Verschwindende Kultur
Nach den frühen Entdeckern kamen Pelzhändler, Walfänger, Missionare - und später dann Ethnologen. Frauentausch und Gemeinbesitz, solche netten Eigenschaften traten zurück im Kontakt mit dem weißen Mann.Der 1. April 1999 war für die kanadischen Inuit ein großer Tag: Die erste gewählte Regierung des Territoriums Nunavut ("unser Land") trat ihr Amt an, auf Grundlage eines sechs Jahre vorher mit der kanadischen Bundesregierung geschlossenen Autonomieabkommens. Nun sollen sich die Ureinwohner im hohen Norden Kanadas selbst verwalten, verzichten dafür aber auf weitere Landforderungen und künftige Ansprüche auf Eigenstaatlichkeit.
Kein Ruhmesblatt
Gibt es Hoffnung im menschenfeindlichsten aller Lebensräume? Könnte das kanadische Beispiel ein Modell sein für die Lösung des Problems der Inuit-Minderheiten auch in anderen arktischen Regionen? Gerade der Umgang des offiziellen Kanada mit den Inuit war bisher kein Ruhmesblatt für den nordamerikanischen Staat. Nach der Epoche der Fellhändler sind Öl, Erdgas, Uran, Blei und Zink die Lockmittel, die seit Jahrzehnten multinationale Unternehmen auf kanadisches Arktisgebiet ziehen. Kanadas Administration begleitete die wirtschaftliche Landnahme ab den fünfziger Jahren des Zwanzigsten Jahrhunderts mit einer Politik erzwungener Anpassung der Inuit an westliche Werte und Lebensstile.
Verwahrlosung und Elend
Die Folgen: Viele der heute rund 32.000 kanadischen Inuit verloren ihre traditionellen Lebensformen und Erwerbsquellen, gerieten in Abhängigkeit von Sozialhilfe, flüchteten in den Alkohol. Der Identitätsverlust drückt sich in hohen Suizidraten aus. Arbeitersiedlungen der Ölfirmen sind Herde von Kriminalität, innerer Verwahrlosung und grassierendem materiellen Elend. Trotz Autonomie, trotz Nunavut - Besserung ist längst nicht in Sicht.
Auf Grönland: Regionale Mehrheit
Viel weiter östlich, auf Grönland, der Rieseninsel im Nordatlantik, lebt die wohl größte Inuit-Population. Etwa 45.000 Menschen sollen es sein; die Minorität ist hier regionale Mehrheit, bei einer Gesamtbevölkerung Grönlands von etwa 56.000. Weniger konfrontiert mit den Rohstoff-Begehrlichkeiten der weißen Zivilisation als im Norden Kanadas, geschützt durch Eismassen, verlief hier die Geschichte der Inuit lange Zeit in ruhigeren Bahnen.
Inuit-Familie bei Handwerksarbeiten: alte Lebensformen bröckeln. (Bild: National Geographic Magazine, 1917)
Manches trug dazu dänische Kolonialpolitik bei, der es gelang, die Insel bis zum Zweiten Weltkrieg von äußeren Einflüssen weitgehend abzuschirmen. Zwar war Grönland ab 1782 dänische Kronkolonie, zwar gab es schon in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts Missions- und Handelsstationen, doch: Trotz Tauschhandel - Gewehre, Zucker, Tabak und Glaswaren gegen Felle -, trotz fremder, christlicher Moral, die Strukturen der alten Inuit-Jägerkultur blieben erhalten.
Kajak und Speisekammer
Praktisch bis in die 1940iger Jahre lebten grönländische Inuit nicht wesentlich anders als ihre Vorfahren, die zwischen 2500 und 1200 v. Chr. in mehreren Schüben aus Asien und Nordamerika auf die Insel gekommen waren: Mit dem Kajak erschlossen sie das Polarmeer als reich gefüllte Speisekammer. Die Robbenjagd lieferte beinahe alles, was zum Leben benötigt wurde. Jeder fremde Siedlungsversuch, selbst der hartgesottenen Wikinger im frühen Mittelalter, scheiterte an den natürlichen Gegebenheiten...
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Infobox
Der Name Eskimo...,
wie die Inuit lange Zeit genannt wurden, ist die verkürzte Form einer beleidigenden Bezeichnung, welche Europa von den Athabaska-Indianern übernahm. Die riefen ihre nördlichen Nachbarn abwertend Esquimantisk ("Rohfleischfresser").
