Fröhliche Sänger
Nicht nur Zuckerrohr, Wein sowie versklavte Guanchen waren für die spanischen Eroberer begehrte "Handelswaren". Zu einem Exportschlager der Kanaren entwickelte sich auch der Kanarienvogel.Ein roter Kanarienvogel: die Farbe des Gefieders entstand durch verschiedene Kreuzungen.
Unscheinbarer Wildvogel
Ihre Stammväter haben ihr Heim in Büschen und Bäumen der westlichen und mittleren Kanareninseln, auf Madeira und den Azoren. Sie sind eher unscheinbar in Farbe und Gesang. Biologisch gehört die Wildform der Kanarienvögel, der so genannte Serinus canaria, zu den Girlitzen. Der Kanariengirlitz ist etwas kleiner als die meisten Zuchtformen. Sein Gefieder hat neben dem typischen Gelb der Hauskanarienvögel noch grüne, gelb-grüne und schwarz-braune Einfärbungen.
Aus Bequemlichkeit
Die Büsche und Bäume im Flachland oder in den Hangregionen der Inseln bieten dem Vogel Unterschlupf und Futter. Am liebsten frisst er Samen, Beeren und Früchte. Da er diese Nahrung leichter in Regionen findet, die landwirtschaftlich genutzt werden, zieht er aus Bequemlichkeit immer öfter in die Nähe des Menschen, obwohl er eigentlich menschenscheu ist.
Im Unterschied zu Papageien und Sittichen, die auch in Freiheit feste Partner haben, ist der Kanariengirlitz ein Einzelgänger. Außer in der Paarungszeit und im Winter lebt er allein. So unauffällig wie sein Gefieder ist auch sein Gesang. Der Wildvogel lässt oft nur ein einfaches "Zit, zit" hören. Die Kanarien-Männchen sind keine geborenen Entertainer, sondern erweitern ihr Gesangsrepertoire erst mit dem Älterwerden.
Musikalisches Vorspiel
Ihr Gesang hat Gründe. Wenn ein Männchen ein Revier besetzt, markiert es dieses durch seine Lieder. Das Weibchen in Paarungsstimmung lässt sich vom Gesang des Männchens anlocken. Gefällt es ihm, bleibt das Weibchen für die Dauer der Brutzeit bei ihrem Sänger und baut intensiver am Nest. Je umfangreicher das Repertoire des Männchens ist, umso schneller baut das Weibchen - und legt mehr Eier.
Beute der Eroberer
Das größere Gesangs-Repertoire besitzen ältere Männchen, denn sie haben von Jahr zu Jahr dazugelernt. Girlitze können auch Gesangsteile anderer Vögel in ihren Gesang einbauen. Die Weibchen dagegen singen eher selten und sehr leise. Ihnen fehlt das männliche Geschlechtshormon, das für die Häufigkeit und Intensität des Gesangs sorgt. Schon die Ureinwohner der Kanarischen Inseln, die Guanchen, fanden Gefallen am einfachen Gesang der Kanariengirlitze und hielten sie in kleinen Käfigen. Als die Spanier die Kanarischen Inseln im 15. Jahrhundert eroberten, nahmen Soldaten und Handelsleute diese ersten Hauskanarienvögel und viele der wildlebenden Girlitze mit zurück in die Heimat.
Es war schwierig, die Wildform zu vermehren, da man für seine Aufzucht die passende Nahrung brauchte. Dennoch widmeten sich Mönche in Spanien dieser Aufgabe. Allerdings taten sie das nicht nur aus Tierliebe und Zeitvertreib - sondern auch aus gutem Geschäftssinn. Als im 16. Jahrhundert eine große Nachfrage nach den Sängern einsetzte, verkauften die Ordensbrüder die Vögel. Vor allem die Männchen brachten viel Geld ein. Abnehmer fanden die Vogelzüchter in reichen Adeligen und Kaufleuten.
Exotisches Hobby - als Stubenvögel sind die bunten Sänger von den Kanaren bis heute beliebt.
Die Mönche trieben ihren Kanarienvogelhandel bis nach Italien, Frankreich und England. Ihr Monopol wurde erst gebrochen, als es gelang, Kanarienweibchen durch Schmuggel aus den Klöstern oder direkt von den Kanaren zu bekommen. In Italien begann man schließlich mit der Nachzucht. Bereits in dieser Zeit gab es gescheckte und auch gelbe Vögel, was auf Veränderungen der Erbsubstanz durch gezielte Kreuzung der Vögel, aber auch auf natürliche Ursachen zurückzuführen war.
Im goldenen Käfig
An Adelshöfen und in Bürgerhäusern wurden die Vögel in reich verzierten und manchmal goldenen Käfigen gehalten. Der Reichsgraf Johann Georg Dernath auf Sierhagen in Schleswig-Holstein hielt zum Beispiel Mitte des 17. Jahrhunderts in seiner Orangerie vier Männchen und dreizehn Kanarienvogelweibchen nebst vielen anderen Arten.
