Gespannte Sympathie
So gut wie heute waren die Beziehungen Dänemarks zum Nachbarn im Süden nicht immer. Zum Beispiel stritt man einst um die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Und manches wirkt unterschwellig weiter.Lediglich 67 Kilometer lang ist die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland.
Angenehmer Menschentyp
Nicht, dass es an den Genen des Dänen läge, aber wir wissen ja: Die vielen Jahrzehnte des Wohlfahrtsstaats haben einen ungemein angenehmen Menschentyp hervorgebracht, frei von Neid, von Konkurrenzgebaren und Aggressivität. Kurz: Der Däne ist der Gemütsmensch, der wir gern wären, weil wir uns dann, auch unter uns, endlich wohlfühlen würden.
"Komplizierte Nachbarschaft"
Nun, mit dem alten Wohlfahrtsstaat ist es so ziemlich vorbei, die Schulden des Staates wachsen, das humane Gleichheitsideal der dänischen Sozialdemokratie sinkt im Kurs. Unsere schönen Projektionen sind nicht mehr ganz zeitgemäß. Wir verstehen das gut, und der Däne wird sich - leider - ändern müssen. Was wir viel schwerer begreifen: Manche Dänen reagieren auf unsere vorbehaltlose Sympathie merklich angespannt. Gar von "komplizierter Nachbarschaft" sprach ein dänischer Historiker vor kurzem, "Vereinnahmung", nicht nur durch deutsche Touristen und Eigenheimbauer, scheint ein verbreitetes Schlagwort zu sein.
Interessantes 18. Jahrhundert
Die Ursachen solch unterschwelligen Ressentiments liegen tief, so tief, dass nur der Rückgriff in die Geschichte des deutsch-dänischen Verhältnisses etwas Licht in die Sache bringen kann. Bei den Wikingern (Rauben, Morden, Brandschatzen, Saufen) müssen wir Gott sei Dank nicht beginnen, aber ein Blick ins 18. Jahrhundert lohnt schon. Es war diese Epoche, in der die großen Staaten Europas ihre Identität zementierten.
Schwacher König, gängelnder Leibarzt
Im kleinen Dänemark gestaltete sich der Prozess recht verwickelt. Deutsche Adlige dominierten damals in den hohen Rängen der Administration. Gegängelt von seinem Hallenser Leibarzt Johann Friedrich Struensee, verkörperte etwa Dänemarks König Christian VII. (1766 bis 1808) kaum das Ideal starker Nationalpolitik.
Die deutschstämmigen Grafen Moltke und Bernstorff setzten vor allem Verwandte in leitende Machtpositionen ein. Dagegen regte sich Protest - als kräftige bürgerliche Strömung sozial gemeint und national artikuliert. "Hier wuchs, was später kulminieren sollte in Ablehnung des alles beherrschenden Deutschtums", schreibt der Skandinavist Jörg-Peter Findeisen. "(Von hier) winden sich erste Wurzeln zu jener bis heute nachwirkenden Distanz."
Erstürmung der Dueppeler Schanzen 1864 durch preußische Truppen - Tiefpunkt im deutsch-dänischen Verhältnis.
Ein nächster Stolperstein lag zeitlich nicht weit entfernt: der Streit um die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein. Dynastische Verwicklungen, ebenso wie Bismarcksche Politik und eskalierendes Nationalgefühl, provozierten den Konflikt. Auf den Versuch des dänischen Königs, Schleswig mit Dänemark zu vereinen und Holstein unter Kontrolle zu behalten, reagierten Preußen und Österreich mit Krieg. Dänemark war den Armeen der Großmächte nicht gewachsen und musste am 30. Oktober 1864 per Friedensvertrag auf die Herzogtümer verzichten. Ablehnung und Hass gegen die großen Nachbarn im Süden, getragen von der zahlenmäßig starken dänischen Minderheit in den verlorenen Territorien, wuchsen neuerlich an...
Seite
1
| 2
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Dänemark | ![]() |
Infobox
Das Königreich Dänemark
Dänemark misst von Nord nach Süd 368 Kilometer und von Ost nach West 452 Kilometer. Dennoch hat es keiner der rund 5,4 Millionen Einwohner des kleinen skandinavischen Landes weiter als hundert Kilometer bis zum Meer: Neben der Halbinsel Jütland, die auf einer Länge von knapp 68 Kilometern an Deutschland grenzt, besteht Dänemark aus ungefähr 480 Inseln in Nord- und Ostsee, von denen Seeland die größte ist. Obwohl flächenmäßig eher klein, verfügt Dänemark über eine erstaunliche Küstenlänge von 7.314 Kilometern.
