Anschluss Österreichs an Hitlers Deutsches Reich im März 1938 ist eines der meistdiskutierten Themen österreichischer Geschichte. Während der Nachkriegszeit galt die Doktrin, Hitler habe das Land gegen den Willen der Bevölkerung unterworfen. Österreichs Politiker hielten es für klug, ihr Land als Opfer darzustellen.
Langsam erst gewinnt eine differenzierte Sicht Raum. Dass Hitlers Einmarsch mit Unterstützung einer Mehrheit der Österreicher, katholischer Kirche und Armee erfolgte, ist heute aber unbestritten. Verwiesen wird auf historische Gründe, unter anderem das Vereinigungsverbot von 1919 durch die Sieger des Ersten Weltkriegs, was dem Anschlussstreben vieler Österreicher zuwiderlief.
Dieses Streben bestand fort und fand Ausdruck auch in Hitlers Politik, wobei dessen österreichische Herkunft eine Rolle spielte. Als Hitler am 13. März 1938 vom Balkon der Wiener Hofburg "den Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich" verkündete, tat er dies vor begeisterten Massen. Akte der Gewalt gingen im Freudentaumel unter.
Die Armee wurde in die Wehrmacht integriert. Führende Nationalsozialisten und höhere SS-Kader waren Österreicher. Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die beiderseits weitgehend unaufgearbeitete Vergangenheit das Verhältnis zwischen der deutschen Bundesrepublik und Österreich immer wieder belastet.



