Chaos City
Eine der am stärksten von Beben bedrohten Regionen der Welt ist das Gebiet rund um San Francisco, wo Amerikanische und Pazifische Platte aufeinandertreffen. Das Erdbeben 1906 zerstörte die Stadt fast völlig.Stadtansicht San Franciscos 1906: Weit mehr Schaden als die Erdstöße richtete das nach dem Beben wütende Feuer an.
Erst der Bürgermeister Phelan stellte ab 1896 Recht und Ordnung in San Francisco her: das Geld zur kompromisslosen Kriminalitätsbekämpfung beschaffte er sich durch Anleihen. Neben politischen Reformen schenkte der Stadtvater seinen Bürgern aber auch 17 Schulen, zwei Parks, ein Krankenhaus und eine neue Kanalisation!
Paris des Westens
Als die Gesetzesbrecher weitgehend aus der Stadt vertrieben waren, galt es, ein neues Ziel anzugehen: nach seinem Rücktritt schwebte Phelan die Idee eines modernen Paris des Westens vor. Kurzerhand engagierte er den Stararchitekten Daniel Burnham und entwickelte mit ihm einen Fünfzig-Jahres-Plan zur Stadtverschönerung; eine neue Untergrundbahn sollte entstehen, dazu ein adrettes Opernhaus. Besucher aus aller Welt wollten die Stadtplaner locken.
Ergebnis der Kontinentaldrift
Es kam anders: am 18. April 1906 erschütterte gegen fünf Uhr morgens ein Erdbeben der Stärke 7,8 San Francisco. Der San-Andreas-Graben, der den Bundesstaat Kalifornien in zwei Kontinentalplatten teilt, riss auf einer Länge von rund vierhundertdreißig Kilometern.
Die beiden Platten - die Amerikanische und die Pazifische Platte – bewegen sich etwa sechs Zentimeter pro Jahr aneinander vorbei und erzeugen dabei Spannungen, die sich in regelmäßigen schwachen Erdbeben äußern. Während sich einige Gebiete fast ständig bewegen, "verhaken" sich andere Bereiche und verschieben sich gelegentlich ruckartig um teilweise mehrere Meter. Beim Erdbeben von 1906 um bis zu sechs Meter. Noch im angrenzenden Bundesstaat Nevada war das Beben zu spüren.
Ein Raub der Flammen
Obwohl das Epizentrum des Bebens außerhalb der Stadt lag, trafen die Erdstöße die erblühende Metropole mit voller Wucht: Wasserfontänen brachen aus dem Boden hervor, Gebäude, die nicht sofort einstürzten, brannten in einem vier Tage andauernden Feuer nieder. Achtzig Prozent San Franciscos verschlangen die Flammen, darunter den gesamten Stadtkern.
Viele Bewohner sahen sich zwischen Wassermassen und dem herannahenden Flammenmeer gefangen: nur durch eine Massenevakuierung über die San Francisco Bay konnten die Leben Tausender gerettet werden. Vorsätzlich gesprengte Gebäude rund um das Feuer sollten zunächst als Brandschutzwall dienen, gerieten jedoch durch das verwendete Schwarzpulver oftmals selbst in Brand.
Bis zu dreitausend Tote
Von den vierhunderttausend Einwohnern der Stadt verloren bis zu dreihunderttausend Menschen ihre Wohnung. Die US Army baute in kürzester Zeit 5.160 Holz-Behausungen, die rund zwanzigtausend Obdachlosen Unterschlupf boten und für zwei Dollar pro Monat vermietet wurden. Nach zeitgenössischen Angaben fielen 478 Einwohner der kalifornischen Großstadt dem Erdbeben zum Opfer. Neuere Schätzungen gehen von etwa 3.000 Toten aus. Die Regierung hatte die Statistiken absichtlich manipuliert, um Grundstückspreise nicht ins Bodenlose fallen zu lassen und die allgemeine Stimmung zu heben.
Auf Plünderer wird geschossen
Schnell wurde die Stadt wieder zum rechtsfreien Raum: Bürgermeister Eugene Schmitz ordnete an, Plünderer zu erschießen. Fünfhundert Personen kamen so allein durch Schmitz' Edikt ums Leben. Andere Bewohner der Stadt zündeten absichtlich ihre Häuser an, da Versicherungen nur für Feuer, nicht aber für Erdbebenschäden aufkamen.
Den Gesamtschaden schätzte man damals auf rund vierhundert Millionen US-Dollar. Das Erdbeben von San Francisco war eine der ersten Naturkatastrophen, die ausführlich dokumentiert wurden. Die Bilder erinnern an Städte nach Bombenangriffen. Ein Paris des Westens wollte man in der Folgezeit nicht mehr erschaffen. Besucher aus aller Welt zieht die Stadt seitdem dennoch an.
Kathleen Niebl (akt. 20.05.2010)
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Infobox
San Francisco 1989
Das Loma Prieta Erdbeben erschütterte am 17. Oktober 1989 das Gebiet rund um die Bucht von San Francisco. Mit einer Stärke von 7,1 auf der Richterskala richtete es in einem Umkreis von 110 Kilometern erheblichen Schaden an: rund 3.800 Verletzte und 63 Tote waren nach dem Beben zu beklagen, allein 42 starben auf dem Nimitz Freeway, von dem ein Teil zusammenbrach. Nach einer Studie der US Geological Survey besteht eine Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent für ein Erdbeben der Stärke sieben in der Bay Area in den nächsten dreißig Jahren.
Das Loma Prieta Erdbeben erschütterte am 17. Oktober 1989 das Gebiet rund um die Bucht von San Francisco. Mit einer Stärke von 7,1 auf der Richterskala richtete es in einem Umkreis von 110 Kilometern erheblichen Schaden an: rund 3.800 Verletzte und 63 Tote waren nach dem Beben zu beklagen, allein 42 starben auf dem Nimitz Freeway, von dem ein Teil zusammenbrach. Nach einer Studie der US Geological Survey besteht eine Wahrscheinlichkeit von 67 Prozent für ein Erdbeben der Stärke sieben in der Bay Area in den nächsten dreißig Jahren.




