Pippi Langstrumpf besitzt Bärenkräfte und lebt elternlos mit einem Pferd und einem Affen: Umstände, die die Kritik mancher Pädagogen hervorriefen.
Debatte um den Tod
Das bei Eltern und Pädagogen umstrittenste Werk ist Die Brüder Löwenherz von 1973. Hierin wagt sich Astrid Lindgren an das heikle Thema Tod heran: Die Brüder Jonathan und Krümel müssen jung sterben, erleben aber nach dem Tod zahlreiche fantastische Abenteuer.
Am Ende des Buches springen sie von einer Klippe und gelangen so in die nächste Welt der Fantasie. Kritiker werfen der Autorin vor, sie habe ein lebensverneinendes Buch geschrieben und verherrliche den Selbstmord. Lindgrens Kommentar: "Kinder lesen das Buch als spannende Abenteuergeschichte und danken mir für das glückliche Ende."
Eigene Lesarten
Der Erfolg der Brüder Löwenherz zeigt zwei Dinge: Kinder gehen mit eigenen Lesarten an Texte heran, sie interpretieren Geschichten anders als Erwachsene. Und: Astrid Lindgren begreift das; wie keine andere Erwachsene schafft sie es, Kinder anzusprechen, ihre Ängste und Sorgen, ihre Freuden und Hoffnungen auszudrücken. Wie kaum jemand sonst spricht sie auch über Kinder, sie plädiert für das Recht auf freie Entfaltung und für Erziehung ohne Gewalt: "Man kann in Kinder nichts hineinprügeln, aber man kann vieles aus ihnen herausstreicheln."
Astrid Lindgren, der Erzählerin, ist in Stockholm ein Denkmal gewidmet.
In den 1980er Jahren macht sich Astrid Lindgren für bessere Bedingungen in der Massentierhaltung stark, getreu dem Motto "Kühe und Weiden brauchen einander" oder "Meine Kuh will auch Spaß haben". Zu ihrem 80. Geburtstag fragt sie ein Journalist, ob sie sich denn nun zurücklehnen und ihr Rentnerdasein genießen wolle. Die Antwort Lindgrens: "Ja, aber warum soll man denn Ruhe geben?"
Asteroid Lindgren
Ihren Eigensinn und ihren Humor hat sich Astrid Lindgren bis ins hohe Alter bewahrt. Ehrungen aller Art nimmt sie mit einem Augenzwinkern entgegen. Als die Russische Akademie einen Himmelskörper nach ihr benennt, bemerkt sie scherzhaft: "Von nun an dürft ihr mich Asteroid Lindgren nennen."
Und auch, als ihre Landsleute sie 1997 zur Schwedin des Jahres küren, hat sie noch einen Kommentar auf Lager: "Ich glaube, ihr habt etwas vergessen. Und zwar, dass ich ein alter Mensch bin, taub und halbblind und fast verrückt. Und den habt ihr zur Schwedin des Jahres gemacht! Verbreitet das bloß nicht, sonst glauben sie noch, ganz Schweden ist so..."
Astrid Lindgrens Bücher: in über neunzig Sprachen übersetzt, rund 140 Millionen Mal verkauft.
Wegen ihres Augenproblems muss Astrid Lindgren in den 1990ern das Schreiben aufgeben. Aber ihr Schaffen hat die Kinderliteratur in der zweiten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts längst unwiderruflich geprägt. Kritiker haben alles Mögliche in ihre Texte
hineingelesen, politische, religiöse, feministische Ansichten.
Doch "blieben die literarische Qualität, der geschliffene Stil, die sorgfältig aufgebauten Motiv- und Symbolketten, häufig außerhalb des Blickfelds, ebenso wie der bewusst eingesetzte schlichte Erzählton mancher Werke und der spielerische Umgang mit literarischen Formen und Bezügen", meint Astrid Surmatz. Dafür haben viele Bewunderer Astrid Lindgren den Literaturnobelpreis gewünscht.
Für das Kind in ihr
Bekommen hat sie ihn nicht - sie hatte ihn auch nicht nötig. Beim Schreiben hatte Astrid Lindgren keine Literaturpreise im Blick, keine Bedenken der Eltern oder Kommentare der Kritiker - und auch nicht irgendeine erzieherische Wirkung. "Ich habe mir nicht das Geringste dabei gedacht", hat sie einmal gesagt. "Ich schreibe, um das Kind in mir zu unterhalten und kann dabei nur hoffen, dass auch andere Kinder daran ein wenig Spaß haben."
Urte Paul (25.10.2007)
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Schweden brachte...
neben Astrid Lindgren noch mehr Literaten von Weltrang hervor. So zum Beispiel den 1849 in Stockholm geborenen August Strindberg. Während er in seiner Heimat als Romancier, Lyriker und Essayist stilbildend wirkte, beeinflusste Strindberg europäische und nordamerikanische Autoren vor allem als Dramatiker.
Sein dramatisches Werk war besonders gekennzeichnet durch die Loslösung des Theaters von den aristotelischen Zwängen der Einheit von Ort, Zeit und Handlung und prägte Dichter wie Eugene O'Neill und Samuel Beckett. Mit der Wirkung auf das moderne Theater steht Strindberg (gestorben 1912) damit ebenbürtig neben Henrik Ibsen und Anton Tschechow.
