Mit der Eisenbahn kamen die Siedler: Vier Millionen Menschen zogen zwischen 1903 und 1914 nach Sibirien. (Bild von 1903)
Abstand halten
Mit der Transsib rückten Siedler in das Land weiter östlich des Urals vor. Sie gründeten Städte wie Novosibirsk am 83. Längengrad. 3.344 Kilometer von Moskau entfernt rollt der Rossija in den Bahnhof des "neuen Sibiriens". Bis heute ist das Gebäude der größte Bahnhof entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Gebaut in einer Zeit, als Dampfloks noch die Waggons zogen, ist das Bauwerk in seiner äußeren Gestalt einer Lokomotive nachempfunden. Nur mit räumlichem Abstand ist das zu erkennen, wie vieles in Sibirien.
Geheime Stadt
Durch Taiga und Steppe fährt die Bahn weiter, vorbei an zugefrorenen Seen und winterlich glitzernden Wäldern, bevor sie Krasnojarsk erreicht. Keine andere russische Metropole ist so weit von den Landesgrenzen entfernt wie die drittgrößte Stadt Sibiriens. Im Kriegsfall hätten feindliche Truppen lange gebraucht, um hierher vorzudringen. Nach dem Zweiten Weltkrieg avancierte die Stadt zu einem der wichtigsten Zentren sowjetischer Militärforschung. Bis heute unterliegen Siedlungen in der Umgebung Krasnojarsks strengen Geheimhaltungsregeln.
Siebzig Kilometer von Irkutsk entfernt liegt der Baikalsee. Mit einer Fläche von 31.500 Quadratkilometern ist er so groß wie Belgien.
Einen Ort der Verbannung erreicht der Rossija, als er nach 5.194 Kilometern in den Bahnhof von Irkutsk rollt. Dass es einst eine Strafe war, hier zu leben, ist heute nicht mehr erkennbar. Zu verdanken hat Irkutsk das der kulturellen Leistung der Dekabristen, jenen Männern, die im Dezember 1825 gegen den Zaren revoltierten, aus Protest gegen das autokratische Zarenregime, Leibeigenschaft, Polizeiwillkür und Zensur. In Irkutsk leisteten die westlich geprägten Intellektuellen ihre Zwangsarbeit ab. Nach Russland zurückkehren durften sie nicht. Lediglich frei in der Stadt zu leben, war ihnen erlaubt. Mit europäischer Architektur und neuem Wissen machten die Dekabristen aus der Provinzstadt Irkutsk das "Paris Sibiriens".
Präsidiale Adresse
Kurz nach Irkutsk erreicht die Transsibirische Eisenbahn den Baikalsee. Der Rossija berührt die malerische Kulisse des größten Trinkwasserspeichers der Welt nur kurz, bevor er seine Reise auf dem neuen Bahndamm im Hinterland fortsetzt. Die alte Baikaltrasse führte übrigens am Ufer des Sees entlang, wo heute prächtige Häuser zu sehen sind. Wohnen am Baikal ist in Russland der letzte Schrei, spätestens seit Wladimir Putin hier eine Villa besitzt. Verübeln kann man dem einstigen Präsidenten Russlands die Wahl des Wohnorts nicht. Die Landschaft des UNESCO Naturerbes ist traumhaft.
Versuch gescheitert
Bis vor kurzem vergiftete eine Papier- und Zellulosefabrik den Baikalsee. Jahrelang leitete das Werk seine Abwässer voller Chloride, Phenole, Sulfate und Dioxine ungeklärt in das Gewässer. Der Versuch, auf umweltfreundliche
9.288 Kilometer: Diese Säule auf dem Bahnsteig von Wladiwostok zeigt an, wie lang die Reise von Moskau war. (Bild: Toen96; Lizenz: Creative Commons)
Alt wird neu
Nach 8.500 Kilometern erreicht der Rossija bei Chabarowsk den Fernen Osten. Zu Zeiten der Sowjetunion endete hier die Fahrt. Das Areal östlich der Stadt war militärisches Sperrgebiet. Erst nach der Auflösung der Sowjetunion wurde Wladiwostok wieder zur Endstation der Transsib. Eine Säule auf dem Bahnsteig der alten und neuen Endstation zeigt die Entfernung nach Moskau. In den letzen sechs Tagen hat der Zug 9.288 Kilometer und damit fast ein Viertel des Erdumfangs überwunden. Noch am gleichen Tag geht es wieder los. Der Rossija fährt zurück in den Westen Russlands, durch die verschneiten Weiten Sibiriens.
