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Haiti

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Zahlen und Fakten
Die Einwohnerzahl Haitis wird gegenwärtig auf etwas über 9 Millionen geschätzt. Allein die Hauptstadt Port-au-Prince hatte 2006 etwa 1,27 Millionen Bewohner. Der überwiegende Teil lebte bereits vor dem Erdbeben in Slums. Angaben zu Geburts- und Todesfällen beruhen wegen des Fehlens amtlicher Registrierung durchweg auf Projektionen. Vermutet wird ein jährliches Bevölkerungswachstum von rund 1,8 Prozent. Zwischen 80 und 95 Prozent der Bevölkerung sind Schwarze.

28 Prozent des BIP von 5,435 Millionen US-Dollar (2007) stammen aus der Landwirtschaft. Außer Kaffee, Mango und Hirse muss Haiti fast alle Nahrungsmittel importieren. Einige wenige Industrieunternehmen erwirtschaften weitere 20 Prozent des BIP. 52 Prozent des BIP kommen im Wesentlichen aus Handelsgeschäften und aus dem Tourismus. Touristisch bedeutsam ist der Hafen von Labadee in Haitis Norden samt angrenzenden Stränden. Hier hat die US-amerikanisch-norwegische Reederei Royal Caribbean Cruises einen Teil des Landes gepachtet, der vom übrigen Haiti streng abgeschottet ist.

Die Staatsverschuldung Haitis betrug 2008 rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Der überwiegende Teil der Schulden ist inzwischen erlassen. Das haitianische Militär ist entwaffnet. Die internationale Friedentruppe MINUSTAH (Mission des Nations Unies pour la stabilisation en Haïti) nimmt seit April 2004 Sicherungsaufgaben wahr.

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Wiederaufbau oder Exodus?
Leise Hoffnung und abgrundtiefer Pessimismus wechseln einander ab bei der Beurteilung der Situation Haitis. Optimistische Ansätze gehen aus von einem fundamentalen Neubeginn. Die Krise als Chance zu nutzen, das würde bedeuten, mit Hilfe der Weltgemeinschaft Haiti neu aufzubauen. Der britische Architekt Cameron Sinclair, Mitbegründer des Unternehmens Architecture for Humanity, fordert beispielsweise den Bau erdbebensicherer Häuser, die an traditionelle Siedlungsformen der Haitianer anknüpfen.

Andere Experten glauben, dass Haiti als menschliches Siedlungsgebiet und als Nation nicht zu retten sei. Ihr Plan zielt auf einen kontrollierten Exodus der Bevölkerung Richtung Lateinamerika und USA. Auch dabei wäre Solidarität gefragt - von den Ländern, die Haitianer aufnehmen sollen.

Pragmatisch und effektiv unterstützt gegenwärtig das ebenfalls arme Kuba die Erdbebenopfer auf haitianischem Gebiet. Über vierhundert kubanische Ärzte trafen dort bereits wenige Tage nach der Katastrophe ein. Die Brigade Henry Reeve, benannt nach einem britischen Teilnehmer des kubanischen Befreiungskrieges, soll langfristig auf Haiti bleiben.