Als letzter Schritt
Weil die Zahl der hierzulande zur Adoption freigegebenen Kinder sinkt, suchen Paare ihr Elternglück im Ausland. Kinderschutzorganisationen beobachten den Trend mit Besorgnis.Herkunft im Dunkel: Wer ist meine leibliche Mutter? Und warum wollte sie mich nicht? Das beschäftigt viele Adoptierte.
Elternglück im Ausland
Hinzu kommt, dass das "Angebot" zur Adoption freigegebener Kinder in Deutschland kontinuierlich sinkt. Immer mehr Adoptionswillige suchen ihr Mutter- oder Vaterglück daher im Ausland. Viele kinderlose Paare des Westens sehen dort ihre letzte Chance, sich den Kinderwunsch zu erfüllen. Und quellen die Waisenheime der Dritten Welt nicht förmlich über vor Kindern, die nur darauf warten, aus ihrer schlimmen Situation erlöst zu werden? Ermöglicht ihnen die Adoption nicht ein besseres Leben?
Instrument der Armutsbewältigung?
Kinderschutzorganisationen, wie Terre des hommes und die Internationale Arbeitsgemeinschaft für Jugendfragen, beobachten den Anstieg des Anteils der Auslandsadoptionen mit Besorgnis. Für sie rechtfertigt die Tatsache, dass es den Kindern bei Adoptiveltern auf der Grundlage unvergleichbar besserer materieller Bedingungen wesentlich besser gehen kann, nicht die Herausnahme der Kinder aus ihrem Kulturkreis.
Auch nicht der legitime Wunsch, ungewollte Kinderlosigkeit mit Hilfe von Adoptionen zu überwinden, könne internationale Adoption in größerem Stil begründen. Das massenhafte Verpflanzen von Kindern auf dem Wege der Adoption sei kein adäquates Instrument globaler Armutsbewältigung. Auslandsadoptionen - so hilfreich sie auch für das Einzelschicksal sein mögen - dürften nicht als Ersatz für geeignete sozial- und entwicklungspolitische Maßnahmen in den Heimatländern herhalten. Außerdem entspreche es den Rechten und dem Wohl der Kinder am ehesten, wenn ihnen der Verbleib im Herkunftsland ermöglicht wird.
Etwa zehn bis fünfzehn Prozent aller Paare in Deutschland sind ungewollt kinderlos.
Terre des hommes vermittelte zwischen 1967 und 1988 mehr als 2.800 Kinder aus Ost- und Südostasien und Lateinamerika nach Deutschland. 1994 jedoch beschloss der Verein, die Adoptionsvermittlung einzustellen, "um sich stattdessen intensiver der Prävention von Verlassenheit und der Förderung von Inlandsadoptionen vor Ort zuzuwenden": Bevor ein Kind ins Ausland adoptiert werden dürfe, müssten alle Möglichkeiten geprüft werden, es wieder in seine Ursprungsfamilie zu integrieren. Sei das nicht möglich, werde nach geeigneten Pflege- und Adoptionsfamilien im Heimatland gesucht. Die Adoption eines Kindes ins Ausland sollte immer der letzte Schritt sein.
Leider sieht die Realität anders aus. Vielfach dominieren im Kontext von Auslandsadoptionen vor allem geschäftliche Interessen. Mit der steigenden Anzahl privater Organisationen und Vermittler wird die Adoptionspraxis zudem immer unübersichtlicher. Experten befürchten, dass bei vielen Adoptionen nicht das Kindeswohl sondern wirtschaftliche Aspekte im Mittelpunkt stehen. Mit der Zunahme von Auslandsadoptionen würde sich eine neue Form von Kinderhandel etablieren.
An den Behörden vorbei
Denn von "schnell und unbürokratisch" kann auch bei der Adoption ausländischer Kinder keine Rede sein. Der langwierige Weg über Jugendämter und staatlich anerkannte Vermittlungsstellen - mit allen Formalitäten und Eignungsprüfungen - bleibt auch hier niemandem erspart. Terre des hommes schätzt, dass rund ein Drittel aller Auslandsadoptionen daher an den Behörden vorbei im Herkunftsland abgewickelt werden.
