Grünes Irland: Viele irische Schriftsteller kehrten der Heimat den Rücken und gelangten erst im Exil zu Weltruhm.
Schreibende Genies
"Wir Iren sind zu poetisch, um Dichter zu sein, wir sind eine Nation von glänzenden Versagern, aber wir sind die größten Redner seit den Griechen." Lob und Tadel zugleich: Mit diesen Worten beschreibt Oscar Wilde (1854 bis 1900) im Jahre 1887 sich und seine irischen Landsleute im Gespräch mit dem jungen William Butler Yeats (1865 bis 1939). Der nahm gut dreißig Jahre später als erster Ire den Nobelpreis für Literatur entgegen. Und es folgten drei weitere Nobelpreise für irische Schriftsteller: Auch George Bernard Shaw (1856 bis 1950), Samuel Beckett (1906 bis 1989) und zuletzt Séamus Heaney (geboren 1939) wurde diese höchste internationale Anerkennung zuteil.Unbekannte Herkunft
Kein anderes Land von vergleichbarer Größe hat mit seinen Dichtern und Schriftstellern derart viele Werke zur Weltliteratur beigetragen wie Irland. Neben Oscar Wilde und den vier Nobelpreisträgern gibt es andere, große Literaten: James Joyce (1882 bis 1941) beispielsweise oder Jonathan Swift (1667 bis 1745) - alles bekannte und (mittlerweile) weltweit anerkannte Literaturgenies. Nur: an Irland denkt man bei diesen Namen zunächst nicht. Freilich, die Iren sind stolz auf ihre zahlreichen Schriftsteller; schließlich sind sie das Aushängeschild der Nation. Doch das war nicht immer so: Irland hat vielen Literaten das Leben schwer gemacht. Die meisten von ihnen hatten Probleme mit der Politik ihres Heimatlandes, der katholischen Kirche und dem teilweise bornierten kulturellen Milieu.
Flucht vor der Zensur
Die Folge: Sie flohen. Und wer nicht ins Exil ging, unterlag der Zensur. Dabei geriet die literarische Tradition Irlands zeitweise in Vergessenheit - obwohl die irisch-gälische Literatur die älteste volkssprachliche Literatur Europas ist: Sie geht zurück bis in jene Zeit, als man keltische Sagen und Legenden zum ersten Mal auf Papier festhielt. Doch durch den Zusammenbruch der gälischen Kultur zu Beginn des 17. Jahrhunderts und durch die Vorherrschaft des Protestantismus erlangte das Englische eine immer größere Bedeutung auf der Grünen Insel.
Lieber Engländer als Ire
Ein früher Vertreter dieser Richtung war Jonathan Swift, der lieber Engländer als Ire gewesen wäre. Nachdem er ab 1689 für fünf Jahre dem englischen Staatsmann und Literaten Sir William Temple (1628 bis 1699) als Sekretär beratend zur Seite stand, kehrte Swift in seine Heimat zurück und wurde Pfarrer von Belfast. Hier veröffentlichte er seine ersten satirischen Schriften, in denen er mit Hilfe von Allegorien aktuelle irische Konflikte karikierte. Er gab vor, Irland zu verabscheuen, und doch vermochte er es nicht, seinem Heimatland zu entkommen. Anders war es bei Oscar Wilde und George Bernard Shaw: Beide lebten größtenteils in England und wurden der englischen Kultur einverleibt - obwohl sie sich zeitlebens auf ihre irische Herkunft beriefen...
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Jonathan Swift: Weltruhm erlangte er mit dem Roman Gullivers Reisen (zwischen 1721 und 1726 entstanden), der bis heute - in einer reduzierten Fassung - als Jugendbuch missverstanden wird.
William Butler Yeats: Der Einakter Cathleen ni Houlihan (1902) leistete als Allegorie des leidenden und kämpfenden Irlands wertvolle Vorarbeit zur Gründung des irischen Nationaltheaters.
James Joyce: In seinen Werken Dubliner (1907) und Ulysses (1921) machte Joyce die irische Metropole Dublin unsterblich.
George Bernard Shaw: Seine wichtigsten Werken sind Die Häuser des Herrn Sartorius (1892) und Die heilige Johanna (1923).
Oscar Wilde: Sein Roman Das Bildnis des Dorian Gray (1890) wurde wegen seiner Dekadenz und angeblichen Morallosigkeit scharf kritisiert. Weitere Werke: Ein idealer Gatte (1895) und Ernst muss man sein (1895).
Samuel Beckett: schrieb die meisten seiner Werke auf Französisch. Das wohl bekannteste ist Warten auf Godot (1952).
Séamus Heaney: kämpft in seinen Essays und Gedichten gegen den blutigen Bürgerkrieg in seiner nordirischen Heimat. Zu seinen Werken zählen: Norden (1975), Die Hagebuttenlaterne (1987) und Elektrisches Licht (2002).
George Bernard Shaw: Seine wichtigsten Werken sind Die Häuser des Herrn Sartorius (1892) und Die heilige Johanna (1923).
Oscar Wilde: Sein Roman Das Bildnis des Dorian Gray (1890) wurde wegen seiner Dekadenz und angeblichen Morallosigkeit scharf kritisiert. Weitere Werke: Ein idealer Gatte (1895) und Ernst muss man sein (1895).
Samuel Beckett: schrieb die meisten seiner Werke auf Französisch. Das wohl bekannteste ist Warten auf Godot (1952).
Séamus Heaney: kämpft in seinen Essays und Gedichten gegen den blutigen Bürgerkrieg in seiner nordirischen Heimat. Zu seinen Werken zählen: Norden (1975), Die Hagebuttenlaterne (1987) und Elektrisches Licht (2002).



