Der neue Gott
Auch Paradiese haben ihre Geschichte. Im Falle Hawaiis ist sie gezeichnet von langsamer Verdrängung der ansässigen Ureinwohner, schleichendem Kolonialismus - und letztlich von gewaltsamer Okkupation.1795 einigt er die Stämme der Inseln: König Kamehameha I. (Bishop Museum, Hawaii)
Cook und Lono
Die klassische Kolonialmacht Großbritannien hatte mit dem widerspenstigen Urvolk eher Pech: Am 18. Januar 1778 entdeckte James Cook, der Weltumsegler, auf seiner dritten Pazifikreise Hawaii. Für gute Stimmung sorgten die üblichen Tauschgeschäfte; Cook segelte zufrieden von dannen, kam aber ein Jahr später wieder. Bei der Gelegenheit platzen die fremden Besucher mitten in eine Zeremonie zu Ehren des Gottes Lono. Cook wird für jenen Gott gehalten, ausgiebig huldigt man ihm.
Erschlagen am Strand
Etwas, das keinem Gott je passieren darf, passierte nun dem berühmten Kapitän: Ein böser Hurrikan rupfte seine Schiffe arg; der göttliche Nimbus schwand zusehends dahin. Und weil Privateigentum den Hawaiianern noch ein Fremdwort war, eskalierten rasch diverse Streitigkeiten. Schließlich lag Gott Cook, mit vier Männern der Besatzung, erschlagen am Strand - wahrscheinlich waren die Ureinwohner traurig.
Immerhin, den Inseln bleibt die Freiheit erhalten. 1795 einigt König Kamehameha I. alle Stämme, akzeptiert bis 1816 ganz souverän sogar britischen Schutz. Um die Mitte der vierziger Jahre wird Hawaii von den USA, Großbritannien und Frankreich als unabhängiger Staat diplomatisch anerkannt.
Schulsprache Englisch
Trotz allem ist die Freiheit unterminiert: Erst kommen Missionare, dann Händler. Viele siedeln an Ort und Stelle. Was jetzt anhebt, ist der Kampf des "freien Handels" gegen die Tradition. Die hawaiianische Dynastie, im prächtigen Iolani-Palast, zeigt sich offen gegenüber Modernisierungstendenzen, will den Sprung in die Moderne, allerdings ohne Selbstaufgabe. Ab 1840 bereits existiert ein staatliches Schulsystem, Englisch wird zur Schulsprache erhoben.
Anfang vom Ende
Auch dem neuen Gott des Handels schon am Strand eins auf die Mütze zu geben - die Ureinwohner schaffen es diesmal nicht: Ein Handelsvertrag bindet das Land 1875 wirtschaftlich an die USA; US-Marines nutzen den Stützpunkt Pearl Harbour. Politisch bestimmt längst die Monroe-Doktrin das Verhalten der Washingtoner Administration. Deren so genannter Hawaii-Minister residiert auf den Inseln. 1887 spricht eine Verfassungsreform fremden Siedlern, bisher nicht als Staatsbürger betrachtet, das Wahlrecht zu: der Anfang vom Ende.
In solch verworrener Situation besteigt 1891 eine Frau den Thron im Iolani-Palast. Später soll ihr das Etikett einer Operettenprinzessin angeheftet werden. Das aber hat sie nicht verdient, die Königin Liliuokalani. Mutig versucht die Monarchin, den Einfluss der Krone zu stärken, den Rechten der Eingeborenen wieder Geltung zu verschaffen. Ihr großer Gegenspieler heißt Sanford B. Dole, Boss eines "Komitees für öffentliche Sicherheit", das die Interessen der Siedler vertritt.
Waffen im Palast
Dole sowie Hawaii-Minister John Stevens, der eine Division Marines in Pearl Harbour landen lässt, putschen 1893. Liliuokalani, eindeutig international legitimiert, ruft vergeblich nach Hilfe. Sanford Dole verkündet im Sommer des Folgejahres die Republik - und ernennt sich zum Präsidenten. Seine Leute "finden" Waffen in Liliuokalanis Palast. Die Königin wird daher inhaftiert, doch zivilisiert behandelt: Bis 1917, dem Jahr in dem sie am Schlaganfall stirbt, lebt Liliuokalani mit einer staatlichen Rente in Honolulu. Manchem Indianerhäuptling ergeht es schlimmer.
Am 12. August 1898 wird die Flagge des Königreichs Hawaii wird niedergeholt. Für die Ureinwohner beginnt eine Zeit der Trauer.
