In der Westminsterabtei werden seit dem 11. Jahrhundert die Könige Englands und Großbritanniens gekrönt. (Illustration von 1822)
Parkbänke und Kinderwagen
Voller Willensstärke und inbrünstiger Überzeugung schleiften die jungen Schotten den zentnerschweren Stein über die Fliesen der Kirche und beförderten ihn ins Auto. Zu allem Überfluss ging das schottische Nationalheiligtum bei der Aktion zu Bruch. Die mit der Aufklärung des Falls beauftragten Detectives der Londoner Kriminalpolizei vermuteten den Stein in einem Teich im Hyde-Park. Dort fanden sie aber nur alte Parkbänke und Kinderwagengestelle. Sogar einen holländischen Telepathen engagierten die Beamten. Zum Stein führen konnte der Gedankenleser die Detectives aber auch nicht.
Vergraben im Acker
Der Stein weilte unterdessen noch auf englischem Boden. Die Diebe hatten den Stone of Scone ganz unheilig auf einem Feld östlich von London vergraben. Erst als sich die Aufregung legte, holten sie den Stein ab. Allen Polizeikontrollen zum Trotz gelangten die Studenten mit der Beute nach Schottland und ließen das Heiligtum dort reparieren. Nach Wochen des Spurenverwischens wurde ihnen die Beute zu unbequem. Sie fuhren zur Abtei von Arbroath, dem Mekka schottischer Nationalisten, und positionierten den Stone of Scone vor dem Grab Wilhelms des Löwen. Dort wurde der Stein im April 1951, vier Monate nach dem Diebstahl, gefunden.
Zähneknirschen
In ihrer Heimat feierte man die jungen Leute wie Helden. Auf eine Anklage verzichtete die englische Justiz lieber. Sie hätte ans Licht bringen können, dass es sich beim Stone of Scone um Beutekunst handelte. Juristisch hätte dann kein Diebstahl vorgelegen. Im Fall einer Verurteilung wäre der Zorn der schottischen Bevölkerung außerdem unermesslich gewesen. Ein Jahr nach seinem Fund, und rechtzeitig zur Krönung von Königin Elisabeth II., brachten Beamte von Scotland Yard den Stone of Scone im Februar 1952 nach Westminster zurück.
Seit 1996 ist Edinburgh Heimat des Stone of Scone. Im Schloss der Stadt kann der Stein besichtigt werden. (Bild: Christian Bickel; Lizenz: Creative Commons)
Erst an einem nasskalten Morgen Jahrzehnte später sollte der Stone of Scone in der Geschichtsschreibung wieder auftauchen: Bei Tagesanbruch am 15. November 1996 näherte sich von englischer Seite ein Geländewagen der schottisch-englischen Grenze. Dudelsäcke und Trommeln erklangen. Schottische Schulkinder hatten frei. Über eintausend Menschen warteten an einer Brücke bei Coldstream auf etwas, das sie gar nicht sehen konnten. Blickdicht in einer Stahlbox im Kofferraum des Landrovers verpackt, kehrte der Stone of Scone nach genau 700 Jahren Exil an jener Stelle, wo er Schottland einst verlassen hatte, in seine Heimat zurück. Heute ist der geschichtsträchtige Stein die Hauptattraktion im Schloss von Edinburgh.
Schotter aus London
Jedoch ist der Koloss nach wie vor Eigentum der britischen Krone; auch weiterhin werden britische Monarchen während der Krönung auf dem Nationalstolz der Schotten sitzen. Für kommende Zeremonien wird der Stein nach London ausgeliehen. Für Aufregung unter den Schotten sorgt das kaum noch: Mittlerweile sprechen sich nur noch 29 Prozent von ihnen für ein unabhängiges Schottland aus. Denn die Union mit England hat durchaus ihre Vorteile. Als die beiden schottischen Großbanken Royal Bank of Scotland und Halifax Bank Anfang 2009 in Bedrängnis gerieten, verhinderte eine Finanzspritze aus London den Supergau. Die Situation ähnelt der im Jahr 1707: Heute hat zwar Edinburgh den Stein, aber London noch immer den Schotter.
