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Polen

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Etwa sechzig Kilometer südöstlich von Danzig liegt einer der größten und schönsten gotischen Backsteinbauten Europas: die Marienburg. Hierher verlegte der Hochmeister des Deutschen Ordens im Jahr 1309 seine Residenz. Seit 1279 befand sich an diesem Ort bereits eine Burg, die sich jedoch als zu beengt für die Repräsentationszwecke des mächtigen Ordens erwies.

Fast hundert Jahre dauerte die Umwandlung der Anlage zur prächtigen Regierungszentrale des Ordenslandes. Die Herrlichkeit hielt allerdings nicht lange an, 1457 bezogen die über den deutschen Ritterorden siegreichen Polen die Burg. 1772 kam die Marienburg zum Königreich Preußen. Durch die folgende Nutzung, etwa als Kaserne, wurden viele Elemente der mittelalterlichen Architektur zerstört; es gab sogar Pläne, das so genannte Hochschloss zugunsten eines neuen Magazinbaus abzureißen.

Preußische Architekten und Dichter wandten sich erfolgreich gegen das Vorhaben: 1817 begannen umfangreiche Restaurierungsarbeiten, an denen auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt war. Unter Kaiser Wilhelm II. spielte die Marienburg eine identitätsstiftende Rolle für das Deutsche Reich. Sie war offizielle Residenz des Kaisers und während des Ersten Weltkriegs Sitz des Oberkommandos der 1. Armee. Mit der Ideologisierung des Deutschen Ordens durch die Nationalsozialisten erhielt auch die Marienburg eine neue Funktion: NSDAP und SS nutzten die Burg für Tagungen, Feierlichkeiten und Aufmärsche. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anlage zu sechzig Prozent zerstört.

Nach Kriegsende fiel sie zu Polen und wurde vom polnischen Staat wieder aufgebaut. Heute präsentiert sich die überwiegend als Museum genutzte Marienburg in alter Pracht und ist einer der wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen in Polen. Seit dem 7. Dezember 1997 zählt sie zum Weltkulturerbe der UNESCO.