Feindbild Adipositas
Übergewicht ist längst mehr als nur ein ästhetisches oder medizinisches Problem. Dicke seien vor allem ein soziales Problem - je dicker, desto teurer werde es für die Gesellschaft, sind Experten und Politiker einig.Kostenfaktor dicker Bauch: ungefähr ein Drittel ihres Budgets investieren deutsche Krankenkassen derzeit in die Behandlung Übergewichtiger.
Fast Food statt Reis und Gemüse
Die Zeiten, in denen der Zeigefinger vorwurfsvoll auf die USA gerichtet werden konnte, sind längst vorbei. Freilich, dort leben die meisten Übergewichtigen. Doch vor Fettleibigkeit ist kein Land mehr gefeit. So zeigen schon Entwicklungsländer rasante Wachstumsraten, welche jene der westlichen Welt in Kürze übertreffen könnten. Selbst die Asiaten - seit jeher Inbegriff des Schlankseins - werden korpulenter. In China etwa sind von 1,3 Milliarden Menschen bereits jetzt sechzig Millionen übergewichtig. Statt Reis und Gemüse steht mehr und mehr Fast Food auf dem Speiseplan - wachsender Wohlstand macht´s möglich.
"War on Fat"
Wie aber umgehen mit der steigenden Zahl von Dicken? Wohl dem, der in Asien seinen Bauch zur Schau tragen kann, denn dort gilt Leibesfülle noch als Zeichen von Wohlstand und Gesundheit. Die westlichen Länder hingegen haben Übergewicht zum sozialen Problem erklärt, das dringend einer Lösung bedarf. George Bush erklärte den Kampf gegen die Pfunde 2002 gar zur Chefsache und rief den "War on Fat" aus.
Cheeseburger & Co: Fast Food ist auch in Entwicklungsländern auf dem Vormarsch - und damit Übergewicht und Adipositas.
Wachsendes "Bedrohungspotential" legitimiert den Kreuzzug gegen Fett in Nahrungsmitteln. Zahlreiche Maßnahmen sollen die Gefahr bannen: Ampelfarben auf Verpackungen zum Beispiel, die den jeweiligen Zucker- und Fettgehalt angeben, ein seit 2007 geltendes Werbeverbot für Fast Food im englischen Kinderfernsehen oder ein klares Nein zu Fast Food und Softdrinks in allen US-Schulen ab 2009.
Deutschland zieht nach: Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) entwirft derzeit einen Nationalen Aktionsplan Ernährung, um präventiv gegen Übergewicht vorzugehen. Falls alles nichts bringt, sollen Sanktionen helfen: die Drohung mit höheren Krankenkassenbeiträgen für Dicke etwa oder berufliche Nachteile: so haben Bewerber für den öffentlichen Dienst hierzulande ab einem BMI von 30 schlechte Karten, wollen sie verbeamtet werden.
Unsoziales Verhalten
Dicksein erhöhe die Anfälligkeit für Diabetes, Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen und senke die Lebenserwartung, warnen Experten. Somit gefährdeten die Dicken nicht nur sich selbst, sondern ebenso die Gesellschaft. "Kein Gesundheitssystem der Welt kann bewältigen, was Übergewicht und Fettleibigkeit uns an immensen Kosten aufbürden", bringt es Renate Künast, Fraktionsvorsitzende der Grünen, auf den Punkt...
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Die Deutschen sind zu dick
Zu diesem Ergebnis kommt die im Jahr 2008 veröffentlichte Nationale Verzehrstudie. Die meisten männlichen Übergewichtigen leben in Schleswig-Holstein: fast siebzig Prozent der Männer bringen hier zu viel auf die Waage. Bei den Frauen ist es Sachsen mit 57 Prozent. Hamburg bildet das Schlusslicht mit dem niedrigsten Prozentsatz, doch Hamburg hat auch den höchsten Durchschnittsverdienst.
Die Sozial- und Einkommensstruktur spielt eine wichtige Rolle bei der regionalen Verteilung der Pfunde - ebenso die Bildung: rund siebzig Prozent der Teilnehmer mit Hauptschulabschluss leiden unter Übergewicht, Abiturienten hingegen nur halb so oft. Als besonders gravierend erweisen sich die Zahlen bei Kindern als auch Jugendlichen: so hat das Robert-Koch-Institut herausgefunden, dass fast zwei Millionen Kinder zu dick sind, circa 800.000 sogar adipös.
Zu diesem Ergebnis kommt die im Jahr 2008 veröffentlichte Nationale Verzehrstudie. Die meisten männlichen Übergewichtigen leben in Schleswig-Holstein: fast siebzig Prozent der Männer bringen hier zu viel auf die Waage. Bei den Frauen ist es Sachsen mit 57 Prozent. Hamburg bildet das Schlusslicht mit dem niedrigsten Prozentsatz, doch Hamburg hat auch den höchsten Durchschnittsverdienst.
Die Sozial- und Einkommensstruktur spielt eine wichtige Rolle bei der regionalen Verteilung der Pfunde - ebenso die Bildung: rund siebzig Prozent der Teilnehmer mit Hauptschulabschluss leiden unter Übergewicht, Abiturienten hingegen nur halb so oft. Als besonders gravierend erweisen sich die Zahlen bei Kindern als auch Jugendlichen: so hat das Robert-Koch-Institut herausgefunden, dass fast zwei Millionen Kinder zu dick sind, circa 800.000 sogar adipös.



