Einwanderungsland Florida: nachdem Fidel Castro auf Kuba die Regierung übernommen hatte, gingen viele Kubaner ins Exil.
Kap der großen Hoffnung
Im Juni 2005 stoppte eine Patrouille der US-Küstenwache 13 Kubaner vierzig Kilometer vor der Küste Floridas bei dem Versuch, aus dem Land von Diktator Fidel Castro zu flüchten. Doch die Einreise wurde ihnen verwehrt, da Grenzgänger, welche die Küstenwache auf dem offenen Meer aufgreift, entsprechend geltendem Recht nach Kuba zurückgeschickt werden. Ein exemplarischer Fall.Einwanderungswelle ohnegleichen
Seit Jahrzehnten schon ist Florida beliebtes Einwanderungsland, vor allem für Flüchtlinge aus Lateinamerika und der Karibik. In den 1950er und 1960er Jahren erlebte der Staat eine Einwanderungswelle ohnegleichen. Nachdem Fidel Castro 1959 die Regierungsgewalt in Kuba übernommen hatte, emigrierten Tausende, vornehmlich aus der gebildeten, weißen Mittel- und Oberschicht, in den südlichen US-Bundesstaat.
Little Havanna
Heute zählt man hier mehr als eine Millionen kubanische Exilanten. Für die meisten wurde aus dem Exil auf Zeit ein Aufenthalt auf Dauer - prominentes Beispiel ist die Familie Bacardi (siehe Kasten). Die Immigranten gründeten Unternehmen, Banken und Handelsgesellschaften. Miami avancierte so zum internationalen Geschäftszentrum und zur "zweitgrößten kubanischen Stadt", liebevoll wird ein ganzer Stadtteil Little Havanna genannt. Mit der ökonomischen Macht stieg auch der politische Einfluss der Exilkubaner.
Republikanisch statt demokratisch
Vor allem bei den letzten beiden US-Präsidentschaftswahlen spielte die spanisch sprechende, kubanischstämmige Minderheit in Florida eine wichtige Rolle. Traditionell wird Florida eher dem demokratischen Lager zugerechnet. Durch den Bevölkerungszuwachs in den 1990er Jahren veränderte sich jedoch die vorherrschende politische Meinung.
Kopf an Kopf
In der Wahlnacht 2000 - dem Duell zwischen Al Gore, demokratischer Präsidentschaftskandidat, und George W. Bush - sollte eben jener viertgrößte Bundesstaat der USA zum Schauplatz einer dramatischen Entscheidung werden. Als bis auf Florida die anderen drei großen Staaten mit den meisten Wahlmännerstimmen ausgezählt waren, lief die Arithmetik dieser langen Nacht auf eine einfache Formel hinaus: Gore lag mit 249 Stimmen knapp vor Bush mit 246 und Präsident konnte also nur werden, wer Floridas 25 Wahlmännerstimmen gewann. Amtliches Endergebnis: Bush siegte in Florida - mit einem Vorsprung von gerade einmal 537 Wählerstimmen...
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Infobox
Die Bacardis produzierten ihren berühmten Rum ursprünglich auf Kuba. Nachdem sie im Zuge der Revolution enteignet wurden und nach Florida auswanderten, soll die Familie Bacardi laut Geheimdienstinformationen im Untergrund aktiv gegen Fidel Castro vorgegangen sein. Der Clan habe die größte Organisation castrofeindlicher Exilkubaner, die Cuban-American National Foundation (CANF), bei Aktionen aktiv unterstützt. Ihr Versuch, auf Kuba wieder entscheidende politische und ökonomische Bedeutung zu erlangen, ist im Sinne der amerikanischen Politik. Das antikommunistische Lebensgefühl eint Exilkubaner und Amerikaner auch heute und verhalf dem Bacardi-Clan zu politischem Einfluss bis ins Weiße Haus. So setzte sich etwa Floridas damaliger Gouverneur Jeb Bush während des Rechtsstreites zwischen Bacardi und Pernod-Ricard beim US-Patentamt für Bacardi ein. Hintergrund: die in Kuba weiter nach dem alten Verfahren produzierende Destillerie verkauft ihren Rum unter dem Namen Havana Club, der seit 1993 von Pernod Ricard weltweit außerhalb Kubas vertrieben wird. 1996 vermarktete eine von Bacardi betriebene Tochterfirma auf den Bahamas einen Rum in den USA ebenfalls unter dem Markennamen Havana Club. Der Einsatz Bushs blieb erfolglos - Pernod Ricard gewann. Pikant ist außerdem, dass CANF-Gründer Jorge Mas Canosa, einer der einflussreichsten Exilkubaner in den USA, unter anderem jahrelang Berater in der Regierung Bush senior war.