Das Sagen haben in der scheinselbständigen Republic of Hawaii fünf große Zucker-Konzerne. 1899 etabliert zudem ein entfernter Verwandter Sanford B. Doles, James Dole, sein Ananas-Imperium. In Washington fährt ab 1897 Präsident William McKinley, überzeugter Imperialist, die harte Linie: Die Hawaiianer seien unfähig, sich selbst zu regieren, so das als Manifest Destiny bekannt gewordene Statement. McKinley provoziert 1898 den spanisch-amerikanischen Krieg; der Stützpunkt Pearl Harbour ist nun strategisch wichtige Position. Im Jahr 1900 annektieren die USA unter wehenden Fahnen und mit paradierenden Truppen Hawaii.
Neue Tempel für neue Götter
Als der Gott des Handels, ohne aufs Haupt geschlagen zu werden, hawaiianische Strände betritt, beginnt auch die Ära des Tourismus: Captain William Matsons Dampfschiffe, die seit 1882 Waren zwischen San Francisco und Hawaii befördern, nehmen mehr und mehr Passagiere mit. Matson ist bald vermögend genug, um Hotels in Honolulu und auf Waikiki zu bauen. 1927 öffnet das Royal Hawaiian Hotel ("Pink Palace of Pacific") vor allem für Geschäftsleute die Pforten. Während des Zweiten Weltkriegs bevorzugt Präsident Franklin D. Roosevelt die Nobelherberge als Residenz. Der neue Gott hat seinen Tempel.
Spätes Einsehen
1959 dann wird das annektierte Territorium von Hawaii zum 50. Bundesstaat der USA. Im November 1993 verabschieden Senat und Abgeordnetenhaus ein Gesetz, welches den Putsch hundert Jahre zuvor für unrechtmäßig erklärt. Es enthält auch eine ausdrückliche Entschuldigung.
Michael Schmittbetz (16.02.2005)
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Hawaii (Abkürzung HI) ist ein Bundesstaat der USA im Pazifik. Es umfasst die Hawaii-Inseln (englisch auch Sandwich Islands) mit 28.313 Quadratkilometern und 1,21 Millionen Einwohnern. Davon sind 36 Prozent Asiaten (vor allem Japaner), 24 Prozent Weiße und 18 Prozent Polynesier (Abkömmlinge der Ureinwohner).
Die Hauptstadt ist Honolulu auf Oahu. Zur Inselgruppe gehören Hawaii (die größte Insel), ferner Maui, Oahu, Kauai und mehrere kleinere Eilande. Bekannt ist Hawaii unter anderem für seine rund vierzig erloschenen Vulkane und die noch tätigen Vulkane Mauna Loa sowie Kilauea.
Die Hauptstadt ist Honolulu auf Oahu. Zur Inselgruppe gehören Hawaii (die größte Insel), ferner Maui, Oahu, Kauai und mehrere kleinere Eilande. Bekannt ist Hawaii unter anderem für seine rund vierzig erloschenen Vulkane und die noch tätigen Vulkane Mauna Loa sowie Kilauea.
Infobox
Die Monroe-Doktrin...
proklamierte der US-amerikanische Präsident James Monroe am 2. Dezember 1823 in einer Rede vor dem Kongress. Sie war die erste offizielle Herausforderung der europäischen Mächte durch die USA. Insbesondere Lateinamerika wurde als künftige Einflusszone der USA definiert.
Bis heute ist diese Doktrin Fundament der US-amerikanischen Außenpolitik bezüglich des Subkontinents. Potenzielle europäische Interventionen in der Region sollten mit ihr vorbeugend ausgeschlossen, europäischer Wirtschaftseinfluss zurückgedrängt werden. Wie die USA sich aus Europa heraushielten, hätten auch die Staaten Europas sich aus amerikanischen Konflikten herauszuhalten ("Amerika den Amerikanern!").
Theoretisch begründet mit der Wahrung von Freiheit und Demokratie in ehemaligen Kolonien fixierte die Monroe-Doktrin hegemoniale Tendenzen, die freilich erst mit dem wirtschaftlichen und militärischen Erstarken der USA Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts richtig zum Tragen kamen.
proklamierte der US-amerikanische Präsident James Monroe am 2. Dezember 1823 in einer Rede vor dem Kongress. Sie war die erste offizielle Herausforderung der europäischen Mächte durch die USA. Insbesondere Lateinamerika wurde als künftige Einflusszone der USA definiert.
Bis heute ist diese Doktrin Fundament der US-amerikanischen Außenpolitik bezüglich des Subkontinents. Potenzielle europäische Interventionen in der Region sollten mit ihr vorbeugend ausgeschlossen, europäischer Wirtschaftseinfluss zurückgedrängt werden. Wie die USA sich aus Europa heraushielten, hätten auch die Staaten Europas sich aus amerikanischen Konflikten herauszuhalten ("Amerika den Amerikanern!").
Theoretisch begründet mit der Wahrung von Freiheit und Demokratie in ehemaligen Kolonien fixierte die Monroe-Doktrin hegemoniale Tendenzen, die freilich erst mit dem wirtschaftlichen und militärischen Erstarken der USA Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts richtig zum Tragen kamen.



