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Südsee

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Paradies und Hölle
Fiat justitia et pereat mundus
- es werde Recht, wenn auch die Welt darüber zugrunde gehe - so lautet ein alter lateinischer Spruch. Aber beginnen wir von vorn: Jahrzehnte lang durften Fremde nur selten Pitcairn betreten. Dies begann sich im Jahre 1999 zu ändern: Eine englische Polizistin wurde in Adamstown stationiert und führte unauffällige Gespräche mit den Bewohnern. Hintergrund: Gestreut durch ehemalige Pitcairner - in Neuseeland und auf der Norfolk-Insel - hatten Gerüchte über sexuellen Missbrauch Minderjähriger das Ohr der Behörden erreicht.

Bis zu vierzig Jahre datierten die Verdachtsmomente zurück. Und es schien mehr als nur etwas dran zu sein. So wimmelte es ab September 2004 auf der Insel von Fremden: Richter, Verteidiger, Staatsanwälte, Ermittler. Die Positionen der Parteien lagen konträr: hier der Bezug auf insulares Gewohnheitsrecht, dort jedoch der Standpunkt, dass Pitcairn seit 1838 britischem Recht unterliege. Sexueller Verkehr unter Teilnahme Minderjähriger sei auf Pitcairn traditionell so üblich "wie das tägliche Essen", meinte etwa Olive Christian, Ehefrau des seinerzeit amtierenden Bürgermeisters.

Resultat des hohen behördlichen Aufwands: Spätestens seit der Berufungsverhandlung vor dem Supreme Court in Auckland dürfte klar sein, dass sechs Angeklagte - etwa die Hälfte der erwachsenen männlichen Einwohnerschaft Pitcairns - zu teils mehrjährigen Haftstrafen verurteilt werden, zu verbüßen im eigens erbauten Inselgefängnis. Käme es zu strengem Vollzug, wäre die selbstständige Fortexistenz der Inselgemeinschaft fraglich: Fischfang und Transport der subventionierten Güter auf den Langbooten in die Bountybay wären kaum noch zu realisieren.