In Gartenkunstbüchern wird das Vogelhaus als Element der Renaissance- und Barockgärten beschrieben. Historiker schildern es als eine Quelle der Freude und Belustigung. Der französische Gartenarchitekt Jacques Boyceau de la Barauderie schrieb dazu im 17. Jahrhundert: "In Volieren kann man gut Vögel halten, denn sie lassen sich durch die Gefangenschaft nicht abhalten, sich zu paaren, zu balzen und sich zu vermehren, sich aus Eifersucht zu schlagen und zu versöhnen und andere gewöhnliche Dinge zu tun."
Harzer Roller
Das Spitzenprodukt der Kanarienzucht im 19. Jahrhundert war der Harzer Roller. Jährlich sollen mehr als eine Million dieser Vögel in die Welt verschifft worden sein. Noch heute ist der Harzer Roller der bekannteste Sänger unter den Kanarienvögeln. Er trägt sein Lied ohne unreine, kratzende oder schrille Töne vor. Wegen seines wohltönenden Gesangs ist er ein sehr beliebter Käfigvogel.
Gezüchtete Vielfalt
Neben diesem zur Rasse der Gesangskanarien gehörendem Vogel werden noch die Rassen der Farb- und der Positurkanarien gezüchtet. So gibt es heute weiße, rote, orange-rote, braune oder silber-braune Vögel, mit Haarschopf oder sogar gebogenem Körper - den Züchtungen sind eben kaum Grenzen gesetzt.
Christiane Nienhold (aktualisiert 21.12.2011)
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Infobox
Alle Kanarienvogelarten haben...
die gleichen Ansprüche an Haltung und Ernährung. Bei der Fütterung muss darauf geachtet werden, dass der Kanarienvogel Vegetarier ist. Seine Grundnahrung sollte aus einer Körnermischung sowie aus Obst und Gemüse bestehen.
Sicherheit spielt eine große Rolle für ihn. Der Kanarienvogel liebt einen ungestörten und unveränderlichen Platz. In einem achtzig Zentimeter hohen, fünfzig Zentimeter breiten und hundert Zentimeter langen Käfig mit hölzernen Sitzstangen fühlt sich das Tier am wohlsten. Mindestens einmal am Tag aber sollte er frei im Zimmer fliegen können.
Besondere Zuwendung braucht das Tier im August und September, wenn es sich mausert. Länger als zwei Tage sollte der Vogel daher nicht allein gelassen werden. Da die Erneuerung des Gefieders viel Kraft kostet, verstummt in dieser Zeit oft auch sein Gesang. Werden diese Regeln beachtet, können Kanarienvögel zwischen zehn und vierzehn Jahren alt werden.
die gleichen Ansprüche an Haltung und Ernährung. Bei der Fütterung muss darauf geachtet werden, dass der Kanarienvogel Vegetarier ist. Seine Grundnahrung sollte aus einer Körnermischung sowie aus Obst und Gemüse bestehen.
Sicherheit spielt eine große Rolle für ihn. Der Kanarienvogel liebt einen ungestörten und unveränderlichen Platz. In einem achtzig Zentimeter hohen, fünfzig Zentimeter breiten und hundert Zentimeter langen Käfig mit hölzernen Sitzstangen fühlt sich das Tier am wohlsten. Mindestens einmal am Tag aber sollte er frei im Zimmer fliegen können.
Besondere Zuwendung braucht das Tier im August und September, wenn es sich mausert. Länger als zwei Tage sollte der Vogel daher nicht allein gelassen werden. Da die Erneuerung des Gefieders viel Kraft kostet, verstummt in dieser Zeit oft auch sein Gesang. Werden diese Regeln beachtet, können Kanarienvögel zwischen zehn und vierzehn Jahren alt werden.
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Liebe im Käfig
Kanarienvögel hält man am Besten paarweise. Ist der Vogel allein, fühlt er sich oft einsam und langweilt sich. Stimmt die Sympathie zwischen zwei gefiederten Gefährden, können sich Vogelhalter auf Nachwuchs einstellen.
Für den Nestbau wird zusätzliches Baumaterial und ein Körbchen benötigt. Die Paarungszeit der Vögel ist im März. Kanarienvogelweibchen legen im Schnitt vier bis sechs Eier. Während der Brutzeit beschafft das Männchen Nahrung für das Weibchen.
Die Jungen schlüpfen nach dreizehn bis vierzehn Tagen und werden danach von beiden Eltern versorgt. Bereits dreißig Tage nach dem Schlüpfen sind die Jungen völlig selbstständig - ihr eigenes Vogelleben beginnt.
Kanarienvögel hält man am Besten paarweise. Ist der Vogel allein, fühlt er sich oft einsam und langweilt sich. Stimmt die Sympathie zwischen zwei gefiederten Gefährden, können sich Vogelhalter auf Nachwuchs einstellen.
Für den Nestbau wird zusätzliches Baumaterial und ein Körbchen benötigt. Die Paarungszeit der Vögel ist im März. Kanarienvogelweibchen legen im Schnitt vier bis sechs Eier. Während der Brutzeit beschafft das Männchen Nahrung für das Weibchen.
Die Jungen schlüpfen nach dreizehn bis vierzehn Tagen und werden danach von beiden Eltern versorgt. Bereits dreißig Tage nach dem Schlüpfen sind die Jungen völlig selbstständig - ihr eigenes Vogelleben beginnt.



