Einst hieß Tirol Das Land im Gebirge. Seit dem 19. Jahrhundert schon locken sanfte Täler und mächtige Gipfel Touristen in die Alpenregion.
Ein Kommen und Gehen
Majestätische Höhenzüge, kolossale Gebirgsstöcke, Landschaft zwischen Himmel und Erde - Tirol glänzt in Reiseführern mit Superlativen dieser Art. Von mächtigen Bergen, tiefen Tälern und einsamen Hütten ist da die Rede, und von Schnee, so weit das Auge reicht. Die Begeisterung mag vielleicht übertrieben scheinen - die jährlichen Besucherzahlen aber sprechen für sich.Millionen Übernachtungen
Das "Land im Gebirge", wie die Alpenregion hieß, bevor die Grafen von Tyrol ihr 1271 den eigenen Namen gaben, zog 2004 über acht Millionen Gäste an. Allein zwischen Mai und August 2005 verzeichneten die Tiroler Ferienzentren fast 13 Millionen Übernachtungen. Dabei hat Österreichs drittgrößtes Bundesland gerade einmal 675.000 Einwohner. Doch die profitieren reichlich von den nicht abnehmen wollenden Besucherströmen.
Montes horribiles
Denn nur zwölf Prozent der rund 12.650 Quadratkilometer Landesfläche können wirtschaftlich genutzt werden - Tirol besteht größtenteils aus hochalpinen, bewaldeten Gebieten, aus Gletschern, Felsen und Steilhängen. Lebensfeindlich erschien diese Umgebung noch den Römern, die auf ihrem Eroberungszug gen Norden die Alpen überqueren mussten und dem Gebirge daraufhin den Namen montes horribiles gaben.
Gegenbild der Industrialisierung
Das bis heute vorherrschende romantisch verklärte Alpenbild entstand erst in der Mitte des 18. Jahrhunderts auf dem Hintergrund der Industrialisierung. Die Vorstellung vom Gebirge als Ideal "schöner Natur" diente als Gegenbild zur städtischen Industrielandschaft und war Basis für den Fremdenverkehr in der Region. Mitte des 19. Jahrhunderts begann die touristische Erschließung der Tiroler Bergwelt. Zunächst entdeckten begeisterte Alpinisten aus Adels-, Intellektuellen- und Industriellenkreisen das Land und seine Schönheiten, später dann machten vor allem Alpenvereine mit dem Bau von Schutzhütten Tirol zur aufstrebenden Fremdenverkehrsregion...
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Infobox
Lange Zeit waren die Alpen lediglich ein natürliches Hindernis für Streitmächte und Eroberer. So standen sie dem punischen Feldherrn Hannibal während seines Zuges gegen Rom im Weg - was ihn aber nicht daran hinderte, die Westalpen im Jahr 218 v. Chr. mit 38.000 Soldaten, 9.000 Reitern und 37 Elefanten zu überqueren. Vermutlich nahm der Zug den Weg über den Col du Clapier. Wiederholt kam es zu kleinen Kämpfen mit keltischen Stämmen; aber vor allem das Wetter machte Menschen und Tieren zu schaffen - viele erfroren oder stürzten von den engen und vereisten Pfaden. Nur zehn der Elefanten sollen die Überquerung überlebt haben, das Heer schrumpfte auf 28.000 Mann. Zur damaligen Zeit galt der Zug Hannibals über das Gebirgsmassiv dennoch als außerordentliche Leistung, mit den Taten Alexanders des Großen vergleichbar. Zu politischer Macht gelangten die Alpen erst im Spätmittelalter: Damals bildeten sich aus bäuerlichen Genossenschaften so genannte Pass-Staaten. Deren Gebiete erstreckten sich beiderseits des Alpenkammes - somit kontrollierten sie die Pässe und konnten Zölle erheben. Zu den wichtigsten dieser kleinen Staaten gehörten Savoyen-Piemont, Tirol und die Alte Eidgenossenschaft. Das Ende der Pass-Staaten kam, als man die Alpen in die europäischen Nationen einband - die Grenzen der Länder sollten auf den Bergkämmen verlaufen. Italien trat 1860 Savoyen an Frankreich ab. Die Alliierten erklärten 1919 den Brenner als Grenze zwischen Österreich und Italien, wodurch Tirol geteilt wurde. Die aus der Eidgenossenschaft hervorgegangene Schweiz ist der einzige übrig gebliebene Pass-Staat.


