Das hässliche Entlein
Hans Christian Andersens Märchen sind weltberühmt. Als ein Märchen betrachtete der Dichter sogar sein eigenes Leben. Ist er da ehrlich zu sich selbst und zu seinen Lesern?Hans Christian Andersen (1805 bis 1875) hat 156 Texte veröffentlicht - nicht bloß Märchen. (Porträt von Christian Albrecht Jensen, 1836)
In den besten Kreisen
Als das Buch 1855 erscheint, ist Andersen auf der Höhe seines Ruhms. Der Verfasser wissenschaftlicher Artikel, von Romanen, Reiseberichten und Märchen, hat sich über die dänischen Grenzen hinaus einen Namen gemacht. Er verkehrt in den besten Kreisen des Landes, die schöngeistige und wissenschaftliche Elite Dänemarks nimmt ihn wohlwollend auf.
Demütigende Kindheit
Doch lassen ihn die Dämonen der Vergangenheit nicht los: die Kindheit in bitterster Armut, am untersten Rand der Gesellschaft, der frühe Tod des Vaters, das Ausgelachtwerden aufgrund seiner femininen Erscheinung. Mit der Flucht aus der Geburtsstadt Odense will Andersen all die Demütigungen hinter sich lassen, in Kopenhagen ein neues, freies Leben beginnen. Aus seinem Traum, als Schauspieler und Sänger berühmt zu werden, wird zwar nichts, doch findet er am Theater Förderer, die ihm eine höhere Schulbildung und ein Stipendium für ein Universitätsstudium ermöglichen. Zeit seines Lebens werden diverse Gönner ihre schützende Hand über ihn halten.
Kindliche Eitelkeit und naives Gemüt
Das Gefühl aber, nur durch das Wohlwollen anderer empor gekommen zu sein, verstärkt Andersens Unsicherheit. So lebt in ihm, trotz des Erfolgs als Schriftsteller, weiter das arme, gedemütigte Kind. Andersens Selbstbewusstsein resultiert einzig und allein aus Lob und Anerkennung anderer, seine Arbeit ist geprägt durch einen beinahe krankhaften Ehrgeiz nach Ruhm. Einige seiner Zeitgenossen bescheinigen ihm kindliche Eitelkeit und ein ziemlich naives Gemüt: Der Dichter freue sich über jene Menschen, die ihm positiv gesinnt sind, fühle sich bei Kritik jedoch persönlich angegriffen.
Zeitlebens bleibt Hans Christian Andersen ein Einzelgänger. (Fotografie von 1869)
Auf die Entwicklung des dänischen Geisteslebens seiner Zeit hat Andersen, trotz seines Weltruhms und der zahlreichen Besuche in den Salons der besseren Gesellschaft, kaum Einfluss. Selten nimmt er Stellung zu Fragen der Politik oder beteiligt sich an kulturellen und philosophischen Debatten. Nicht, dass es ihm an Kompetenz oder Engagement mangelt - er ist einfach keine streitbare Natur, geht Auseinandersetzungen lieber aus dem Weg.
Ungeachtet der Anerkennung in der dänischen Gesellschaft und im Ausland bleibt Andersen ein Einzelgänger - ein unruhiger, suchender Geist. Vielleicht resultieren daraus die vielen Reisen durch ganz Europa. Sein unbändiger Drang nach neuen Erkenntnissen und Erlebnissen steht dabei im krassen Widerspruch zu seiner ängstlichen Natur. Doch im Ausland fühlt er sich frei, hier fand er auch schon früh den Zuspruch, der ihm anfangs in der Heimat noch verwehrt blieb.
Re-Import
So werden seine ersten Märchen auch nicht in Dänemark, sondern in Deutschland veröffentlicht. Die Erfolge im Ausland machen schnell das dänische Publikum auf ihn aufmerksam - um die Gunst der Kritiker muss er jedoch lange kämpfen. Die oberflächliche Naivität seiner Märchen bietet reichlich Anlass für boshafte Angriffe. Mit der Zeit aber macht sich Andersen eben jene Naivität zunutze, um seine Widersacher angreifen zu können. Wer kennt es nicht, das Märchen vom, im wahrsten Sinne des Wortes, bloß gestellten Kaiser?
Ängste, Träume, Sehnsüchte
In seinen Geschichten kann Andersen das ausdrücken, was ihm im alltäglichen Leben nicht möglich ist - seine Ängste, Träume und Sehnsüchte. So schickt er ein hässliches kleines Entlein hinaus in die Welt, um ein schöner, stolzer Schwan zu werden. Selbst seine eigene Geschichte überhöht er zum Märchen, wo ein armer kleiner Junge auszieht und - natürlich - dem Glück begegnet. Doch obwohl Andersen bis zum Lebensende Erfolg und Anerkennung fand - zum stolzen Schwan wurde er nie.
Ulrike Wolf (13.05.2004)
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Berühmte Dänen
Søren Kierkegaard (1813 bis 1855) war Philosoph und begründete als religiöser Denker den Existentialismus.
Martin Andersen Nexø (1869 bis 1954) beschrieb in seinen Romanen das Leben von Arbeitern und Bauern am Beginn des letzten Jahrhunderts. Sein bekanntestes Werk Pelle, der Eroberer wurde 1987 von seinem Landsmann Bille August (geb. 1948) verfilmt - und in Hollywood sogar oscarprämiert.
Niels Bohr (1885 bis 1962) erhielt im Jahr 1922 den Nobelpreis für Physik. Das heute überholte Bohrsche Atommodell trug entscheidend zur Entwicklung der Quantenmechanik bei.
Asta Nielsen (1881 bis 1972) war der erste weibliche Stummfilmstar. Trotz angenehmer Stimme scheiterte sie am Tonfilm.
Ove Sprogøe (1919 bis 2004), Morten Grunwald (geb. 1934), Poul Bundgaard (1922 bis 1998) - besser bekannt als Egon, Bennie und Kjeld von der Olsenbande.
Jørn Utzon (geb. 1918), Architekt, entwarf das außergewöhnliche Sydney Opera House.
Lars von Trier (geb. 1956) war beteiligt an der Gründung von Dogma 95 und ist heute der wohl erfolgreichste dänische Regisseur.
Martin Andersen Nexø (1869 bis 1954) beschrieb in seinen Romanen das Leben von Arbeitern und Bauern am Beginn des letzten Jahrhunderts. Sein bekanntestes Werk Pelle, der Eroberer wurde 1987 von seinem Landsmann Bille August (geb. 1948) verfilmt - und in Hollywood sogar oscarprämiert.
Niels Bohr (1885 bis 1962) erhielt im Jahr 1922 den Nobelpreis für Physik. Das heute überholte Bohrsche Atommodell trug entscheidend zur Entwicklung der Quantenmechanik bei.
Asta Nielsen (1881 bis 1972) war der erste weibliche Stummfilmstar. Trotz angenehmer Stimme scheiterte sie am Tonfilm.
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Jørn Utzon (geb. 1918), Architekt, entwarf das außergewöhnliche Sydney Opera House.
Lars von Trier (geb. 1956) war beteiligt an der Gründung von Dogma 95 und ist heute der wohl erfolgreichste dänische Regisseur.



