Gen Süden
Den Anfang der weißen Besiedlung Australiens machten die Engländer: Sie gründeten dort 1788 eine Strafkolonie. Den Gefangenen folgten freie Siedler, in der Hoffnung auf ein neues, besseres Leben.Australiens Metropolen, wie hier Sydney, ziehen nicht nur Urlauber an. Immer mehr Menschen wollen dauerhaft bleiben.
Ärzte und Handwerker gesucht
Australiens Wirtschaft verzeichnet seit 1992 ein jährliches Wachstum von zwei bis vier Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit bei rund fünf Prozent, einzelnen Branchen droht gar ein Mangel an Personal.
Die australische Regierung versucht deshalb seit einigen Jahren, qualifizierte Arbeitskräfte aus aller Welt anzuwerben. Gesucht werden vor allem Ärzte, Ingenieure, Betriebswirte, Krankenschwestern und Handwerker. Allein zwischen 2006 und 2009 erhöhte sich Australiens Einwohnerzahl pro Jahr um knapp fünfhunderttausend.
Unfreiwillige Siedler
Auswanderer machten Australien zu dem modernen und reichen Land, das es heute ist. Diese Entwicklung war so allerdings kaum abzusehen, als die ersten Europäer - zunächst unfreiwillig - hier sesshaft wurden: Nach dem Verlust seiner amerikanischen Kolonien 1783 suchte Großbritannien nach neuen Möglichkeiten, Sträflinge in weit entfernte Gebiete abzuschieben. Als ideal erwies sich der 1770 von James Cook entdeckte und für die englische Krone in Besitz genommene Kontinent am anderen Ende der Welt.
Kapitän James Cook (1728-1779) erhielt im Jahr 1768 den Auftrag, das Geheimnis derTerra Australis Incognita aufzuklären.
Expeditionen quer durchs Land
Recht bald nach der Landung der Ersten Flotte begann auch die Erforschung des Landesinneren Australiens. Nicht einmal ein Jahrhundert dauerte es, bis den Europäern der gesamte Kontinent bekannt war.
Mutige Männer, wie beispielsweise der Deutsche Ludwig Leichhardt (1813 bis 1848), starteten Expeditionen quer durchs Land und füllten nach und nach die weißen Flecken auf der Landkarte. Dabei stellte sich heraus, dass ein Großteil Australiens zur Besiedlung nicht gut geeignet ist: in der Mitte und im Westen wüstenähnliche Gebiete, im Nordosten tropische Wälder.
Allein der fruchtbare Boden im Süden gab den nun auch nach Australien strömenden freien Siedlern die Möglichkeit, Land zu kultivieren. Dennoch, die unwirtlichen Bedingungen konnten die weiße Inbesitznahme Australiens nicht aufhalten - was speziell die australischen Ureinwohner zu spüren bekamen.
Der beginnende Zustrom an Siedlern und kapitalkräftigen Investoren, angezogen von den wirtschaftlichen Möglichkeiten des Landes, führte Mitte des 19. Jahrhunderts dazu, dass Großbritannien sich von der Idee einer Strafkolonie löste und 1868 die Deportationen endgültig einstellte. Stattdessen propagierte die britische Regierung die freie Siedlerschaft, rief Programme ins Leben, die Emigranten die Überfahrt finanzierten. Von 1837 bis 1850 kamen rund 86.000 Neusiedler nach Australien.
Risikovolle Entscheidung
Auch deutsche Auswanderer machten von der assisted migration Gebrauch. 1838, als eine Gruppe Altlutheraner aus dem brandenburgischen Klemzig die südaustralische Küste erreichte, beginnt die Geschichte deutscher Siedler in Australien. Auswandern war aber eine risikovolle Entscheidung - nicht viele sahen in dem weit entfernten, noch wenig erschlossenen Land die Chance auf ein besseres Leben.
So zog es im 19. Jahrhundert nur 1,3 Prozent der deutschen Auswanderer nach down under (89 Prozent entschieden sich für Nordamerika), was hauptsächlich an der extremen Entfernung und der damit verbundenen langen, gefährlichen Überfahrt lag. Zudem gab es für die Neuankömmlinge kaum Kontakte zu bereits ausgewanderten Verwandten oder Bekannten. Deutsche machten deshalb nur einen geringen Teil der Siedler aus - bis zum Ersten Weltkrieg immigrierten insgesamt etwa siebzig- bis achtzigtausend in die australischen Kolonien.