Kathrin Schwarick (02.11.2009)
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Wie die Transsib entstand
Schon in der 1870er Jahren wurden Rufe nach einer Bahnverbindung nach Sibirien laut. Das Gebiet östlich des Urals bot immense Bodenschätze, die durch eine Bahnverbindung leichter hätten abtransportiert werden können. Zar Alexander III. beschloss den Bau einer Bahnlinie entlang des bereits bestehenden Postweges. Im Jahr 1891 begannen in Wladiwostok die Arbeiten in Ost-West-Richtung.
Zeitgleich arbeitete man sich in Tscheljabinsk in West-Ost-Richtung vor. Um schneller voranzuschreiten, wurde die Linie in sechs Abschnitte unterteilt. Die Bezeichnungen der damaligen Bauabschnitte bilden bis heute die Namen der Verwaltungen der Transsibirischen Eisenbahn (Westsibirische-, Mittelsibirische-, Baikal-, Transbaikalische-, Amur- und Ussuri-Bahn). 1894 verlief die Trasse der Transsibirischen Eisenbahn bis Omsk. Ein Jahr später erreichte sie den Ob. 1898 rollte der erste Zug nach Irkutsk. 1900, neun Jahre nach Baubeginn, war die Hälfte der Strecke verlegt.
Kein Abschnitt verursachte so viele Probleme wie die Baikalbahn. Das Klima um den See ermöglichte nur kurze Bauphasen. Die Geologie der Region erschwerte die Arbeiten zusätzlich. Um die Bahnverbindung trotzdem aufrecht zu erhalten, transportierten Schiffe im Sommer und Pferdeschlitten im Winter Waggons, Fracht und Passagiere an das andere Ufer des Baikals. Das Risiko von Unfällen war hoch und die Kapazitäten der Verbindung begrenzt. Deshalb begann 1904 der Bau der Strecke entlang des Baikalufers. Im Herbst 1904 war die Transsibirische Eisenbahn erstmals durchgängig befahrbar. Aber noch bis 1916 dauerte es, bis die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn fertig war.
Schon in der 1870er Jahren wurden Rufe nach einer Bahnverbindung nach Sibirien laut. Das Gebiet östlich des Urals bot immense Bodenschätze, die durch eine Bahnverbindung leichter hätten abtransportiert werden können. Zar Alexander III. beschloss den Bau einer Bahnlinie entlang des bereits bestehenden Postweges. Im Jahr 1891 begannen in Wladiwostok die Arbeiten in Ost-West-Richtung.
Zeitgleich arbeitete man sich in Tscheljabinsk in West-Ost-Richtung vor. Um schneller voranzuschreiten, wurde die Linie in sechs Abschnitte unterteilt. Die Bezeichnungen der damaligen Bauabschnitte bilden bis heute die Namen der Verwaltungen der Transsibirischen Eisenbahn (Westsibirische-, Mittelsibirische-, Baikal-, Transbaikalische-, Amur- und Ussuri-Bahn). 1894 verlief die Trasse der Transsibirischen Eisenbahn bis Omsk. Ein Jahr später erreichte sie den Ob. 1898 rollte der erste Zug nach Irkutsk. 1900, neun Jahre nach Baubeginn, war die Hälfte der Strecke verlegt.
Kein Abschnitt verursachte so viele Probleme wie die Baikalbahn. Das Klima um den See ermöglichte nur kurze Bauphasen. Die Geologie der Region erschwerte die Arbeiten zusätzlich. Um die Bahnverbindung trotzdem aufrecht zu erhalten, transportierten Schiffe im Sommer und Pferdeschlitten im Winter Waggons, Fracht und Passagiere an das andere Ufer des Baikals. Das Risiko von Unfällen war hoch und die Kapazitäten der Verbindung begrenzt. Deshalb begann 1904 der Bau der Strecke entlang des Baikalufers. Im Herbst 1904 war die Transsibirische Eisenbahn erstmals durchgängig befahrbar. Aber noch bis 1916 dauerte es, bis die Strecke der Transsibirischen Eisenbahn fertig war.



