"Die hören sollen, sie hören nicht mehr,
Vernichtet ist das ganze Heer,
Mit dreizehntausend der Zug begann,
Einer kam heim aus Afghanistan."
(Theodor Fontane, 1847)
Teure Irrtümer
1839 marschierten britische Truppen nach Afghanistan - und liefen in die Katastrophe. Warum war das so? Was hat es uns heute zu sagen? Ein militärisch-politischer Rückblick.Afghanische Stammeskrieger, 1841: Die Lithografie stammt von Lieutenant James Rattray, einem Offizier der Army of the Indus, der Afghanistan 1841 verließ.
Guerillas und "Terroristen"
Drei Mal traf es die Briten; einmal die Russen. Afghanistans Geschichte bietet so gleich mehrere Paradebeispiele für asymmetrische Kriege, für Konflikte also, "an denen in den wenigsten Fällen auf beiden Seiten reguläre Streitkräfte beteiligt sind", wie der israelische Militärtheoretiker Martin van Creveld schreibt. Die Gegner wohl organisierter regulärer Armeen sind vielmehr "chaotisch" kämpfende Stammeskrieger, Guerillas - oder eben "Terroristen".
"Schlüsselland" Afghanistan
Den Anfang in einer Kette militärisch-politischer Katastrophen macht das Britische Imperium 1839. Es ist die Zeit des Great Game (siehe Infobox): Großbritannien und das Russische Reich konkurrieren um Einfluss in Zentralasien; russisches Ziel ist es, zum Indischen Ozean vorzustoßen. Afghanistan gilt als "Schlüsselland", alle Wege führen über sein Territorium. Dost Mohammed, Herrscher in Kabul, tendiert zur Annahme russischer Angebote. Aus Angst um Indiens Sicherheit marschiert ein britisches Kontingent aus dem Gebiet des heutigen Irak in Afghanistan ein, erobert Kabul und bringt den unpopulären, früheren Emir Schah Schuja zurück an die Macht.
Grollen unter der Oberfläche
Der Army of the Indus - ihr gehören gut 16.000 britische und indische Soldaten sowie 35.000 Bedienstete und Familienmitglieder an - begegnet zunächst unheimliche Ruhe. "Die Garnison von Kabul", notiert der Historiker Saul David, "führte das typische Leben eines britischen Erholungsorts in den indischen Bergen - mit Konzerten, Pferderennen, Schlittschuhlaufen und Kricket." Bela Hissar, die strategisch wichtige Zitadelle am Stadtrand von Kabul, wird geräumt für den Harem des Emirs - ein erster Fehler. Opulent lebt nicht nur der von britischer Gunst abhängige Schah Schuja, auch britische Offiziere bringen mit ihrem Lebensstil die Bewohner Kabuls gegen sich auf. Intelligente Kommandeure spüren das Grollen unter der Oberfläche. Doch haben sie keine Entscheidungspositionen inne.
Bedenkliche Nachrichten
An der Spitze der Army of the Indus steht seit April 1841 Generalmajor William Elphinstone - ein Zeitgenosse beschreibt ihn als den "unfähigsten Soldaten, den man unter Offizieren seines Ranges finden kann". Elphinstone, krank und träge, behält das bequeme aber viel zu große und von Höhenzügen umgebene Truppenlager vor der Stadt bei, lässt sogar widerspruchslos eine Mannschaftsreduzierung aus Kostengründen zu. Da kommen Nachrichten aus dem Umland, die bedenklich stimmen sollten: Eine Ablösungsbrigade wird auf dem Weg von Peschawar nach Kabul schwer dezimiert. Überall attackieren Freischärler britische Außenposten.
Der Aufstand beginnt
Am 2. November 1841 beginnt der Aufstand in Kabul. Schah Schujas Hilfstruppen gehen im Straßengewirr unter, die Menschenmenge ermordet britische Offiziere und Beamte. Elphinstone unternimmt nichts - willigt aber schließlich in Verhandlungen ein, ausgerechnet mit Akbar Khan, dem Sohn des gestürzten Emirs Dost Mohammed...
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Infobox
The Great Game
- so heißt der Interessenkonflikt im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zwischen Großbritannien und dem zaristischen Russland um die Vorherrschaft in Zentralasien. "Angreifer" im weitesten Sinn war dabei Russland, dessen machtpolitische Ambitionen auf eine Südexpansion zielten, mit der Absicht, Positionen am Indischen Ozean zu gewinnen.
Russische Generäle und Politiker, die sich häufig bereits im Zuge der Eroberung islamischer Territorien wie Turkestan oder Kasachstan bewährt hatten, nahmen Einfluss auch auf die afghanische Politik. Großbritannien konnte derartige Interventionen nicht hinnehmen, da es insbesondere um die Sicherheit seiner Stellung in Indien besorgt war.
Zu einer Lösung des bis in die napoleonische Epoche zurückreichenden Gegensatzes kam es praktisch erst mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 - als Großbritannien und Russland gemeinsam in einer Koalition gegen Deutschland und Österreich standen.
Manche Historiker betrachten den sowjetischen Feldzug in Afghanistan von 1979 bis 1989 als eine Fortsetzung des Great Game unter anderen geopolitischen Voraussetzungen: Die einstige Funktion Großbritanniens hatten nun die USA übernommen, die ihrerseits afghanische Interessengruppen im Kampf gegen Russlands "Südexpansion" unterstützten.
Das Wort Great Game wurde vor allem durch den Schlusssatz in Rudyard Kiplings Roman Kim bekannt: "Now I shall go far and far into the North, playing the Great Game ..."
- so heißt der Interessenkonflikt im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert zwischen Großbritannien und dem zaristischen Russland um die Vorherrschaft in Zentralasien. "Angreifer" im weitesten Sinn war dabei Russland, dessen machtpolitische Ambitionen auf eine Südexpansion zielten, mit der Absicht, Positionen am Indischen Ozean zu gewinnen.
Russische Generäle und Politiker, die sich häufig bereits im Zuge der Eroberung islamischer Territorien wie Turkestan oder Kasachstan bewährt hatten, nahmen Einfluss auch auf die afghanische Politik. Großbritannien konnte derartige Interventionen nicht hinnehmen, da es insbesondere um die Sicherheit seiner Stellung in Indien besorgt war.
Zu einer Lösung des bis in die napoleonische Epoche zurückreichenden Gegensatzes kam es praktisch erst mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914 - als Großbritannien und Russland gemeinsam in einer Koalition gegen Deutschland und Österreich standen.
Manche Historiker betrachten den sowjetischen Feldzug in Afghanistan von 1979 bis 1989 als eine Fortsetzung des Great Game unter anderen geopolitischen Voraussetzungen: Die einstige Funktion Großbritanniens hatten nun die USA übernommen, die ihrerseits afghanische Interessengruppen im Kampf gegen Russlands "Südexpansion" unterstützten.
Das Wort Great Game wurde vor allem durch den Schlusssatz in Rudyard Kiplings Roman Kim bekannt: "Now I shall go far and far into the North, playing the Great Game ..."