Kathrin Schwarick (07.12.2009)
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Geschmackssache
Die traditionelle schottische Küche kennt viele einfache, aber sehr nahrhafte Gerichte - zum Beispiel Porridge: einen Getreidebrei, der aus Hafer zubereitet wird. Den Engländern galt Hafer höchstens als Pferdefutter, doch den armen Schotten war das Getreide Jahrhunderte lang wichtiges Grundnahrungsmittel: In der kargen Landschaft und im kühlen Klima Schottlands gedieh der Hafer eben besonders gut. (Gleiches gilt übrigens für die Gerste, die der Schotte zu Whisky verarbeitet.) Bis heute ist der Haferschleim beliebt: Ob zum Frühstück, als Vorspeise oder als Beilage, die Schotten finden immer einen Grund, ihren Porridge zu essen.
Ziemlich eklig finden viele Besucher das Nationalgericht der Schotten: Haggis ist mit Zwiebeln, Innereien und Nierenfett vom Schaf gefüllter und gekochter Schafmagen. Schaffleisch prägt die schottische Küche. Und weil früher kein Teil des Tieres verkommen sollte, verarbeitete man die Innereien mit. Verlängert wird die Füllung des Haggis mit dem reichlich vorhandenen Hafermehl.
Auch die Nähe zum Meer schlägt sich in der schottischen Küche nieder. Forellen, Lachse, Heringe und Schellfische gedeihen in schottischen Gewässern gut und landen dementsprechend häufig in den Kochtöpfen. Die Schotten versuchen ebenfalls, den gesamten Fisch zu nutzen. So füllen sie etwa Schellfischköpfe mit gehacktem Hummer oder bereiten Fisch-Haggis zu.
Einen eher zweifelhaften Ruf genießt eine weitere kulinarische Gewohnheit mancher Schotten: Nicht nur Fisch tauchen sie, von Backteig umhüllt, in heißes Fett - auch Burger, Hot Dogs und Pizza lieben sie umhüllt und frittiert. Weltweit einmalig ist wohl der frittierte Schokoladenriegel. Der erregt allerdings die Besorgnis der örtlichen Gesundheitsämter: In Schottland leben weltweit die dicksten Kinder.
Die traditionelle schottische Küche kennt viele einfache, aber sehr nahrhafte Gerichte - zum Beispiel Porridge: einen Getreidebrei, der aus Hafer zubereitet wird. Den Engländern galt Hafer höchstens als Pferdefutter, doch den armen Schotten war das Getreide Jahrhunderte lang wichtiges Grundnahrungsmittel: In der kargen Landschaft und im kühlen Klima Schottlands gedieh der Hafer eben besonders gut. (Gleiches gilt übrigens für die Gerste, die der Schotte zu Whisky verarbeitet.) Bis heute ist der Haferschleim beliebt: Ob zum Frühstück, als Vorspeise oder als Beilage, die Schotten finden immer einen Grund, ihren Porridge zu essen.
Ziemlich eklig finden viele Besucher das Nationalgericht der Schotten: Haggis ist mit Zwiebeln, Innereien und Nierenfett vom Schaf gefüllter und gekochter Schafmagen. Schaffleisch prägt die schottische Küche. Und weil früher kein Teil des Tieres verkommen sollte, verarbeitete man die Innereien mit. Verlängert wird die Füllung des Haggis mit dem reichlich vorhandenen Hafermehl.
Auch die Nähe zum Meer schlägt sich in der schottischen Küche nieder. Forellen, Lachse, Heringe und Schellfische gedeihen in schottischen Gewässern gut und landen dementsprechend häufig in den Kochtöpfen. Die Schotten versuchen ebenfalls, den gesamten Fisch zu nutzen. So füllen sie etwa Schellfischköpfe mit gehacktem Hummer oder bereiten Fisch-Haggis zu.
Einen eher zweifelhaften Ruf genießt eine weitere kulinarische Gewohnheit mancher Schotten: Nicht nur Fisch tauchen sie, von Backteig umhüllt, in heißes Fett - auch Burger, Hot Dogs und Pizza lieben sie umhüllt und frittiert. Weltweit einmalig ist wohl der frittierte Schokoladenriegel. Der erregt allerdings die Besorgnis der örtlichen Gesundheitsämter: In Schottland leben weltweit die dicksten Kinder.