Goldrausch
Großen Einfluss auf die Bevölkerungsentwicklung Australiens hatte die Entdeckung von Goldvorkommen 1851 in den Kolonien New South Wales und Victoria im Süden des Landes. Der gold rush löste eine immense Einwanderungswelle aus: Bis 1860 strömten mindestens 600.000 Auswanderer in der Aussicht auf schnellen Reichtum ins Land, die Gesamtbevölkerung wuchs auf über eine Million. Die Ausbeutung der Goldvorkommen und die Entdeckung anderer Bodenschätze führten schließlich zum Bau eines landesweiten Eisenbahnnetzes und zur Entstehung erster Industrien. Australiens nächster Schritt auf dem Weg zum modernen Staat war getan.
Der als Ayers Rock bekannte Monolith trägt heute offiziell den Namen, den ihm einst die Aborigines gaben: Uluru - Sitz des Ahnen.
Weltoffenes Australien
Rund 92 Prozent der Bevölkerung sind Weiße, mit europäischen, meist britischen Vorfahren. Ein Grund dafür ist die von 1901 bis 1973 angewendete White Australia Policy, eine Einwanderungspolitik, die es speziell Asiaten unmöglich machte, nach Australien auszuwandern. In den letzten Jahrzehnten jedoch präsentierte sich Australien umso weltoffener, was nicht zuletzt die Olympischen Spiele 2000 in Sydney deutlich machten. Das Land down under will weiter wachsen - auch mit Hilfe neuer Immigranten, egal von wo auf der Welt. Zeit also, die Koffer zu packen?
Ulrike Wolf/Kathleen Postel (aktualisiert 18.01.2012)
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Infobox
Sie waren die Verlierer...
beim Zusammenprall der Kulturen: die Aborigines. Mit dem Eindringen der Weißen fand das traditionelle Leben der australischen Ureinwohner ein jähes Ende. Was über mehr als 40.000 Jahre gewachsen war, wurde in nur zweihundert Jahren zerstört: Bei Ankunft der Europäer lebten die Aborigines als Jäger und Sammler nomadisch, in einer Vielzahl von Stämmen mit unterschiedlichen Sprachen.
Die meisten der rund zweihundert Aborigine-Sprachen sind jedoch nach der weißen Besiedlung mitsamt ihren Sprechern verschwunden: 1836 wurden den Aborigines von der britischen Kolonialverwaltung sämtliche Landrechte aberkannt. Durch die Vertreibung aus ihren Territorien verloren sie nicht nur die Lebensgrundlagen, sondern auch ihren sozialen Zusammenhalt. Sie wurden von den weißen Siedlern teilweise sogar gejagt, vergiftet und erschossen.
Eingeschleppte Krankheiten und Seuchen dezimierten die Ureinwohner Australiens zusätzlich. Die Maßnahmen zur Ausrottung waren so radikal, dass bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Gesamtzahl der Aborigines von etwa 300.000 auf rund 50.000 reduziert wurde. Den Überlebenden des Kolonisierungsprozesses wurden Rückzugsgebiete, die für die Siedler nicht nutzbar schienen, zugewiesen und noch bestehende Gruppen dorthin zwangsumgesiedelt.
Erst in den 1960er Jahren erhielten die Aborigines Bürgerrechte, seit 1976 werden ihnen sogar wichtige Stammesterritorien zurückgegeben. Lebensbedingungen und soziale Stellung der Ureinwohner haben sich bis heute jedoch nur wenig gebessert.
beim Zusammenprall der Kulturen: die Aborigines. Mit dem Eindringen der Weißen fand das traditionelle Leben der australischen Ureinwohner ein jähes Ende. Was über mehr als 40.000 Jahre gewachsen war, wurde in nur zweihundert Jahren zerstört: Bei Ankunft der Europäer lebten die Aborigines als Jäger und Sammler nomadisch, in einer Vielzahl von Stämmen mit unterschiedlichen Sprachen.
Die meisten der rund zweihundert Aborigine-Sprachen sind jedoch nach der weißen Besiedlung mitsamt ihren Sprechern verschwunden: 1836 wurden den Aborigines von der britischen Kolonialverwaltung sämtliche Landrechte aberkannt. Durch die Vertreibung aus ihren Territorien verloren sie nicht nur die Lebensgrundlagen, sondern auch ihren sozialen Zusammenhalt. Sie wurden von den weißen Siedlern teilweise sogar gejagt, vergiftet und erschossen.
Eingeschleppte Krankheiten und Seuchen dezimierten die Ureinwohner Australiens zusätzlich. Die Maßnahmen zur Ausrottung waren so radikal, dass bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Gesamtzahl der Aborigines von etwa 300.000 auf rund 50.000 reduziert wurde. Den Überlebenden des Kolonisierungsprozesses wurden Rückzugsgebiete, die für die Siedler nicht nutzbar schienen, zugewiesen und noch bestehende Gruppen dorthin zwangsumgesiedelt.
