2005 kommt dann der wirkliche Durchbruch, mit dem siegreichen Präsidentschaftswahlkampf gegen sechs weitere Bewerber, die der Islamische Wächterrat zugelassen hat. Weil kein Kandidat die absolute Mehrheit erreicht, wird am 24. Juni eine Stichwahl fällig. Ahmadinedschads Kontrahent ist der Ajatollah und ehemalige Staatspräsident Rafsandschani. Entgegen allen Prognosen gewinnt Newcomer Ahmadinedschad die Wahl. Ein Grund für den Erfolg des Populisten dürfte die geringe Wahlbeteiligung gewesen sein: Vor die Entscheidung gestellt zwischen dem als korrupt geltenden moderaten Rafsandschani (dem unter anderem sein Monopol auf Pistazien Millionen brachte) und dem unbefleckten Hardliner Ahmadinedschad, üben zahlreiche Iraner Enthaltung.
Überschätzte Bedeutung?
Innenpolitisch startet Ahmadinedschad als Hoffnungsträger für die ärmsten Schichten der Nation. Jedoch, die Möglichkeiten des Präsidenten bleiben begrenzt, werden von konkurrierenden Fraktionen innerhalb der iranischen Führung sogar eingeschränkt. Mancher Kommentator stellt heute die Frage, ob der Westen Ahmadinedschads Bedeutung nicht weit überschätze. Für Schlagzeilen sorgen indes spektakuläre Reden, besonders um die Jahreswende 2005/2006. Der Streit um die Nutzung von Nukleartechnologie schwelt unvermindert; die Drohung, das zionistische "Besatzerregime" "von den Seiten der Geschichte zu löschen", löst Empörung aus.
"Oh allmächtiger Gott... !"
Die ihm selbst liebste Rede scheint Ahmadinedschad allerdings bei seinem bisher einzigen Auftritt vor den Vereinten Nationen gehalten zu haben. Vielleicht entsinnt er sich dieser Glanzleistung deshalb am liebsten, weil er nirgends sonst ein Publikum dermaßen irritierte: "Oh allmächtiger Gott, ich bete zu dir, das Hervortreten dieses letzten Triumphes zu beschleunigen. Schicke uns den Angekündigten, das perfekte und reine menschliche Wesen, das diese Welt mit Gerechtigkeit und Frieden erfüllen wird." Bewegt berichtet der Präsident, wie während der Rede "ein Licht um mich erstrahlte". Doch hatten die anwesenden Staatschefs die Geschichte vom Zwölften Imam gerade im Hinterkopf? Überwiegend wahrscheinlich nicht.
Besuch in Dschamkaran
Den Menschen in Ahmadinedschads Heimat ist der Gedanke an den Mahdi hingegen gründlich vertraut: als fixe Idee, als verzweifelte Hoffnung, wer weiß? Wie jemand im Iran das populäre Warten auf Erlösung betrachtet, das entscheidet sich auch entlang von Klassengrenzen: Den gut betuchten Akademikern in Teherans Norden entlockt die Idee wohl nur mitleidiges Grinsen. Das könnte ihnen vergehen - zum Beispiel bei einem Besuch in Dschamkaran: Unweit des Brunnens, in dem der Mahdi einst verschwand, ragt eine prächtige Moschee in den Himmel. Bis zu zwei Millionen Gläubige strömen jährlich dorthin. Der Präsident versteht diese Leute, und sie verstehen ihn.
Zwei Betrachtungsweisen
In der Legende heißt es, der Mahdi erscheine, wenn die Verhältnisse schon vorgeordnet seien, unmittelbar vor dem Endsieg des wahren Glaubens. Es sei Auftrag von Wegbereitern, das zu bewirken. Gleichrangig daneben steht eine andere Interpretation: Das Kommen des Mahdi falle zusammen mit dem größten denkbaren Chaos, erfolge erst im Zustand von globaler Vernichtung und weltweiter Not...
Michael Schmittbetz (13.09.2007)
Überschätzte Bedeutung?
Innenpolitisch startet Ahmadinedschad als Hoffnungsträger für die ärmsten Schichten der Nation. Jedoch, die Möglichkeiten des Präsidenten bleiben begrenzt, werden von konkurrierenden Fraktionen innerhalb der iranischen Führung sogar eingeschränkt. Mancher Kommentator stellt heute die Frage, ob der Westen Ahmadinedschads Bedeutung nicht weit überschätze. Für Schlagzeilen sorgen indes spektakuläre Reden, besonders um die Jahreswende 2005/2006. Der Streit um die Nutzung von Nukleartechnologie schwelt unvermindert; die Drohung, das zionistische "Besatzerregime" "von den Seiten der Geschichte zu löschen", löst Empörung aus.
"Oh allmächtiger Gott... !"
Die ihm selbst liebste Rede scheint Ahmadinedschad allerdings bei seinem bisher einzigen Auftritt vor den Vereinten Nationen gehalten zu haben. Vielleicht entsinnt er sich dieser Glanzleistung deshalb am liebsten, weil er nirgends sonst ein Publikum dermaßen irritierte: "Oh allmächtiger Gott, ich bete zu dir, das Hervortreten dieses letzten Triumphes zu beschleunigen. Schicke uns den Angekündigten, das perfekte und reine menschliche Wesen, das diese Welt mit Gerechtigkeit und Frieden erfüllen wird." Bewegt berichtet der Präsident, wie während der Rede "ein Licht um mich erstrahlte". Doch hatten die anwesenden Staatschefs die Geschichte vom Zwölften Imam gerade im Hinterkopf? Überwiegend wahrscheinlich nicht.
Internationale Atomenergiebehörde in Wien: Bastelt das iranische Regime an der Bombe oder will es nur Energieautonomie?
Den Menschen in Ahmadinedschads Heimat ist der Gedanke an den Mahdi hingegen gründlich vertraut: als fixe Idee, als verzweifelte Hoffnung, wer weiß? Wie jemand im Iran das populäre Warten auf Erlösung betrachtet, das entscheidet sich auch entlang von Klassengrenzen: Den gut betuchten Akademikern in Teherans Norden entlockt die Idee wohl nur mitleidiges Grinsen. Das könnte ihnen vergehen - zum Beispiel bei einem Besuch in Dschamkaran: Unweit des Brunnens, in dem der Mahdi einst verschwand, ragt eine prächtige Moschee in den Himmel. Bis zu zwei Millionen Gläubige strömen jährlich dorthin. Der Präsident versteht diese Leute, und sie verstehen ihn.
Zwei Betrachtungsweisen
In der Legende heißt es, der Mahdi erscheine, wenn die Verhältnisse schon vorgeordnet seien, unmittelbar vor dem Endsieg des wahren Glaubens. Es sei Auftrag von Wegbereitern, das zu bewirken. Gleichrangig daneben steht eine andere Interpretation: Das Kommen des Mahdi falle zusammen mit dem größten denkbaren Chaos, erfolge erst im Zustand von globaler Vernichtung und weltweiter Not...
Michael Schmittbetz (13.09.2007)
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