Wurzeln des Hasses
Wann wurde das deutsch-polnische Verhältnis wirklich schwierig? Und vor allem: Warum? Antwort auf diese Fragen suchen wir im letzten Abschnitt unseres Dossiers.Die Deutschen herrschen per Bürokratie, der Zar aber bevorzugt direkte Gewalt: Russische Truppen lagern im Jahr 1861 auf Warschaus Straßen.
Ein wesentlicher Unterschied
Bis zum Ersten Weltkrieg spitzte sich die Situation stetig zu. Oberschlesien - eine prosperierende Industrieregion - wurde Brennpunkt nationaler Konflikte. Andererseits garantierte das Deutsche Reich trotz meist engherzigen Verwaltungshandelns Religionsfreiheit und Rechtssicherheit, was die Lage hier von den Zuständen im russischen Teil Polens grundlegend unterschied.
Antideutsch oder antirussisch?
Nicht zufällig entstand in jener Periode ein weiterer Riss, der sich durch die polnische nationale Bewegung selbst zog: Ist Deutschland oder ist Russland der Hauptfeind einer selbstbestimmten polnischen Nation? Während Jozef Pilsudski, Anführer der Polnischen Sozialistischen Partei, sich vorwiegend gegen Russland stellte, vertrat sein Widerpart Roman Dmowski antideutsche und prorussische Positionen.
Im Ersten Weltkrieg kämpften Millionen polnischer Soldaten gezwungenermaßen auf beiden Seiten der Front. Die drei Mächte, die Polen unter sich aufgeteilt hatten - also das Deutsche Reich, Russland und Österreich-Ungarn -, brachen allerdings am Ende dieses Krieges weitgehend zusammen. 1919 wurde Polen, entsprechend den Bestimmungen des Versailler Vertrages, eine international anerkannte, unabhängige Republik.
Geopolitischer Unsinn
An der Spitze des neuen Staates stand Jozef Pilsudski. Zu Polen gehörten von jetzt an auch Gebiete, die vormals das Hauptterritorium des Deutschen Reiches direkt mit Ostpreußen verbanden, der so genannte Polnische Korridor; Danzig erklärten die Siegermächte zur "freien Stadt" unter Verwaltung des Völkerbundes. Ein geopolitischer Unsinn. Die Beziehungen des neuen Polen zu seinen beiden wichtigsten Nachbarn, der militärisch schwachen Weimarer Republik im Westen und nunmehr Sowjetrussland im Osten, waren von Beginn an spannungsreich. Schon 1920 tobte ein erbitterter polnisch-sowjetischer Krieg, in dem von Frankreich unterstützte polnische Truppen am Ende die Oberhand gewannen. Im Westen bekämpften sich polnische reguläre Einheiten und Freischärler auf der einen, sowie deutsche "Selbstschutzorganisationen" auf der anderen Seite...
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Infobox
Heimliche Hauptstadt für viele polnische Bürger ist Krakau. Offizielle Hauptstadt Polens war Krakau tatsächlich einige Jahrhunderte lang, nämlich zwischen 1038 und 1596, bis es seinen Status an Warschau verlor. Heute ist die Metropole an der oberen Weichsel Industrie-, Wissenschafts- und Kulturzentrum des südlichen Landesteils. Weil die Altstadt in sämtlichen Kriegen seit dem 13. Jahrhundert praktisch unzerstört blieb, bietet das Stadtbild Beispiele für alle Baustile von der Romanik und Gotik über Renaissance und Barock bis zu Jugendstil und Neogotik.
Wirtschaftlich ist die ungefähr 750.000 Einwohner zählende Stadt heute außerordentlich erfolgreich. Das mag auch an der relativ jungen und gut ausgebildeten Bevölkerung liegen: Rund 60 Prozent der Einwohner sind jünger als 45 Jahre, verglichen mit 46 Prozent im übrigen Polen. Berühmteste Sehenswürdigkeit Krakaus ist der Wawel, das alte Königsschloss im Stil der Renaissance.
Während des dunkelsten Kapitels deutsch-polnischer Geschichte, in den Jahren nach 1939, wurde Krakau "Hauptstadt" des "Generalgouvernements", des deutschen Besatzungsregimes. Auf dem Wawel residierte der deutsche Gouverneur Hans Frank und koordinierte den Bau der Konzentrationslager Plaszow und Auschwitz in unmittelbarer Nähe.
Wirtschaftlich ist die ungefähr 750.000 Einwohner zählende Stadt heute außerordentlich erfolgreich. Das mag auch an der relativ jungen und gut ausgebildeten Bevölkerung liegen: Rund 60 Prozent der Einwohner sind jünger als 45 Jahre, verglichen mit 46 Prozent im übrigen Polen. Berühmteste Sehenswürdigkeit Krakaus ist der Wawel, das alte Königsschloss im Stil der Renaissance.
Während des dunkelsten Kapitels deutsch-polnischer Geschichte, in den Jahren nach 1939, wurde Krakau "Hauptstadt" des "Generalgouvernements", des deutschen Besatzungsregimes. Auf dem Wawel residierte der deutsche Gouverneur Hans Frank und koordinierte den Bau der Konzentrationslager Plaszow und Auschwitz in unmittelbarer Nähe.