Zum dänischen Staatsgebiet gehören zwei autonome Gebiete im Nordatlantik: die Färöer und Grönland. Diese Gebiete kamen erstmals 1380 unter dänische Herrschaft und sind heute innenpolitisch unabhängig. Ohne diese Gebiete hat Dänemark eine Fläche von knapp 43.100 Quadratkilometern. Jütland stellt fast siebzig Prozent der Gesamtfläche des Landes dar. Die Hauptstadt Dänemarks ist Kopenhagen. Hier leben etwa 1,35 Millionen Menschen. Weitere wichtige Städte sind der Seehafen Arhus, die Universitätsstadt Odense und das Verwaltungszentrum Aalborg.
Dänemark zählt zu den flachsten Ländern der Welt. Die höchste Erhebung liegt etwa 171 Meter über dem Meeresspiegel, die durchschnittliche Höhe beträgt dreißig Meter. Ihren heutigen Charakter erhielt die Landschaft während der letzten Eiszeit. Ein ausgeprägter Moränenzug verläuft vom Limfjord im Westen Jütlands Richtung Osten nach Viborg und weiter nach Süden entlang der Ostküste der Halbinsel. Er trennt die unterschiedlichen Landschaftstypen im Westen und Osten. Die Ostseite Jütlands liegt dabei etwas höher; fruchtbare Ebenen wechseln hier mit sanften Hügellandschaften ab.
In Dänemark herrscht gemäßigtes Küstenklima mit kühlen Sommern und milden, regenreichen Wintern. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr beträgt etwa 610 Millimeter, davon fallen zehn Prozent als Schnee. Die westlichen Landesteile erhalten höhere Jahresniederschläge als die im Osten gelegenen Inseln. Das ganze Jahr über herrscht eine durchschnittliche Windstärke von 7,6 Meter pro Sekunde. Das erklärt, weshalb Dänemark eines der führenden Länder bei der Energiegewinnung durch Windkraft sowie das größte Exportland von Windkraftanlagen ist.
Nur etwa zehn Prozent Dänemarks sind von Wald bedeckt, mehr als sechzig Prozent der gesamten Bodenfläche sind kultiviertes Land - der höchste Anteil in Europa. Über zwei Drittel der Böden werden agrarisch genutzt. Daneben spielt auch die Fischerei eine wichtige Rolle: Bei den gefangenen Fischen handelt es sich größtenteils um Meeresfische, wobei Hering, Lachs und Dorsch die kommerziell bedeutendsten Arten sind. Langjährige Verschmutzung der Gewässer führte jedoch bereits zu Schädigungen der Fischbestände.
Zum dänischen Staatsgebiet gehören zwei autonome Gebiete im Nordatlantik: die Färöer und Grönland. Diese Gebiete kamen erstmals 1380 unter dänische Herrschaft und sind heute innenpolitisch unabhängig. Ohne diese Gebiete hat Dänemark eine Fläche von knapp 43.100 Quadratkilometern. Jütland stellt fast siebzig Prozent der Gesamtfläche des Landes dar. Die Hauptstadt Dänemarks ist Kopenhagen. Hier leben etwa 1,35 Millionen Menschen. Weitere wichtige Städte sind der Seehafen Arhus, die Universitätsstadt Odense und das Verwaltungszentrum Aalborg.
Dänemark zählt zu den flachsten Ländern der Welt. Die höchste Erhebung liegt etwa 171 Meter über dem Meeresspiegel, die durchschnittliche Höhe beträgt dreißig Meter. Ihren heutigen Charakter erhielt die Landschaft während der letzten Eiszeit. Ein ausgeprägter Moränenzug verläuft vom Limfjord im Westen Jütlands Richtung Osten nach Viborg und weiter nach Süden entlang der Ostküste der Halbinsel. Er trennt die unterschiedlichen Landschaftstypen im Westen und Osten. Die Ostseite Jütlands liegt dabei etwas höher; fruchtbare Ebenen wechseln hier mit sanften Hügellandschaften ab.
In Dänemark herrscht gemäßigtes Küstenklima mit kühlen Sommern und milden, regenreichen Wintern. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge pro Jahr beträgt etwa 610 Millimeter, davon fallen zehn Prozent als Schnee. Die westlichen Landesteile erhalten höhere Jahresniederschläge als die im Osten gelegenen Inseln. Das ganze Jahr über herrscht eine durchschnittliche Windstärke von 7,6 Meter pro Sekunde. Das erklärt, weshalb Dänemark eines der führenden Länder bei der Energiegewinnung durch Windkraft sowie das größte Exportland von Windkraftanlagen ist.
Nur etwa zehn Prozent Dänemarks sind von Wald bedeckt, mehr als sechzig Prozent der gesamten Bodenfläche sind kultiviertes Land - der höchste Anteil in Europa. Über zwei Drittel der Böden werden agrarisch genutzt. Daneben spielt auch die Fischerei eine wichtige Rolle: Bei den gefangenen Fischen handelt es sich größtenteils um Meeresfische, wobei Hering, Lachs und Dorsch die kommerziell bedeutendsten Arten sind. Langjährige Verschmutzung der Gewässer führte jedoch bereits zu Schädigungen der Fischbestände.



