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Baltikum

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Steckbrief Litauen
Der südlichste Staat des Baltikums ist Litauen, in der Landessprache Lietuva genannt. Litauen ist das größte baltische Land, mit einer Fläche von rund 65.300 Quadratkilometern, und das bevölkerungsreichste: 3,6 Millionen Menschen leben dort, allein etwa 543.000 in Litauens Hauptstadt Vilnius. Über 80 Prozent der Einwohner Litauens sind Litauer; Russen und Polen stellen rund acht und sechs Prozent der Bewohner.

Geografisch liegt Litauen im Mittelpunkt Europas und bildet einen Korridor zwischen Skandinavien, Russland, Polen und Westeuropa. Die Nationalhymne Litauen, unser Vaterland veröffentlichte der Journalist Vincas Kudirka (1858 bis 1899) in der von ihm herausgegebenen nationalen Zeitung Varpas im Jahr 1898, während der Zeit des "ersten nationalen Erwachens".

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Steckbrief Lettland
Lettland, auf Lettisch Latvija, liegt in der Mitte der drei baltischen Staaten. Seine Fläche beträgt 64.590 Quadratkilometer. Von den etwas mehr als 2,2 Millionen Einwohnern leben rund 745.000 in der Hauptstadt Riga. Nur etwa 57 Prozent der Bürger Lettlands sind allerdings Letten, fast 30 Prozent der Bevölkerung sind Russen.

Die lettische Nationalhymne Gott, segne Lettland schrieb und komponierte Kārlis Baumanis um 1870, im Zuge des "ersten nationalen Erwachens". Er verwendete als erster das Wort Latvija (Lettland). Der Verein der Letten zu Riga widmete sich der Suche nach einem nationalen Volksepos: Andrejs Pumpurs (1841 bis 1902) verfasste 1888 das Epos Bärentöter. Es verherrlicht die nationale Vergangenheit und beschreibt die moralische Überlegenheit der Letten gegenüber ihren Unterdrückern mit der Hoffnung auf Befreiung.

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Steckbrief Estland
Der kleinste Staat des Baltikums, mit einer Fläche von nur 45.226 Quadratkilometern, ist Estland, im Estnischen Eesti genannt. Estnisch ist die einzige Sprache des baltischen Raumes, die nicht indo-europäischen Ursprungs sondern mit dem Finnischen verwandt ist. Zu Estland gehören rund 1.521 Inseln und 1.240 Kilometer Ostseeküste. Die Hauptstadt Tallinn hat rund 400.000 Einwohner. 67 Prozent der etwa 1,3 Millionen Bürger Estlands sind Esten, ein Viertel sind Russen.

Die Dichterin Lydia Koidula (eigentlich Lydia Emilie Florentine Janssen, 1843 bis 1886) vollzog mit dem Gedicht Mein Vaterland ist meine Liebe einen großen Schritt hin zur Bildung nationalen estnischen Bewusstseins: 1869 vertonte der Komponist Alexander Kunileid (1845 bis 1875) dieses Gedicht für das erste estnische Sängerfest in Dorpat (heute Tartu).

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Gesungene Gedichte
Dainas, kurze - meist vierzeilige - Gedichte aus Lettland, bilden, neben den längeren litauischen Dainos und den uralten estnischen Runo-Gesängen, die Grundlage für die Entwicklung baltischer Volkslieder. Die Dainas haben drei Hauptthemen: das Dasein des Menschen im allgemeinen - Leben, Geburt und Sterben; traditionelle Feste im Jahreslauf; und alles Kosmisch-Mythologische - Götter, Teufel und die Elemente.

Mit dem "ersten nationalen Erwachen" begann auch die Sammlung der mündlich überlieferten Dainas. Zwischen 1894 und 1915 veröffentlichte der Dichter Krišjānis Barons (1835 bis 1923) die Latvju Dainas: sechs Bände mit insgesamt 217.996 Volksliedern. 1925 nahm das Archiv für lettische Folklore seine Arbeit auf; dessen erste Leiterin, Anna Bērzkalne, führte Barons Werk fort. In den ersten zwei Jahren des Sammelns kamen 219.000 Dainas zusammen, in den folgenden 18 Jahren noch weitere 556.350.

Auch die sowjetischen Besatzer unterstützten die Sammlung der lettischen Volkslieder, wohl um zu demonstrieren, dass die kulturelle Identität der einzelnen Sowjetvölker nicht ausgelöscht werde. Heute sind rund 1,2 Millionen Dainas und etwa 30.000 Melodien bekannt.