"Lauta blüht auf"
Zwischen Senftenberg in Brandenburg und Hoyerswerda in Sachsen liegt das Städtchen Lauta. Unser Autor hat zu diesem Lausitzer "Kaff", wo es so gar nichts Besonderes gibt, eine ganz persönliche Beziehung.Am Morgen war die Wäsche auf der Leine entweder schwarz oder rötlich. Alles hing vom Wind ab. Kam der aus Richtung Tagebau, trat die erste Variante in Kraft. Kam er von den Bauxit-Halden, hatten die Lautawerker Hausfrauen mit dem zweiten Farbton zu rechnen. Das war vor dem Krieg. Mit dem Aluminiumwerk, einst wichtig für die Rüstung, ist 1945 Schluss. Dafür entsteht eine Chemiefabrik. Kohle und Kraftwerk bleiben.
Leben im Reihenhaus
Wer dort arbeitete, wohnte meist in Reihenhäusern mit Garten - und malochte in drei Schichten: Wenn Onkel Norbert Nachtschicht hatte, mussten wir Kinder am Vormittag leise sein. Am besten lief man dann Großvater hinterher, der mit seinem Handwägelchen auf der Müllkippe nach Ersatzteilen suchen ging. Großvater war Grobschmied im Werk, dann Bäcker, Pförtner und Rentner - immer in Lauta, so etwa seit 1917, als neben dem Dorf Lauta in der Lausitz der Ort Lautawerk zu wachsen begann. All das ist lange vorbei.
Nichts Spektakuläres
Was ist typisch für die Lausitz? Ist es ein Ort wie Lauta, genau zwischen Hoyerswerda und Senftenberg? Oder ist es eher der Spreewald im Brandenburgischen, wo eine wundervolle Landschaft Jahr für Jahr die Touristen lockt? In Lauta gibt es gar nichts Spektakuläres: keinen See, keinen Fluss, keine Szene, kaum Besucher, nur das Gewerbegebiet und die Gartenstadt. Kein reicher Anwalt aus Westberlin baut hier ein Haus. Die Leute bleiben unter sich - und werden weniger.
Im Februar 1989 entstand dieses Foto vom Ofendienst im Lautaer Aluminiumwerk - im Jahr darauf machte der Betrieb dicht. (Bild: Deutsches Bundesarchiv; Lizenz: Creative Commons)
Dabei sieht Lauta heute netter aus als früher: "Seit Ende 1990 tragen in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen beschäftigte Bürgerinnen und Bürger dazu bei, das Ortsbild von Lauta zu verschönern", heißt es in der Chronik. Das Werk ist ab 1990 "Gelände des ehemaligen Werks". 1998 startete dort eine bayerische Firma Rygol die Produktion von Dämmstoffen, eher ein Intermezzo.
Mit dem Schlagwort "Lauta blüht auf" war allerdings die treuhand-finanzierte Sanierung der Gartenstadt gemeint. Am 4. März 2002 wurde der Grundstein gelegt für den Bau einer Müllverbrennungsanlage. Wäsche auf der Leine, versichern die Stadtväter, soll aber auch in Zukunft blitzsauber bleiben, bei jedem Wind. Die Reihenhäuser haben jetzt gründlich renovierte Fassaden.
Über zwanzig Prozent Arbeitslose
Wenn das Bürokratenwort "Strukturschwache Region" auf ein Gebiet zutrifft, dann auf die Gegend um Lauta - und, nach "Aktenlage", auf die Lausitz insgesamt, egal, ob man den brandenburgischen oder den sächsischen Teil im Blick hat. Lauta gehört zu Sachsen. Die sächsische Lausitz heißt Planungsregion Oberlausitz-Niederschlesien und ist eine von fünf sächsischen Großregionen. Seit 1997 liegt die Arbeitslosigkeit hier konstant bei über zwanzig Prozent; die ABMler im Lautaer "Ortsbild" sind aus der Statistik raus...
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Der Schatz aus der Tiefe
Für die Zukunft sieht die Lausitz rot, um genau zu sein: kupferrot. Geschätzte zweihundert Millionen Tonnen des begehrten Rohstoffs Kupfer liegen in der Nähe von Spremberg im Boden, außerdem weitere Edel- und Spezialmetalle wie Gold und Silber, Blei und Zink, Gallium und Indium. Der Gesamtwert der Vorkommen wird derzeit auf rund 30 Milliarden Euro geschätzt.
