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Mallorca

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Der "Menschenfänger"
Harry Graf Kessler (1868 bis 1937), prominenter Mallorca-Migrant und heute von der Öffentlichkeit fast vergessen, war als Kunstsammler, Diplomat, Mäzen, Museumsdirektor und Publizist ein Phänomen seiner Zeit. Schon die Herkunft Kesslers ist skandalumwittert, da Gerüchte und Indizien darauf hindeuten, dass er ein illegitimer Sohn des ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. war.

In Frankreich, England und Deutschland erzogen - Kesslers Vater war deutscher Bankier, die Mutter Tochter eines irischen Baronets, er selbst als junger Mann Offizier im 3. Garde-Ulanen-Regiment in Potsdam -, sah Kessler sich zeitlebens als Europäer. Künstlerisch ist besonders Kesslers Weimarer Engagement als Museumsdirektor vor dem Ersten Weltkrieg bedeutend. Kultur- und gesellschaftspolitisch ragt sein späteres Eingreifen als Publizist in die politischen Debatten der Weimarer Republik heraus.

Während seiner diplomatischen Tätigkeit für die Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes im Ersten Weltkrieg entwickelte Kessler friedensorientierte Visionen, die auf einen über nationalen Interessen stehenden Welt-Staatenbund zielten. Der eigentliche literarische Nachlass Kesslers ist ein äußerst umfangreiches Tagebuch. Darin wird Kessler dem Ruf als "Menschenfänger" gerecht, den ihm die Nachwelt anheften sollte. Vor den Nazis emigrierte Kessler zunächst nach Paris, später, angesichts des finanziellen Ruins, nach Mallorca. Im südfranzösischen Lyon starb Kessler 1937 vollkommen verarmt in einem Spital.