Mit voller Wucht
Der 23. August 1992 scheint ein Tag wie jeder andere in Florida zu sein. Doch die Wetterprognosen verheißen nichts Gutes. Ein gewaltiger Hurrikan hat sich über dem Atlantik zusammengebraut und nimmt Kurs in Richtung USA. Am frühen Morgen des 24. August trifft der Sturm mit voller Wucht auf die Küste: Windgeschwindigkeiten bis zu 280 Stundenkilometer entwurzeln Bäume, knicken Strommasten um, reißen über 100.000 Häuser weg. 65 Menschen sterben, mehr als 250.000 Menschen werden obdachlos. Bis dato war kaum ein Wirbelsturm des Zwanzigsten Jahrhunderts so verheerend - und so teuer - wie Hurrikan Andrew.Häufiger und heftiger
Ganz unerwartet kam Andrew nicht, immerhin wird Florida jedes Jahr von Hurrikanen heimgesucht: Pünktlich mit dem 1. Juni beginnt die Hurrikansaison, die bis Ende November dauert. Nur scheinen die Stürme seit 1950 zugenommen zu haben - sowohl an Intensität als auch an Häufigkeit. Welchen Einfluss der Klimawandel auf diese Entwicklung hat, darüber streiten Wissenschaftler noch. Die einen sehen die globale Erwärmung als treibende Kraft, wodurch sich größere Flächen der Ozeane erwärmen und die Atmosphäre mit mehr Wasserdampf anreichern, was Hurrikane begünstigt. Andere wiederum verweisen auf einen natürlichen Zyklus, der von atlantischen Meeresströmungen beeinflusst sei.
Konzentration an der Küste
Dass Hurrikane immer größere Schäden anrichten, liegt aber weniger an deren Häufigkeit, sondern vielmehr an der dichten Besiedlung von Küstenstreifen. Schon heute lebt von den über dreihundert Millionen US-Amerikanern mehr als die Hälfte weniger als achtzig Kilometer von der Küste entfernt. Im Jahr 2025, rechnen Experten, könnten es drei Viertel der Bevölkerung sein.
Bald 25 Millionen
Eine demographische Entwicklung, die sich auch in Florida bemerkbar macht, das mit derzeit ungefähr 18 Millionen Einwohnern zu den vier bevölkerungsreichsten US-Bundesstaaten gehört. Für die nächsten fünfzehn Jahre prognostizieren Wissenschaftler einen Bevölkerungsanstieg auf 25 Millionen.
Nach dem Sturm: am 24. August 1992 suchte Hurrikan Andrew Florida heim, wodurch ein Sachschaden von ungefähr vierzig Milliarden Dollar entstand.
Katastrophenrisiko
Vor allem Rentner zieht es in den Sunshine State, um hier bei Durchschnittstemperaturen um die 25 Grad den Lebensabend zu verbringen. Doch je mehr Menschen dort leben, umso größer ist das Katastrophenrisiko, denn Hurrikanschäden lassen sich trotz aller Vorsichtsmaßnahmen - wie etwa strengen Bauvorschriften - nicht vermeiden. Und so wird wohl auch die Hurrikansaison 2008, für die Experten eine leicht überdurchschnittliche Aktivität mit etwa 15 Stürmen erwarten, nicht ohne Folgen bleiben.
Yvonne Schmidt (21.07.2008)
Dieser Artikel gehört zum Thema
| Florida | ![]() |
Infobox
Um Hurrikane zu klassifizieren, ziehen Meteorologen die 1969 entwickelte Saffir-Simpson- Hurrikan-Skala zu Rate. Messwerte sind Windgeschwindigkeit, Fluthöhe und Luftdruck. Insgesamt gibt es fünf Kategorien. Handelt es sich um einen Hurrikan der Kategorie 1, dann können Windgeschwindigkeiten bis zu 153 Kilometer pro Stunde vorkommen sowie Überflutungen von Küstenstraßen und leichte Sachschäden auftreten. Es folgen mäßige, starke und sehr starke Hurrikane. Stürme der Kategorie 5 schließlich gelten als verwüstend: Windgeschwindigkeiten bis zu 250 Kilometer pro Stunde zerstören Brücken und Häuser, werfen Schiffe hunderte von Metern an Land und überschwemmen Küstengebiete kilometerweit - so wie Hurrikan Andrew.



