Ein Staat, zwei Nationen
A Mari usque ad Mare, von Meer zu Meer - so weit dehnt sich, wie sein Wappenspruch verkündet, das zweitgrößte Land der Erde aus. Wie ist dieser riesige Staat entstanden?Jacques Cartier nahm 1535 das Gebiet am St.-Lorenzgolf für Frankreich in Besitz. Damit begann die europäische Besiedlung Kanadas. (Gemälde von Théophile Hamel, 19. Jahrhundert)
Doch zunächst trieben private Gesellschaften die Erkundung und Inbesitznahme des Landes voran: Kaufleute finanzierten Expeditionen zum Festland; dafür räumten ihnen jene Herrscher, in deren Auftrag sie kamen, Handelsmonopole ein. Als Gesandter der Compagnie de la France Nouvelle nahm Jacques Cartier (1491 bis 1557) im Jahr 1535 das Gebiet entlang des Sankt-Lorenz-Stroms für den französischen König in Besitz.
Einträgliche Geschäfte
Samuel de Champlain gründete Québec, die erste dauerhafte europäische Siedlung im Kerngebiet des späteren Kanada. Für England erkundete Henry Hudson 1610 die nach ihm benannte Bucht; 1669 erhielt die Hudson Bay Company von ihr erschlossene Gebiete von der britischen Krone zugesprochen.
Rasch entdeckten die Besucher aus der Alten Welt den Fischreichtum der Gewässer vor der kanadischen Küste: Französische, englische, spanische und italienische Fischer richteten Sommerquartiere ein. Der Kontakt mit einheimischen Völkern, den First Nations, brachte europäische Händler auf ein äußerst lukratives Geschäft: Sie tauschten Felle, vor allem vom Biber, gegen Waffen, Metallwaren und andere Gebrauchsgegenstände ein. Die Nachfrage in Europa stieg schwunghaft an, als Pelze in Mode kamen.
Es begann die Zeit der coureurs de bois, der Waldläufer: Als Grenzgänger zwischen den Kulturen führten die manchmal wilden Gestalten ein Leben außerhalb der Siedlungen der Weißen und fungierten als Vermittler für den Warenaustausch zwischen ihnen und den Indianern, von denen sie manche Lebensgewohnheiten übernahmen. Der amerikanische Romancier J. F. Cooper setzte den Waldläufern mit der Figur des Lederstrumpf ein literarisches Denkmal.
Nach der Einnahme von Fort Henry 1757 versuchte der französische Befehlshaber Montcalm, ein Massaker zu verhindern. (Holzstich von Alfred Bobbett, um 1870)
Als die Biberbestände in den küstennahen Gebieten nach und nach erschöpft waren, begannen Engländer und Franzosen in die ausgedehnten nordwestlichen Waldgebiete vorzudringen. Während sich die britischen Besitzungen, genährt vom stetigen Zustrom der Siedler, auch von Neuengland aus nach Westen ausbreiteten, trieb Frankreich die Landnahme quer zur britischen Expansion südwärts voran: Den Sankt-Lorenz-Strom hinauf über die Großen Seen und den Mississippi bis hin zum Golf von Mexiko errichteten sie eine Kette von Forts und Handelsstützpunkten.
Es brach eine Periode gewaltsamer Zusammenstöße beider Kolonialmächte an, welche im Franzosen- und Indianerkrieg zur Mitte des 18. Jahrhunderts ihren abschließenden Höhepunkt fand. Die indigenen Völker wurden in diesen Konflikt verwickelt und gewannen entscheidende Bedeutung als Hilfstruppen auf beiden Seiten.
Neu-Frankreich
Nach seiner Niederlage musste Frankreich 1763 im Frieden von Paris seine sämtlichen nordamerikanischen Besitzungen an die englische Krone abtreten. Jedoch lebten nach wie vor hauptsächlich französische Siedler im Gebiet entlang des Sankt-Lorenz-Stroms und nördlich des Ontario-Sees. Während die britischen Kolonien rasch wuchsen, war ihre Zahl eher gering geblieben. In der größten Siedlung Québec wohnten um 1750 ungefähr achttausend, in Montréal gab es etwa fünftausend Menschen.
In Neu-Frankreich, so der Name der Kolonie, war ein vereinfachtes Abbild der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse des Mutterlandes entstanden: Ein vom König ernannter Gouverneur regierte autoritär, gestützt auf einen Rat städtischer Notabeln.
Québecs Sonderweg
Das Feudalwesen garantierte den Grundbesitzern, den Seigneurs, die Vorherrschaft, obgleich die Lasten für abhängige Bauern erträglicher waren als daheim in Frankreich. Eine einflussreiche gesellschaftliche Stellung besaßen zudem katholische Geistliche und königliche Beamten sowie die Großkaufleute.