Zu Schwedens Literatenriege gehört auch die erste Frau, die den Literaturnobelpreis erhielt: Selma Lagerlöf (1858 bis 1940). In vielen ihrer Bücher schildert sie ihre varmländische Heimat, es geht häufig um Geborgenheit und Sicherheit, vermittelt durch das Symbol des Heims. Mann-Frau-Konflikte und Vater-Tochter-Beziehungen greift Lagerlöf ebenfalls auf, sie interessiert sich für die menschliche Psychologie und beschreibt Seelenzustände.
Und es geht immer wieder um das Sühnen von Schuld und um die versöhnende Kraft der Liebe. 1909 erhielt Lagerlöf den Literaturnobelpreis - wegen "des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen", hieß es dazu in der Begründung.
neben Astrid Lindgren noch mehr Literaten von Weltrang hervor. So zum Beispiel den 1849 in Stockholm geborenen August Strindberg. Während er in seiner Heimat als Romancier, Lyriker und Essayist stilbildend wirkte, beeinflusste Strindberg europäische und nordamerikanische Autoren vor allem als Dramatiker.
Sein dramatisches Werk war besonders gekennzeichnet durch die Loslösung des Theaters von den aristotelischen Zwängen der Einheit von Ort, Zeit und Handlung und prägte Dichter wie Eugene O'Neill und Samuel Beckett. Mit der Wirkung auf das moderne Theater steht Strindberg (gestorben 1912) damit ebenbürtig neben Henrik Ibsen und Anton Tschechow.
Zu Schwedens Literatenriege gehört auch die erste Frau, die den Literaturnobelpreis erhielt: Selma Lagerlöf (1858 bis 1940). In vielen ihrer Bücher schildert sie ihre varmländische Heimat, es geht häufig um Geborgenheit und Sicherheit, vermittelt durch das Symbol des Heims. Mann-Frau-Konflikte und Vater-Tochter-Beziehungen greift Lagerlöf ebenfalls auf, sie interessiert sich für die menschliche Psychologie und beschreibt Seelenzustände.
Und es geht immer wieder um das Sühnen von Schuld und um die versöhnende Kraft der Liebe. 1909 erhielt Lagerlöf den Literaturnobelpreis - wegen "des edlen Idealismus, des Phantasiereichtums und der seelenvollen Darstellung, die ihre Dichtung prägen", hieß es dazu in der Begründung.
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Eine gelbe Sonne...
mit lachendem roten Mund auf blauem Grund: Nein, der Orden des Lächelns ist keine Auszeichnung wie jede andere. Die Idee zu dem Preis hatten Kinder eines Rehabilitationskrankenhauses in Warschau; das Design stammt von einem neunjährigen Mädchen.
Vergeben wird die Auszeichnung seit 1968 an Menschen, denen das Wohl von Kindern und Jugendlichen am Herzen liegt. Über die Preisträger bestimmt das Internationale Kapitel des Ordens des Lächelns, ein Komitee aus 59 Mitgliedern aus zwei Dutzend Ländern. Anträge allerdings, und das ist eine Besonderheit des Ordens des Lächelns, dürfen lediglich Kinder und Jugendliche stellen.
Aus mehr als 45 Ländern kommen die inzwischen rund 870 Kavaliere des Ordens des Lächelns. Unter ihnen sind Kulturschaffende wie Astrid Lindgren, Sandmännchenschöpfer Gerhard Behrendt und Liedermacher Rolf Zuckowski, aber auch Politiker und Personen des öffentlichen Lebens wie Mutter Teresa, Nelson Mandela und Johannes Paul II.
Als älteste Preisträgerin erhielt 2007 die 97jährige Irena Sendlerowa die Medaille des Lächelns. Die Krankenschwester half während des Zweiten Weltkriegs, rund 2.500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto zu schmuggeln.
mit lachendem roten Mund auf blauem Grund: Nein, der Orden des Lächelns ist keine Auszeichnung wie jede andere. Die Idee zu dem Preis hatten Kinder eines Rehabilitationskrankenhauses in Warschau; das Design stammt von einem neunjährigen Mädchen.
Vergeben wird die Auszeichnung seit 1968 an Menschen, denen das Wohl von Kindern und Jugendlichen am Herzen liegt. Über die Preisträger bestimmt das Internationale Kapitel des Ordens des Lächelns, ein Komitee aus 59 Mitgliedern aus zwei Dutzend Ländern. Anträge allerdings, und das ist eine Besonderheit des Ordens des Lächelns, dürfen lediglich Kinder und Jugendliche stellen.
Aus mehr als 45 Ländern kommen die inzwischen rund 870 Kavaliere des Ordens des Lächelns. Unter ihnen sind Kulturschaffende wie Astrid Lindgren, Sandmännchenschöpfer Gerhard Behrendt und Liedermacher Rolf Zuckowski, aber auch Politiker und Personen des öffentlichen Lebens wie Mutter Teresa, Nelson Mandela und Johannes Paul II.
Als älteste Preisträgerin erhielt 2007 die 97jährige Irena Sendlerowa die Medaille des Lächelns. Die Krankenschwester half während des Zweiten Weltkriegs, rund 2.500 Kinder aus dem Warschauer Ghetto zu schmuggeln.





