Deutsche Kultur unter italienischer Flagge - willkommen in Südtirol. (Bozen, um 1898)
Bonbon & Sahnehäubchen
Rund vierzig Kilometer südlich von Innsbruck beginnt Italien. Auf den ersten 7.400 Quadratkilometern jedoch präsentiert sich das Land des dolce vita so un-italienisch wie nirgends sonst: In der Region zwischen Brennerpass und Venetien wird jegliche Kaffeespezialität mit einem Sahnehäubchen statt mit Milchschaum serviert!Rebellion in der Kaffeetasse
Was in anderen Teilen der Heimat von espresso, caffé macchiato und Co. als Geschmacklosigkeit ersten Grades gilt, kommt in Südtirol einer kleinen Rebellion gleich. Seit der Abspaltung von Tirol im Jahr 1919 haben Dezennien erzwungener Italianisierung das Leben in der norditalienischen Provinz geprägt und den Widerstand der Einwohner Südtirols hervorgerufen.
Fremdes Land
Südtirols Bevölkerung, zu fast zwei Dritteln deutscher Herkunft, sieht Italien häufig noch immer als fremdes Land, das lange Zeit versuchte, ihre deutsche Identität zu zerstören. Selbst die Verwendung des Namens Südtirol wurde ja verboten, als Italiens Regierung der Region offiziell die Bezeichnung Alto Adige gab (zu deutsch Ober-Etsch) - benannt nach dem zweitlängsten Fluss Italiens, der den Landstrich durchfließt.
Ins Spannungsfeld geraten
Orts-, Städte- und sogar Familiennamen ereilte das gleiche Schicksal, nichts sollte nach der Trennung mehr an die deutschen Wurzeln erinnern. Wie aber kam es dazu? Über fünf Jahrhunderte war Südtirol unangetasteter Teil der Grafschaft Tirol, gehörte seit 1363 zum Haus der Habsburger und damit zu Österreich. Mit Ende des für die k.u.k. Monarchie verloren gegangenen Ersten Weltkriegs jedoch geriet die Region ins Spannungsfeld europäischer Machtpolitik.
Dubiose Bemühungen
Supranationale Interessen sowie mangelhafte geografische Kenntnisse bestimmten 1919 ein erstes Mal Südtirols Schicksal. Im Friedensvertrag von St. Germain wurde die natürliche Scheidelinie am Brenner zur willkürlich festgelegten Grenze zwischen Österreich und Italien, die seitdem das Land Tirol teilt. In der Absicht, das österreichisch-ungarische Erbe zu zerstückeln, erhielt Italien als Belohnung für den Kriegseintritt auf Seiten der Entente das ehemalige Gebiet der Habsburger bis zu den Alpen...