Selbst bezeichnen sich die Bewohner der Polarregionen schlicht als Menschen = Inuit. Wie archäologische Funde belegen, entwickelte sich ihre Kultur um 1000 v. Chr. im Gebiet der Bering-Straße. Heute leben in Alaska, in Grönland, im Norden Kanadas und in Sibirien rund Hunderttausend Angehörige der Thule-Kultur.
wie die Inuit lange Zeit genannt wurden, ist die verkürzte Form einer beleidigenden Bezeichnung, welche Europa von den Athabaska-Indianern übernahm. Die riefen ihre nördlichen Nachbarn abwertend Esquimantisk ("Rohfleischfresser").
Selbst bezeichnen sich die Bewohner der Polarregionen schlicht als Menschen = Inuit. Wie archäologische Funde belegen, entwickelte sich ihre Kultur um 1000 v. Chr. im Gebiet der Bering-Straße. Heute leben in Alaska, in Grönland, im Norden Kanadas und in Sibirien rund Hunderttausend Angehörige der Thule-Kultur.
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Leicht und warm
Unwirtlich und menschenfeindlich ist der Lebensraum der Inuit. Doch sie verstehen es seit Jahrhunderten, sich an ihre arktische Umgebung anzupassen. Sehr verschiedene Fellarten schützen beispielsweise vor der eisigen Kälte.
Am wärmsten sind Bärenfelle. Sie kommen zum Einsatz, wenn die Inuit auf Atemlochjagd gehen, wo sie sich längere Zeit nicht bewegen können. Auch beim Sturz ins Wasser sind sie damit bestens geschützt.
Für den Alltag sind Bärenfelle allerdings zu schwer. Hier eigen sich andere Pelze besser: Robbenfell ist ebenfalls wasserdicht, Hasen-, Enten- und Fuchsfelle halten warm, sind aber sehr empfindlich. Meist sind die Kleider aus Rentierfell; es ist fest, leicht und sehr warm.
Gemessen am Standard unserer modernen Zivilisation entspricht die Inuit-Kleidung der hochentwickelten Gore-Tex-Qualität: Locker liegt sie auf der Haut, so dass sich zwischen Kleidung und Körper eine warme Luftschicht bildet. Der Schweiß kann somit problemlos verdunsten, kalte Nässe, die ja häufig zu Erkältungen führt, gar nicht erst entstehen.
Felle schützen auch die traditionelle Winter-Behausung der Inuit, das Iglu. Sie bedecken die Innenwände der kuppelförmigen Höhle aus Schnee, dienen als Windfang und sorgen für gleich bleibende Temperaturen im Innern. Außerdem fangen sie Wärme ab, die durchs Kochen entsteht, so dass es nicht ständig von der Decke tropft.
Unwirtlich und menschenfeindlich ist der Lebensraum der Inuit. Doch sie verstehen es seit Jahrhunderten, sich an ihre arktische Umgebung anzupassen. Sehr verschiedene Fellarten schützen beispielsweise vor der eisigen Kälte.
Am wärmsten sind Bärenfelle. Sie kommen zum Einsatz, wenn die Inuit auf Atemlochjagd gehen, wo sie sich längere Zeit nicht bewegen können. Auch beim Sturz ins Wasser sind sie damit bestens geschützt.
Für den Alltag sind Bärenfelle allerdings zu schwer. Hier eigen sich andere Pelze besser: Robbenfell ist ebenfalls wasserdicht, Hasen-, Enten- und Fuchsfelle halten warm, sind aber sehr empfindlich. Meist sind die Kleider aus Rentierfell; es ist fest, leicht und sehr warm.
Gemessen am Standard unserer modernen Zivilisation entspricht die Inuit-Kleidung der hochentwickelten Gore-Tex-Qualität: Locker liegt sie auf der Haut, so dass sich zwischen Kleidung und Körper eine warme Luftschicht bildet. Der Schweiß kann somit problemlos verdunsten, kalte Nässe, die ja häufig zu Erkältungen führt, gar nicht erst entstehen.
Felle schützen auch die traditionelle Winter-Behausung der Inuit, das Iglu. Sie bedecken die Innenwände der kuppelförmigen Höhle aus Schnee, dienen als Windfang und sorgen für gleich bleibende Temperaturen im Innern. Außerdem fangen sie Wärme ab, die durchs Kochen entsteht, so dass es nicht ständig von der Decke tropft.



