Politische Chancen ergaben sich erstmals aus der Deklaration des britischen Außenministers Arthur Balfour vom 2. November 1917: Die Weltmacht Großbritannien erklärte sich einverstanden mit dem zionistischen Anliegen, in Palästina eine "nationale Heimstätte" des jüdischen Volkes zu errichten.
Herzls Vision, deren Kern die vormoderne, romantische Nationalitätsauffassung war, nach der Nationen aus in sich "organisch" verbundenen Volksgemeinschaften mit gleichfalls "organisch" zugehörigem Boden bestehen, gewann dank britischer Hilfe reale Konturen.
Einwanderung
Umstritten ist, inwieweit bereits damals ein klares Bewusstsein darüber bestand, dass dem zionistischen Projekt nur gegen den Widerstand der arabischen Einwohnerschaft Palästinas Erfolg beschieden sein konnte. Trotz Debatten über die richtige Taktik auch innerhalb zionistischer Kreise, und britischer Kontingentierungsversuche, schritt die Einwanderung europäischer Juden während der gesamten Mandatszeit in aufeinander folgenden Wellen voran. Siedler machten Land urbar oder erwarben Flächen aus arabischem Besitz, eine Mehrzahl aber bevölkerte die Städte.
1937 schlug die Peel-Kommission, ein Gremium der britischen Mandatsverwaltung, angesichts sich ausweitender Konflikte den ersten Teilungsplan für die Gebiete westlich des Jordan vor. Doch der Plan der Peel-Kommission ging hoffnungslos unter im eskalierenden Wechselspiel von arabischem Widerstand, zionistischer Siedlungspolitik, Vergeltung und Gegenvergeltung.
Letztlich erschien den zionistischen Führern der Bevölkerungstransfer als einzige praktikable Möglichkeit: also die Umsiedlung arabischer Bevölkerungsteile in Regionen östlich des Jordan. Eine Lösung, die übrigens dem Geist der Zeit entsprach: Politiker und öffentliche Meinung betrachteten damals Umsiedlungen, trotz offenbarer Nöte und Grausamkeiten, weitgehend als legitimes, vergleichsweise friedliches Mittel zum nachhaltigen Beenden von Konflikten.
Orkan der Gewalt
In der politischen Realität ist die Geburt des Staates Israel umtost von einem Orkan der Gewalt: Jüdische Organisationen verüben Terroranschläge auf Einrichtungen der Mandatsmacht, um jüdische wie arabische Dörfer toben erbitterte Guerillakämpfe. Am 29. November 1947 stimmt die Generalversammlung der Vereinten Nationen für einen neuerlichen Plan, auf dessen Grundlage in Westpalästina nach dem nunmehr angekündigten Ende des britischen Mandats jeweils ein jüdischer und ein arabischer Staat entstehen sollen. Längst jedoch sprechen die Waffen.
Dass jüdische militärische Organisationen wie Haganah und Irgun - entgegen so manchem Mythos - dabei in vorteilhafterer Situation sind, unterliegt heute kaum noch Zweifeln: aktive Hilfe aus den USA, Waffen aus der Tschechoslowakei, selbst der Kreml spielt mit...
Welche konkreten Anlässe das Abwandern der Araber aus vielen ihrer alten Siedlungsgebiete bewirkten, wird hingegen nach wie vor kontrovers diskutiert: Ermunterten arabische Radiosender zur Massenflucht? Ging es darum, Raum für den Angriff verbündeter arabischer Truppen frei zu machen? Oder war brutales Vorgehen Einzelner der entscheidende Faktor? Vielleicht kamen mehrere Ursachen zusammen.
Weltweite Folgen
Im Unabhängigkeitskrieg, der in der Nacht nach Ben Gurions historischer Deklaration mit der Kriegserklärung Ägyptens, Saudi-Arabiens, Jordaniens, des Libanon, des Irak und Syriens beginnt, bleibt der neue jüdische Staat Sieger. Am Schluss, im Juli 1949, verzeichnet Israel erhebliche Landgewinne, deutlich über die Festlegungen des Teilungsplans der Vereinten Nationen hinaus.
Mit dem Sieg allerdings ist das Problem der Palästinenser auf Dauer gestellt. Resümee: Eine zionistische Minderheit innerhalb des Judentums ging erfolgreich den Weg vom Volk zur Nation - und hat damit, nicht zuletzt, den Überlebenden des Holocaust eine Heimat geschaffen. Der Preis aber ist ein mal schwelender, mal offen ausbrechender Konflikt, der weltweit Folgen zeigt.
Michael Schmittbetz (01.05.2008)
Herzls Vision, deren Kern die vormoderne, romantische Nationalitätsauffassung war, nach der Nationen aus in sich "organisch" verbundenen Volksgemeinschaften mit gleichfalls "organisch" zugehörigem Boden bestehen, gewann dank britischer Hilfe reale Konturen.