Erst in den 1960er Jahren erhielten die Aborigines Bürgerrechte, seit 1976 werden ihnen sogar wichtige Stammesterritorien zurückgegeben. Lebensbedingungen und soziale Stellung der Ureinwohner haben sich bis heute jedoch nur wenig gebessert.
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Zurück bis in..
die Antike reicht der Mythos vom sagenumwobenen Südland, der Terra Australis Incognita. Es wurde vermutet, dass es ganz im Süden eine riesige Landmasse gibt, die die Erde im Gleichgewicht hält. Mit Beginn des Zeitalters der Entdeckungen begaben sich Europäer verschiedener Nationen auf die Suche nach dem Superkontinent.
1606 strandete der Holländer Willem Jansz an der Nordspitze des heutigen Queensland. Weitere Holländer erreichten zwischen 1616 und 1640 Australien. Im Jahr 1642 entschloss sich die Niederländische Ostindien-Kompanie, den Kontinent durch eine geplante Expedition zu erforschen. Abel Tasman entdeckte dabei das heutige Tasmanien.
Eine Expedition, die im Jahre 1696 unter Willem de Vlamingh begann, kartografierte Teile der Westküste Australiens; an einer Kolonisierung hatten die Holländer aber kein Interesse. Im April 1770 erreichte James Cook die Ostküste Australiens und nahm das Land als New South Wales für die britische Krone in Besitz.
die Antike reicht der Mythos vom sagenumwobenen Südland, der Terra Australis Incognita. Es wurde vermutet, dass es ganz im Süden eine riesige Landmasse gibt, die die Erde im Gleichgewicht hält. Mit Beginn des Zeitalters der Entdeckungen begaben sich Europäer verschiedener Nationen auf die Suche nach dem Superkontinent.
1606 strandete der Holländer Willem Jansz an der Nordspitze des heutigen Queensland. Weitere Holländer erreichten zwischen 1616 und 1640 Australien. Im Jahr 1642 entschloss sich die Niederländische Ostindien-Kompanie, den Kontinent durch eine geplante Expedition zu erforschen. Abel Tasman entdeckte dabei das heutige Tasmanien.
Eine Expedition, die im Jahre 1696 unter Willem de Vlamingh begann, kartografierte Teile der Westküste Australiens; an einer Kolonisierung hatten die Holländer aber kein Interesse. Im April 1770 erreichte James Cook die Ostküste Australiens und nahm das Land als New South Wales für die britische Krone in Besitz.
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Etwas mehr als...
zwei Jahrhunderte der Besiedlung gaben Australien ein neues Gesicht. Heute dominieren riesige Weideflächen weite Teile der Landschaft. Aber rund 130 Millionen Schafe und etwa 25 Millionen Rinder sind für die Umwelt eine enorme Belastung.
Auch die Einfuhr anderer fremder Tierarten brachte Australiens Flora und Fauna aus dem ökologischen Gleichgewicht: Im 19. Jahrhundert gelangten zwei Dutzend Kaninchen als Fell- und Fleischlieferanten ins Land, die sich in den nächsten hundert Jahren auf etwa 300 Millionen Exemplare vermehrten und sich über den gesamten Kontinent ausbreiteten. Die Kaninchen fraßen nicht nur den Farmern das Getreide und dem Vieh das Futter weg, sondern störten auch die sensible heimische Tierwelt.
Ebenso eine ernsthafte Bedrohung sind Füchse und ausgewilderte Katzen: Als Fleischfresser ohne natürliche Feinde sorgten sie dafür, dass etwa ein Viertel aller australischen Säugetierarten ausgestorben ist.
zwei Jahrhunderte der Besiedlung gaben Australien ein neues Gesicht. Heute dominieren riesige Weideflächen weite Teile der Landschaft. Aber rund 130 Millionen Schafe und etwa 25 Millionen Rinder sind für die Umwelt eine enorme Belastung.
Auch die Einfuhr anderer fremder Tierarten brachte Australiens Flora und Fauna aus dem ökologischen Gleichgewicht: Im 19. Jahrhundert gelangten zwei Dutzend Kaninchen als Fell- und Fleischlieferanten ins Land, die sich in den nächsten hundert Jahren auf etwa 300 Millionen Exemplare vermehrten und sich über den gesamten Kontinent ausbreiteten. Die Kaninchen fraßen nicht nur den Farmern das Getreide und dem Vieh das Futter weg, sondern störten auch die sensible heimische Tierwelt.
Ebenso eine ernsthafte Bedrohung sind Füchse und ausgewilderte Katzen: Als Fleischfresser ohne natürliche Feinde sorgten sie dafür, dass etwa ein Viertel aller australischen Säugetierarten ausgestorben ist.



