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Mauritius

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Paradise Lost
1968 erhielt Mauritius die Unabhängigkeit von Großbritannien. Ausgenommen davon waren die Inseln des Chagos-Archipels, die seit 1965 als Britisches Territorium im Indischen Ozean der Krone unterstehen. Deren rund zweitausend Einwohner ließ die britische Regierung 1971 zwangsumsiedeln. Das nun menschenleere Atoll Diego Garcia pachteten die USA.

Gemeinsam unterhalten die USA und Großbritannien dort seitdem eine Militärbasis. Die vertriebenen Chagossianer, die von Fischerei und Kokosnussanbau gelebt hatten, mussten sich auf Mauritius und auf den Seychellen durchschlagen. Arbeitslosigkeit, Armut und Alkohol bestimmten von da an das Leben vieler.

Seit mehr als einem Jahrzehnt kämpfen die Chagossianer und ihre Nachfahren - etwa fünftausend sind es mittlerweile - um das Recht, in ihre Heimat zurückzukehren. Ein britisches Gericht sprach ihnen im Jahr 2000 dieses Recht prinzipiell zu.

Königin Elisabeth II. verbannte die Chagossianer 2004 per Order-in-Council aus ihrer Heimat, was der High Court of Justice aber für rechtswidrig erklärte. Auch das höchste Berufungsgericht des Landes urteilte im Sinne der Inselbewohner; das House of Lords aber stellte sich 2008 hinter die britische Regierung. Nun geht der Fall vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Die Chagossianer, erläutert Martin Fletcher von der Londoner Tageszeitung Times, seien die ultimativen Opfer der Geopolitik. Im Kalten Krieg diente die Militärbasis Diego Garcia den Westmächten als Horchposten und als Stützpunkt, um Schiffsbewegungen der Sowjetunion zu überwachen. Während der Golfkriege und im Afghanistaneinsatz starteten von dort Langstreckenbomber und Versorgungsschiffe; seit 2007 entsteht auf Diego Garcia ein U-Boot-Hafen.

Egal wie Gerichte im Fall Chagos urteilen - dass die rechtmäßigen Inselbewohner in ihre Heimat zurückkehren werden, ist angesichts des Kriegs gegen den Terror und weltpolitischer Entwicklungen wie dem iranischen Atomprogramm alles andere als wahrscheinlich. 2010 wurde Diego Garcia weiter aufgerüstet, die Briten wollen mehr militärisches Personal dort stationieren. Mindestens bis 2036 soll das Chagos-Atoll militärisch genutzt werden.