In der neugebildeten Provinz Québec blieb auch nach dem Sieg der Briten zunächst vieles beim Alten: Der Québec Act von 1774 schrieb ihren Sonderstatus fest, beließ das französische Zivilrecht in Kraft, und erlaubte die Ausübung der katholischen Religion. Der Grundstein für den politischen Sonderweg Québecs war gelegt.
Gescheiterte Invasion
Auf lange Sicht jedoch waren die Franko-Kanadier wachsendem Druck ausgesetzt: Englischsprachige, protestantische Siedler kamen vermehrt nach Kanada; sie brachten ihre kulturellen Eigenheiten und politischen Vorstellungen mit. Den Holz- und Pelzhandel übernahmen mit der Zeit die Engländer, die auch die öffentliche Verwaltung dominierten, während französischstämmigen Siedlern der Zugang zu höheren Ämtern verwehrt blieb. Die Eliten arrangierten sich jedoch alsbald mit den neuen Herren...
Teil 1: Französische Landnahme quer über den Kontinent
Teil 2: Separatistische Tendenzen und massive Einwanderung
Teil 2: Separatistische Tendenzen und massive Einwanderung
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Kurze Landeskunde
Kanada ist mit 9,9 Millionen Quadratkilometern der zweitgrößte Flächenstaat der Erde. Das Staatsgebiet setzt sich aus zehn Provinzen und drei von der Bundesregierung verwalteten Territorien zusammen. Der nordamerikanische Staat ist von Atlantik, Pazifik und Nordpolarmeer umgeben und hat die längste Küstenlinie der Erde.
Kanada ist ein demokratischer Bundesstaat und eine konstitutionelle Monarchie im Staatenverbund des britischen Commonwealth. Die Hauptstadt ist Ottawa. Offizielle Landessprachen sind Englisch und Französisch, im 1999 gebildeten Territorium Nunavut wird Inuktitut gesprochen.
Von den 34,5 Millionen Einwohnern Kanadas sind über 40 Prozent nicht französischer oder britischer Herkunft. Über eine Million Kanadier gehören indigenen Bevölkerungsgruppen an, dazu zählen unter anderen Angehörige der First Nations, die Inuit und die Métis, die gemischter, europäisch-indianischer Herkunft sind.
Das Land ist mit 3,4 Einwohnern pro Quadratkilometer dünn besiedelt. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbewohnt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in den Metropolen Toronto (5,5 Millionen Einwohner), Montréal (3,8 Millionen Einwohner), Vancouver (2,2 Millionen Einwohner) und Ottawa (1,1 Millionen Einwohner).
Kalte, lange Winter und kurze, heiße Sommer kennzeichnen das überwiegend boreale Klima Kanadas. In den Küstenprovinzen herrscht maritimes Klima mit häufigen Niederschlägen.
Kanada ist mit 9,9 Millionen Quadratkilometern der zweitgrößte Flächenstaat der Erde. Das Staatsgebiet setzt sich aus zehn Provinzen und drei von der Bundesregierung verwalteten Territorien zusammen. Der nordamerikanische Staat ist von Atlantik, Pazifik und Nordpolarmeer umgeben und hat die längste Küstenlinie der Erde.
Kanada ist ein demokratischer Bundesstaat und eine konstitutionelle Monarchie im Staatenverbund des britischen Commonwealth. Die Hauptstadt ist Ottawa. Offizielle Landessprachen sind Englisch und Französisch, im 1999 gebildeten Territorium Nunavut wird Inuktitut gesprochen.
Von den 34,5 Millionen Einwohnern Kanadas sind über 40 Prozent nicht französischer oder britischer Herkunft. Über eine Million Kanadier gehören indigenen Bevölkerungsgruppen an, dazu zählen unter anderen Angehörige der First Nations, die Inuit und die Métis, die gemischter, europäisch-indianischer Herkunft sind.
Das Land ist mit 3,4 Einwohnern pro Quadratkilometer dünn besiedelt. Weite Teile des Nordens sind nahezu unbewohnt. Fast vier Fünftel der Kanadier leben in Städten, die meisten in den Metropolen Toronto (5,5 Millionen Einwohner), Montréal (3,8 Millionen Einwohner), Vancouver (2,2 Millionen Einwohner) und Ottawa (1,1 Millionen Einwohner).
Kalte, lange Winter und kurze, heiße Sommer kennzeichnen das überwiegend boreale Klima Kanadas. In den Küstenprovinzen herrscht maritimes Klima mit häufigen Niederschlägen.