Einwanderung
Umstritten ist, inwieweit bereits damals ein klares Bewusstsein darüber bestand, dass dem zionistischen Projekt nur gegen den Widerstand der arabischen Einwohnerschaft Palästinas Erfolg beschieden sein konnte. Trotz Debatten über die richtige Taktik auch innerhalb zionistischer Kreise, und britischer Kontingentierungsversuche, schritt die Einwanderung europäischer Juden während der gesamten Mandatszeit in aufeinander folgenden Wellen voran. Siedler machten Land urbar oder erwarben Flächen aus arabischem Besitz, eine Mehrzahl aber bevölkerte die Städte.
1937 schlug die Peel-Kommission, ein Gremium der britischen Mandatsverwaltung, angesichts sich ausweitender Konflikte den ersten Teilungsplan für die Gebiete westlich des Jordan vor. Doch der Plan der Peel-Kommission ging hoffnungslos unter im eskalierenden Wechselspiel von arabischem Widerstand, zionistischer Siedlungspolitik, Vergeltung und Gegenvergeltung.
Letztlich erschien den zionistischen Führern der Bevölkerungstransfer als einzige praktikable Möglichkeit: also die Umsiedlung arabischer Bevölkerungsteile in Regionen östlich des Jordan. Eine Lösung, die übrigens dem Geist der Zeit entsprach: Politiker und öffentliche Meinung betrachteten damals Umsiedlungen, trotz offenbarer Nöte und Grausamkeiten, weitgehend als legitimes, vergleichsweise friedliches Mittel zum nachhaltigen Beenden von Konflikten.
Orkan der Gewalt
In der politischen Realität ist die Geburt des Staates Israel umtost von einem Orkan der Gewalt: Jüdische Organisationen verüben Terroranschläge auf Einrichtungen der Mandatsmacht, um jüdische wie arabische Dörfer toben erbitterte Guerillakämpfe. Am 29. November 1947 stimmt die Generalversammlung der Vereinten Nationen für einen neuerlichen Plan, auf dessen Grundlage in Westpalästina nach dem nunmehr angekündigten Ende des britischen Mandats jeweils ein jüdischer und ein arabischer Staat entstehen sollen. Längst jedoch sprechen die Waffen.
Der neue Staat - diplomatisch anerkannt: US-Präsident Truman trifft am 8. Mai 1951 Premierminister David Ben Gurion.
Welche konkreten Anlässe das Abwandern der Araber aus vielen ihrer alten Siedlungsgebiete bewirkten, wird hingegen nach wie vor kontrovers diskutiert: Ermunterten arabische Radiosender zur Massenflucht? Ging es darum, Raum für den Angriff verbündeter arabischer Truppen frei zu machen? Oder war brutales Vorgehen Einzelner der entscheidende Faktor? Vielleicht kamen mehrere Ursachen zusammen.
Weltweite Folgen
Im Unabhängigkeitskrieg, der in der Nacht nach Ben Gurions historischer Deklaration mit der Kriegserklärung Ägyptens, Saudi-Arabiens, Jordaniens, des Libanon, des Irak und Syriens beginnt, bleibt der neue jüdische Staat Sieger. Am Schluss, im Juli 1949, verzeichnet Israel erhebliche Landgewinne, deutlich über die Festlegungen des Teilungsplans der Vereinten Nationen hinaus.
Mit dem Sieg allerdings ist das Problem der Palästinenser auf Dauer gestellt. Resümee: Eine zionistische Minderheit innerhalb des Judentums ging erfolgreich den Weg vom Volk zur Nation - und hat damit, nicht zuletzt, den Überlebenden des Holocaust eine Heimat geschaffen. Der Preis aber ist ein mal schwelender, mal offen ausbrechender Konflikt, der weltweit Folgen zeigt.
Michael Schmittbetz (01.05.2008)
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Mit seinem Ideal...
eines ethnisch so weit wie möglich homogenen Staates stand der Zionismus keineswegs allein. Folglich sprach man die eigenen Absichten auch offen aus. Berl Katznelson, angesehener Vertreter der sozialistischen Strömung des Zionismus, konstatierte schon Ende der 1930er Jahre: "Ein entfernter Nachbar ist besser als ein naher Feind. Sie werden nicht unter dem Transfer leiden und wir ganz bestimmt auch nicht. Analysiert man die Sache gründlich, handelt es sich hier letztlich um eine politische Besiedlungsreform, die beiden Seiten nützt. Ich denke schon lange, dass dies die beste Lösung wäre, und ... dass es eines Tages geschehen muss."
eines ethnisch so weit wie möglich homogenen Staates stand der Zionismus keineswegs allein. Folglich sprach man die eigenen Absichten auch offen aus. Berl Katznelson, angesehener Vertreter der sozialistischen Strömung des Zionismus, konstatierte schon Ende der 1930er Jahre: "Ein entfernter Nachbar ist besser als ein naher Feind. Sie werden nicht unter dem Transfer leiden und wir ganz bestimmt auch nicht. Analysiert man die Sache gründlich, handelt es sich hier letztlich um eine politische Besiedlungsreform, die beiden Seiten nützt. Ich denke schon lange, dass dies die beste Lösung wäre, und ... dass es eines Tages geschehen muss."