Das Wissen über die Lausitzer Schätze ist nicht neu: Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass in 800 bis 1500 Meter Tiefe eine rund ein Meter dicke Schicht Kupfererz liegt. Zu DDR-Zeiten hätte sich deren Förderung jedoch nicht rentiert, die Erkundung der Vorkommen wurde Ende der 1980er Jahre eingestellt. Erst in den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Metallen zum Beispiel für Solarzellen, Hybridautos, Plasmabildschirme rasant gestiegen - die ebenfalls steigenden Rohstoffpreise machen die Ausbeutung der Lausitzer Vorkommen nun rentabel.
Rund siebenhundert Millionen Euro will ein US-Unternehmen in der Lausitz investieren, um ein 15 Kilometer langes und 3 Kilometer breites Bergwerk mit tausenden von Stollen zu errichten. Kupfer im Wert von dreihundert Millionen Euro jährlich hofft der Investor zu gewinnen, und das mindestens vierzig Jahre lang. Die Lausitz würde dann nicht nur das einzige Kupferbergwerk Deutschlands besitzen, sondern auch zu den zwanzig wichtigsten Kupferproduzenten weltweit gehören.
In der strukturschwachen Lausitz ist man entzückt über die Aussichten: Bis zu fünftausend neue Arbeitsplätze erhofft man sich im und am Bergwerk. Eventuell soll das Kupfer auch in der Region verarbeitet werden, was weitere Job schaffen würde. Zudem wird eine Förderabgabe von zehn Prozent des erzielten Metallpreises in die Kassen der Bundesländer Brandenburg und Sachsen fließen. Derzeit prüft das zuständige Bergamt in Cottbus die Anträge des Investors. 2012 soll der Bau des Bergwerks beginnen; 2015 könnte dann das erste Erz gefördert werden. (Stand: Mai 2010)
Für die Zukunft sieht die Lausitz rot, um genau zu sein: kupferrot. Geschätzte zweihundert Millionen Tonnen des begehrten Rohstoffs Kupfer liegen in der Nähe von Spremberg im Boden, außerdem weitere Edel- und Spezialmetalle wie Gold und Silber, Blei und Zink, Gallium und Indium. Der Gesamtwert der Vorkommen wird derzeit auf rund 30 Milliarden Euro geschätzt.
Das Wissen über die Lausitzer Schätze ist nicht neu: Seit den 1950er Jahren ist bekannt, dass in 800 bis 1500 Meter Tiefe eine rund ein Meter dicke Schicht Kupfererz liegt. Zu DDR-Zeiten hätte sich deren Förderung jedoch nicht rentiert, die Erkundung der Vorkommen wurde Ende der 1980er Jahre eingestellt. Erst in den letzten Jahren ist die Nachfrage nach Metallen zum Beispiel für Solarzellen, Hybridautos, Plasmabildschirme rasant gestiegen - die ebenfalls steigenden Rohstoffpreise machen die Ausbeutung der Lausitzer Vorkommen nun rentabel.
Rund siebenhundert Millionen Euro will ein US-Unternehmen in der Lausitz investieren, um ein 15 Kilometer langes und 3 Kilometer breites Bergwerk mit tausenden von Stollen zu errichten. Kupfer im Wert von dreihundert Millionen Euro jährlich hofft der Investor zu gewinnen, und das mindestens vierzig Jahre lang. Die Lausitz würde dann nicht nur das einzige Kupferbergwerk Deutschlands besitzen, sondern auch zu den zwanzig wichtigsten Kupferproduzenten weltweit gehören.
In der strukturschwachen Lausitz ist man entzückt über die Aussichten: Bis zu fünftausend neue Arbeitsplätze erhofft man sich im und am Bergwerk. Eventuell soll das Kupfer auch in der Region verarbeitet werden, was weitere Job schaffen würde. Zudem wird eine Förderabgabe von zehn Prozent des erzielten Metallpreises in die Kassen der Bundesländer Brandenburg und Sachsen fließen. Derzeit prüft das zuständige Bergamt in Cottbus die Anträge des Investors. 2012 soll der Bau des Bergwerks beginnen; 2015 könnte dann das erste Erz gefördert werden. (Stand: Mai 2010)