Mit der Zunahme von Auslandsadoptionen wächst zugleich die Gefahr des illegalen Kinderhandels. (Bild: terre des hommes, Gualberto Gonzalez)
Dabei lasse sich kaum klären, ob die Kinder wirklich verlassen oder von ihren Eltern freiwillig zur Adoption freigegeben worden sind. Auch Entführungen und das Fälschen von Papieren kämen immer wieder vor. Außerdem zahlten manche Adoptiveltern viele tausend Dollar für ein Kind, was den Verdacht nahe lege, dass die vermittelten Kinder ihren notleidenden Eltern regelrecht abgekauft wurden. Doch selbst wenn alles mit rechten Dingen zugeht, können Auslandsadoptionen zahlreiche Probleme mit sich bringen. Eltern sollten sich darauf einstellen, dass ihre Kinder aus sozial gestörten Verhältnissen stammen, vielleicht sogar misshandelt wurden.
Lebenslange Herausforderung
Verzögerungen in der Entwicklung der Kinder sind zu erwarten. Und zwangsläufig kommt irgendwann die Frage nach der Herkunft - denn dass sie anders sind, bekommen viele Kinder schon früh zu spüren. Integration auf der einen und Identitätsfindung auf der anderen Seite werden zur lebenslangen Herausforderung für Eltern und Kinder.
Ulrike Wolf (21.05.2007)
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Unfruchtbarkeit in Deutschland
Schätzungsweise jedem siebten Paar in Deutschland gelingt es nicht, auf natürlichem Weg ein Kind zu zeugen. In je dreißig Prozent der Fälle liegt die Ursache entweder bei der Frau oder beim Mann. Kombinierte Ursachen bewirken in dreißig Prozent der Fälle die Kinderlosigkeit. Bei weiteren zehn Prozent lässt sich beim heutigen Stand der medizinischen Forschung keine Ursache angeben.
Bei beiden Geschlechtern wirken sich Stress, Alkohol, Nikotin, Drogen und Umweltgifte negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Das Alter ist eine erhebliche Ursache für weibliche Unfruchtbarkeit. Denn während die Samenzellen des Mannes immer wieder erneuert werden, sind die Eizellen der Frau so alt wie sie selbst. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Anzahl der Eizellen, das Erbgut der Zelle verändert sich, die Eizelle wird nicht befruchtet oder nistet sich nicht ein.
Für Paare mit Kinderwunsch ist Unfruchtbarkeit eine bedrückende Lage, die häufig Depressionen hervorruft. Manche Betroffene beschreiben die Situation als ähnlich belastend wie den Verlust einer nahe stehenden Person. Der daraus folgende psychische Stress wirkt sich zusätzlich negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Experten schätzen, dass in den kommenden zwanzig Jahren etwa jedes dritte Paar trotz Kinderwunsch kinderlos sein wird.
Schätzungsweise jedem siebten Paar in Deutschland gelingt es nicht, auf natürlichem Weg ein Kind zu zeugen. In je dreißig Prozent der Fälle liegt die Ursache entweder bei der Frau oder beim Mann. Kombinierte Ursachen bewirken in dreißig Prozent der Fälle die Kinderlosigkeit. Bei weiteren zehn Prozent lässt sich beim heutigen Stand der medizinischen Forschung keine Ursache angeben.
Bei beiden Geschlechtern wirken sich Stress, Alkohol, Nikotin, Drogen und Umweltgifte negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Das Alter ist eine erhebliche Ursache für weibliche Unfruchtbarkeit. Denn während die Samenzellen des Mannes immer wieder erneuert werden, sind die Eizellen der Frau so alt wie sie selbst. Mit zunehmendem Alter verringert sich die Anzahl der Eizellen, das Erbgut der Zelle verändert sich, die Eizelle wird nicht befruchtet oder nistet sich nicht ein.
Für Paare mit Kinderwunsch ist Unfruchtbarkeit eine bedrückende Lage, die häufig Depressionen hervorruft. Manche Betroffene beschreiben die Situation als ähnlich belastend wie den Verlust einer nahe stehenden Person. Der daraus folgende psychische Stress wirkt sich zusätzlich negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Experten schätzen, dass in den kommenden zwanzig Jahren etwa jedes dritte Paar trotz Kinderwunsch kinderlos sein wird.



