Prekäre Situation: das Gesundheitswesen genießt einen schlechten Ruf. Im Urwald- Krankenhaus von Coroata versuchen deutsche Ordensschwestern zu helfen.
Bandenkriege, Drogen, Kriminalität
So weit, so gut. Doch längst nicht alle Brasilianer profitieren vom Fortschritt. Während der Süden des Landes über moderne Wirtschaftstrukturen verfügt, verharrt der Norden eher auf "afrikanischem Niveau". Immer mehr Menschen zieht es daher in Metropolen wie São Paulo und Rio de Janeiro, die der Überbevölkerung kaum noch Herr werden. Nur zu bekannt sind die Bilder riesiger Favelas, in denen Bandenkriege, Drogen und Kriminalität den Alltag bestimmen. Nicht von ungefähr hat Brasilien die höchste Mordrate der Welt.
Marodes Gesundheitswesen
Als desolat gilt auch das öffentliche Gesundheitswesen, besonders im unterentwickelten Norden. Fast täglich berichten die Medien von Chaos und Schlamperei in Krankenhäusern. Die Kindersterblichkeit ist höher als bei den wesentlich ärmeren Nachbarn Kolumbien und El Salvador. Lepra ist weit verbreitet: bis zu 98 Prozent aller Krankheitsfälle auf dem gesamten Territorium Süd- und Nordamerikas entfallen auf Brasilien. Es ist somit das Land mit der weltweit höchsten Lepradichte - noch vor Indien.
Unvollendete Reformen
Die soziale Bilanz von Lulas Präsidentschaft hinkt der wirtschaftlichen hinterher. Fast alle im Wahljahr 2002 angekündigten Reformen blieben unvollendet: Weder gibt es ausreichend Arbeitsplätze noch hat das Bildungswesen nennenswerte Fortschritte gemacht. Auch steht eine wohlhabende Minderheit nach wie vor einer größtenteils am Rande des Existenzminimums lebenden Bevölkerungsmehrheit gegenüber. Landwirtschaftlich nutzbare Böden sind ähnlich ungerecht verteilt, wurde die von Lula versprochene Agrarreform doch bis heute nicht realisiert.
Armut: ein Großteil der Bevölkerung lebt am Rand des Existenzminimums.
Dass der Hoffnungsträger über seine Wahlversprechen stolpert, mit denen er vor acht Jahren die Stimmen der Brasilianer gewonnen hat, liegt nicht zuletzt an Misswirtschaft und Korruption. Brasilien war und ist eben kein Rechtsstaat: Klientelistische Netzwerke und persönliche Beziehungen bestimmen die Politik, weniger Gesetze - das beschränkt Lulas Handlungsspielraum dramatisch.
Aufgabe für die Zukunft
2010 endet die laufende Amtszeit des heute 64-Jährigen. Sein Versprechen aus dem Wahlkampf 2002, am Ende seiner Präsidentschaft werde jeder Brasilianer drei Mahlzeiten pro Tag haben, ist bis dahin kaum mehr realisierbar. Auch wenn Brasilien mittlerweile die Wirtschaftslokomotive Lateinamerikas ist, steht die notwendige Integration eines Großteils der Bevölkerung noch aus. Langfristig wird der Erfolg Brasiliens - innenpolitisch wie auch außenpolitisch - davon abhängen, wie die Elite die sozialen Fragen löst.
Yvonne Schmidt (21.01.2009/akt. 11.02.2010)
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Diktatur und Demokratie
Als der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral im Jahr 1500 Brasilien für die portugiesische Krone in Besitz nahm, begann die europäische Geschichte des Landes. Etwa drei Jahrhunderte später wurde das zur Hauptstadt ernannte Rio de Janeiro Zentrum des damaligen portugiesischen Weltreichs, nachdem der König vor den Franzosen aus Portugal fliehen musste.
1822 erklärte sein Sohn Pedro I. die Unabhängigkeit Brasiliens. Als dessen Sohn Pedro II., der noch vor seiner Volljährigkeit zum Kaiser gekrönt wurde, 1888 die Sklaverei abschaffte, putschte das Militär, worauf der Kaiser ins Exil floh und den Weg frei machte für die erste Republik. Anschließend an eine Phase der "wohlwollenden Diktatur" kehrte das Land nach dem Zweiten Weltkrieg zur Demokratie zurück.
Doch schon 1964 putschte das Militär erneut. Trotz Säuberungsaktionen und Zensur bedeutete die Militärdiktatur eine Zeit des Wirtschaftsbooms. Freie Wahlen wurden erst Mitte der 1980er Jahre zugelassen. Als großes Problem für die Demokratie erwies sich die Inflation. Außerdem sorgten Bestechlichkeit, Veruntreuung und Korruption in Politikerkreisen immer wieder für Schlagzeilen.
Die eher instabile wirtschaftliche Lage änderte sich erst unter dem 2002 gewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Problematisch sind nach wie vor zu schwache Parteien und Korruption, was die öffentliche Verwaltung in ihrem Handlungsspielraum einschränkt und das Vertrauen in die Politik schwächt.
Als der portugiesische Seefahrer Pedro Alvares Cabral im Jahr 1500 Brasilien für die portugiesische Krone in Besitz nahm, begann die europäische Geschichte des Landes. Etwa drei Jahrhunderte später wurde das zur Hauptstadt ernannte Rio de Janeiro Zentrum des damaligen portugiesischen Weltreichs, nachdem der König vor den Franzosen aus Portugal fliehen musste.
1822 erklärte sein Sohn Pedro I. die Unabhängigkeit Brasiliens. Als dessen Sohn Pedro II., der noch vor seiner Volljährigkeit zum Kaiser gekrönt wurde, 1888 die Sklaverei abschaffte, putschte das Militär, worauf der Kaiser ins Exil floh und den Weg frei machte für die erste Republik. Anschließend an eine Phase der "wohlwollenden Diktatur" kehrte das Land nach dem Zweiten Weltkrieg zur Demokratie zurück.
Doch schon 1964 putschte das Militär erneut. Trotz Säuberungsaktionen und Zensur bedeutete die Militärdiktatur eine Zeit des Wirtschaftsbooms. Freie Wahlen wurden erst Mitte der 1980er Jahre zugelassen. Als großes Problem für die Demokratie erwies sich die Inflation. Außerdem sorgten Bestechlichkeit, Veruntreuung und Korruption in Politikerkreisen immer wieder für Schlagzeilen.
Die eher instabile wirtschaftliche Lage änderte sich erst unter dem 2002 gewählten Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva. Problematisch sind nach wie vor zu schwache Parteien und Korruption, was die öffentliche Verwaltung in ihrem Handlungsspielraum einschränkt und das Vertrauen in die Politik schwächt.



