Unspektakuläre Republik
Lange Zeit prägte Präsident France-Albert René die Politik der Seychellen. Nach einem Putsch hatte er 1977 die Herrschaft erlangt und führte das Land, bis er 2004 zurücktrat.Mahé, Praslin, Silhouette und La Digue sind die größten Inseln der Seychellen.
Machtwechsel
Doch erst die französischen Kolonisatoren lassen sich knapp anderthalb Jahrhunderte später, im Jahr 1742, auf den Seychellen nieder. Fünfzehn Jahre später beanspruchen sie die Inseln offiziell als ihr Eigentum. 1778 stationiert das französische Militär auf der Hauptinsel Mahé eine kleine Garnison. Aus deren Standort entsteht die Hauptstadt der Seychellen: das heutige Victoria.
Franzosen, Sklaven, Inder
Um 1800 besteht die Bevölkerung aus etwa 300 französischen Einwohnern - einige von ihnen Plantagenbesitzer, die von rund 1800 Sklaven überwiegend Gewürze und Baumwolle anbauen lassen, später auch Kokos. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erobern die Engländer die Seychellen, 1821 wird die Insel offiziell britisches Territorium. Einige Jahre später schafft die britische Regierung die Sklaverei ab. Zur Arbeit auf den Plantagen kommen nun Eingeborene aus den Nachbarländern, überwiegend aus Indien.
Ex-Staatspräsident France-Albert René (links): 1996 mit Jacques Chirac in Paris.
Es folgen hundertfünfzig unspektakuläre Jahre als britische Kolonie. Erst 1976 werden die Seychellen zu einer unabhängigen Republik, Staatspräsident wird James Mancham, Ministerpräsident France-Albert René. Nur ein Jahr später kommt René durch einen Staatsstreich die Macht und führt die Seychellen mit sozialistischer Orientierung.
Zwei Jahre später, 1979, entsteht ein Einparteienstaat. Es folgen weitere Putschversuche, René aber bleibt weiter in seiner Position. 1992 kehrt die Regierung auf internationalen Druck zum Mehrparteiensystem zurück. Trotz neuer Verfassung und formal freier Wahlen bleibt René in seinem Amt.
Beachtlicher Lebensstandard
Erst Anfang 2004 tritt er - nach massiver Kritik an seiner Politik und Gerüchten um Korruption - zugunsten von James Alix Michel zurück. Trotz aller Vorwürfe erreichte das Land unter René einen beachtlichen Lebensstandard. Hauptquelle des Reichtums ist mittlerweile der Tourismus. Siebzig Prozent aller Einnahmen kommen aus dieser Branche, allerdings gehen sechzig Prozent davon wieder für den Import von Nahrungsmitteln drauf. Industrie - als zweites Standbein - entwickelt sich nur langsam.
Daniel Najock (06.07.2004)


