Ewiger Krisenherd?
Seit mehr als drei Jahrzehnten verläuft quer durch Zypern eine Grenze, die griechische Mehrheit und türkischstämmige Minderheit auf Distanz hält. Ist die scheinbar so friedliche Insel ein ewiger Krisenherd?Vor der Südküste Zyperns hat das Meer fast das ganze Jahr Badewannentemperatur: Bis zu 28 Grad Celsius sind es im August. "Insel der Aphrodite" heißt Zypern in den Werbeprospekten der Tourismusindustrie. Tatsächlich soll die griechische Göttin der Liebe hier den warmen Wellen entstiegen sein.
Vielleicht geschah das irgendwo bei Agia Napa, dem einstigen Fischerdorf - da, wo sich heute ein Hotel an das andere reiht. Den Tausenden Pauschaltouristen aus aller Welt klingt der Spruch von der "Liebesinsel" in den Ohren. Seltener sagt ihnen jemand, dass die Insel, auf der sie den Urlaub verbringen, ein Krisenherd ist. Und ganz selten, etwa bei Exkursionen ins Landesinnere, werden sie mit der Nase darauf gestoßen.
Stacheldraht und Barrikaden
Wenige Kilometer nördlich des touristischen Zentrums beginnt eine von UN-Soldaten gesicherte Pufferzone: Stacheldraht, Wachtürme, Reste von Minenfeldern sind untrügliche Zeichen der Teilung des Landes. Seit 1974, seit türkische Invasionstruppen den Nordteil der Insel besetzten, hält diese Teilung an. Ein Ende ist vorerst nicht in Sicht.
Verstellte Wege
Auf rund 38 Prozent des Inselterritoriums erstreckt sich die faktisch von Ankara regierte Türkische Republik Nordzypern. Der große Rest, mit Ausnahme zweier britischer Militärbasen, ist Machtbereich der (ethnisch griechischen) Republik Zypern - seit Mai 2004 ist der Staat sogar Mitglied der Europäischen Union. Alle Wege zwischen Norden und Süden waren bis vor kurzem von Barrikaden verstellt. Nur allmählich entschärft sich die Situation.
"Enosis!"
Dabei lebten griechische Mehrheit und türkische Minderheit auf der "Insel der Aphrodite" Jahrhunderte lang friedlich miteinander. Zypern, bis 1878 Teil des Osmanischen Reiches, lag abseits der Weltgeschichte. 1878 übernahmen die Briten die Provinz: die Insel wurde britisches Hochkommissariat - und 1914, mit dem Eintritt des Osmanischen Reiches in den Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, offiziell annektiert.
Rasch sahen sich die neuen Kolonialverwalter mit einer lautstarken Forderung der griechischen Mehrheit konfrontiert, welche ihnen bis zum Abzug keine Ruhe mehr lassen sollte: Enosis, Anschluss der Insel ans griechische "Mutterland"! Historiker deuten die Enosis-Forderung auch als Produkt eines relativ späten und daher umso aggressiveren Nationalismus: Erst in den 1820er Jahren hatte ja das griechische Königreich seine Unabhängigkeit gegen die osmanischen Besatzer erkämpft und wurde nur langsam zur - eher zweitrangigen - europäischen Macht.
Der dritte Faktor
Zunächst provozierten Enosis-Aktivisten den Konflikt zwischen national gesinnten Zyperngriechen und Briten. Mehr und mehr aber kamen nach 1923 - dem Jahr der Gründung der modernen Türkei durch Kemal Atatürk - die Zyperntürken als dritter, gleichfalls national orientierter Faktor ins Spiel.
Teilung - und latente Gewalt: im Frühjahr 2005 marschiert die Nationalgarde durch Larnaca.
In den 1930er Jahren eskalierte der Streit: Terroristische Aktionen der zyperngriechischen EOKA (Nationale Organisation zypriotischer Kämpfer) riefen Gegenaktionen der britischen Polizei hervor, Attentate beantwortete die Kolonialverwaltung mit Repression - und mit der Rekrutierung von Zyperntürken für "Antiterrorverbände". Lediglich während des Zweiten Weltkriegs herrschte auf Zypern vergleichsweise Ruhe: Einige Zehntausend Zyprer dienten in den Reihen der britischen Armee.
Spätestens ab Mitte der 1950er Jahre gewann der Konflikt dann allerdings internationale Dimensionen. Griechenland und die Türkei, beide bereits Nato-Staaten, begannen, sich an der Seite "ihrer" Bevölkerungsgruppen zu engagieren...
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Die Republik Zypern...
umfasst völkerrechtlich fast das gesamte Inselterritorium von 9.251 Quadratkilometern. Ausnahmen bilden lediglich zwei britische Militärbasen. Tatsächlich beherrscht sie aber nur den größeren Südteil der Insel (5.384 Quadratkilometer). Beinahe ausschließlich dort leben ungefähr 578.000 griechische Zyprer, das entspricht etwa 77 Prozent der Bevölkerung.
Südzypern ist, gemessen am BIP und an der wirtschaftlichen Struktur, der weitaus stärkere Landesteil (BIP pro Kopf 2004: 17.400 Euro; Deutschland zum Vergleich: 23.100 Euro). Der Dienstleistungssektor, einschließlich des Tourismus, ist hoch entwickelt; nur noch rund 5 Prozent der Bevölkerung des Südens sind in der Landwirtschaft tätig. Innerhalb der EU ist Zypern (also Südzypern) neben Malta der wirtschaftlich am besten positionierte Staat der zehn neuen Beitrittsländer.
Ab 1. Januar 2008 ersetzt der Euro das Zyprische Pfund. In einem Referendum 2004 hat die Mehrheit der südzyprischen Bevölkerung die politische Wiedervereinigung zu einem Bundesstaat mit dem Norden und damit den gemeinsamen (auch de- facto-) EU-Beitritt abgelehnt.
umfasst völkerrechtlich fast das gesamte Inselterritorium von 9.251 Quadratkilometern. Ausnahmen bilden lediglich zwei britische Militärbasen. Tatsächlich beherrscht sie aber nur den größeren Südteil der Insel (5.384 Quadratkilometer). Beinahe ausschließlich dort leben ungefähr 578.000 griechische Zyprer, das entspricht etwa 77 Prozent der Bevölkerung.
Südzypern ist, gemessen am BIP und an der wirtschaftlichen Struktur, der weitaus stärkere Landesteil (BIP pro Kopf 2004: 17.400 Euro; Deutschland zum Vergleich: 23.100 Euro). Der Dienstleistungssektor, einschließlich des Tourismus, ist hoch entwickelt; nur noch rund 5 Prozent der Bevölkerung des Südens sind in der Landwirtschaft tätig. Innerhalb der EU ist Zypern (also Südzypern) neben Malta der wirtschaftlich am besten positionierte Staat der zehn neuen Beitrittsländer.
Ab 1. Januar 2008 ersetzt der Euro das Zyprische Pfund. In einem Referendum 2004 hat die Mehrheit der südzyprischen Bevölkerung die politische Wiedervereinigung zu einem Bundesstaat mit dem Norden und damit den gemeinsamen (auch de- facto-) EU-Beitritt abgelehnt.



